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Manche Verleger sind Wirbelwinde

Bis Sonntag trifft sich die Buchbranche in Frankfurt. Vor allem für das Geschäft mit Buchrechten. Drei Schweizer Verleger berichten von Terminhetze und der Ruhe in der Nische.
Hansruedi Kugler
Der Verleger Rico Bilger mit seinem argentinischen Autor Hernan Ronsino. (Bild: Hansruedi Kugler)

Der Verleger Rico Bilger mit seinem argentinischen Autor Hernan Ronsino. (Bild: Hansruedi Kugler)

Der Rundgang beginnt mit einer Überraschung. Verleger Rico Bilger lacht laut auf und sagt: «Als Mikroverlag bin hier kein Objekt der Begierde», und zeigt sein Notizbuch. Trotzdem leistet er sich die Standmiete von 1000 Euro für knapp drei Quadratmeter. Fünf Einträge, verteilt auf vier Tage, stehen im Notizbuch: befreundete Buchhändler, die eigene Vertreterin und sein argentinischer Autor Hernan Ronsino. «Früher hatte ich viele Termine mit Literaturagenten vereinbart», sagt er. Das bringe aber zu wenig. «Ich finde Autoren und Bücher dort, wo andere nicht suchen», sagt er. Also nicht an der Buchmesse in Frankfurt.

Ein Handschlag in Buenos Aires genügte

Hernan Ronsino hatte er vor sechs Jahren in einer Bar in Buenos Aires kennen gelernt. Die Verlegerwoche, zu der ausländische Verlage eingeladen werden, um die argentinischen Autoren in die Welt zu tragen, war zu Ende. Der zufällige Gesprächspartner von Bilger war Hernan Ronsino. Die Rechte an dessen Buch «Letzter Zug nach Buenos Aires» waren noch zu haben. Ein Handschlag genügte, seither ist der Autor im Bilger-Verlag beheimatet. Dort bleibe er, sagt Ronsino. «Bis jetzt belagern mich andere Verlage nicht.» Er arbeitet als Dozent an der Uni in Buenos Aires, ist also nicht abhängig vom Buchverkauf. «Mir ist wichtiger, mit Rico einen leidenschaftlichen Verleger und Freund zu haben», sagt er. Sein neuer Roman «Lumbre» hat sich in Argentinien 4000mal verkauft, die Übersetzung steht im Regal des Bilger-Verlags. Ronsino sei typisch für seinen Verlag, sagt Rico Bilger: «Hinter jeder Autor-Beziehung steckt eine spezielle Geschichte.» So hat ihm etwa Anne Cuneo den jungen Romand Quentin Mouron und seinen Roman «Notre-Dame-de-la-merci» empfohlen. Cuneo ist selbst Autorin im Bilger-Verlag.

«Sorry, Herr Vaihinger ist völlig ausgebucht»

Ganz anders sieht der Terminkalender von Dirk Vaihinger aus. «Sorry, völlig ausgebucht, keine Chance auf einen Termin», heisst es. Der Verlagsleiter von Nagel & Kimche hetzt vier Tage lang im Halbstundentakt von Termin zu Termin und lässt sich aus aller Welt Neuerscheinungen vorstellen. Zehn Minuten finden sich doch zwischen zwei Terminen. «Zwar fluten die Mails das ganze Jahr in die Verlage. Die Buchmesse ist trotzdem unverzichtbar», sagt Dirk Vaihinger. Hier fänden oft entscheidende persönliche Gespräche mit Agenten statt. In der Regel nimmt er die Bücher nach Hause, liest sie in Ruhe und entscheidet sich dann. Erst einmal habe er in Frankfurt sofort Rechte gekauft. Mit Grégoire Bouillier hat er zwei Bücher gemacht, die «leider auf dem Markt nicht so gut ankamen».

Dass Buchrechte regelrecht versteigert werden, komme auch in Frankfurt vor, erzählt Vaihinger. Vor allem bei Weltautoren, die einen neuen Verlag suchen, werden grosse Verlage angeschrieben. Die geben Offerten für den Vorschuss ab, den man hoffentlich beim Verkauf wieder einspiele. An der diesjährigen Buchmesse ist das beim neuen Roman der indischen Erfolgsautorin Arundhati Roy der Fall. Vor fast zwanzig Jahren bekam sie für den Welterfolg «Der Gott der kleinen Dinge» über eine Million Franken als Vorschuss für die Auslandverwertung. Für Dirk Vaihinger ein zu grosser Fisch. Unter den Schweizer Verlagen mischt da nur Diogenes mit. Theoretisch habe er zwar kein Limit, und was er für Buchrechte zahlt, sei «Betriebsgeheimnis», sagt er. Aber das Risiko müsse abgewogen werden.

Seine Verkaufsmitarbeiterin versucht unterdessen, eigene Autoren an fremdsprachige Verlage zu verkaufen. Ein harziges Geschäft, nicht nur bei einem Jungautor wie Frédéric Zwicker; selbst bei einem erfolgverwöhnten Autor wie Charles Lewinsky. Sein Roman «Andersen» sei erst in zwei Länder verkauft. Darunter in die Niederlande, wo der frühere Lewinsky-Roman «Melnitz» rund 300 000mal verkauft worden sei. «Man merkt, dass ausländische Verlage immer weniger Lektoren haben, die deutschsprachige Bücher lesen können», bedauert Vaihinger.

Weniger Konkurrenz in der Comic-Nische

Zehn Messetermine hat David Basler. Er ist Gründer der auf Comics spezialisierten Edition Moderne. Seit über dreissig Jahren kommt er nach Frankfurt. «Mein wichtigster Termin ist jeweils das Treffen der Comic-Verlage beim Stand der holländischen und belgischen Literaturförderung», sagt er. Die Stiftungen unterstützen Übersetzungen finanziell und gehen auf fremdsprachige Verlage zu. Dank der Stiftung, die ähnlich wie Pro Helvetia von staatlichen Geldern lebt, konnten auf diese Buchmesse hin 420 Bücher von holländischen und flämischen Autoren ins Deutsche übersetzt werden. Er werde von der Stiftung jeweils über Comic-Neuerscheinungen informiert, sagt Basler. Die Übersetzungsförderung habe seinen neuen «Cowboy Henk»-Band ermöglicht. Er fügt hinzu: Einen grossen Schritt habe die Schweiz kürzlich mit der leistungsabhängigen Verlagsförderung gemacht. Als Kleinverlag bekomme er monatlich rund 1000 Franken, was ihm eine Grundsicherheit gebe.

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