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MÄNNERCHOR: Wo Mann singt

Sie kämpfen gegen ein verstaubtes Image und Mitgliederschwund. Männerchöre gehören mit zu den ältesten Vereinen der Schweiz, doch einigen gelingt der Sprung in die Moderne nicht. Ein Festival will das ändern.
Julia Nehmiz
Der Männerchor Heiden will das gemeinsame Singen, die Begegnung zelebrieren. (Bild: Urs Bucher (Heiden, 12. März 2018))

Der Männerchor Heiden will das gemeinsame Singen, die Begegnung zelebrieren. (Bild: Urs Bucher (Heiden, 12. März 2018))

Julia Nehmiz

julia.nehmiz@tagblatt.ch

Und dann flutet Gesang den Probe­raum. Wie Meeresbrandung rauscht der Klang von Leonard Bernsteins «West Side Story» über die Männer hinweg. «Mit Gefühl, singt fein», ruft Dirigent Michael Schläpfer seinen Sängern zu. Auch wenn manche Harmonie verhauen ist, nicht jeder seine Stimme perfekt halten kann – die Leidenschaft der Laiensänger ist umso ansteckender. Es geht nicht um den perfekten Klang, auch wenn der angestrebt wird – singen heisst eben auch einfach: sich ergreifen lassen. Die eigene Stimme spüren, sich einfügen in ein grosses Ganzes.

Der Männerchor Heiden singt seit 1960, damals schlossen sich die Männerchöre Frohsinn und Harmonie zusammen. 30 Mitglieder zählt der Männerchor heute. «Es ist ein gesunder Chor», sagt Dirigent Michael Schläpfer. Seine Sänger seien aktiv, engagiert und offen für Neues. Trotzdem: Das Durchschnittsalter liegt bei 66 Jahren. Wie bei vielen Männerchören hapert es auch in Heiden am Nachwuchs.

Ein Trend, der sich schweizweit bemerkbar macht. «Gesamthaft singen heute 30 bis 40 Prozent weniger Männer in Chören», sagt Karlheinz Ribar, Präsident des Thurgauer Kantonalgesangverbands. Männerchöre gehörten zu den ältesten Vereinen der Schweiz. Die grosse Welle fand um 1850 statt, jeder Ort hatte zwei Männerchöre. «Das war eine Institution, es gehörte dazu, im Chor zu singen.» Das hat nachgelassen. Vor allem in den letzten 30 Jahren mache sich der Sängerschwund bemerkbar. Männer seien heute nicht mehr so sangesfreudig, sagt Ribar.

«Singen macht Freude, singen ist Befreiung»

Erschwerend kommt hinzu, dass Männerchören ein verstaubtes Image anhaftet. «Klar gibt es Chöre, denen das Jassen nach der Probe wichtiger ist als der Gesang.» Doch viele Chöre öffneten sich, sagt Ribar. Nebst traditionellem Liedgut erweitern Schlager, Rock- oder Popsongs das Repertoire. Es sei wichtig, dass jeder Chor sein Profil schärfe.

Die Heidler Sänger treffen sich am Montagabend zur Hauptprobe vor ihrem Festival. Ein nüchterner Kellerraum der Dorfschule, 30 Stühle sind im Halbkreis um den Flügel gruppiert, auf dem Wandschränkchen steht ein Körbchen mit Halsbonbons bereit. Die ersten sind schon vor dem Dirigenten da. Viele sind langjährige Mitglieder – manche seit über 30 Jahren. Warum? «Singen macht Freude», «Singen ist Befreiung», «Kameradschaft», «geistige und musische Herausforderung». Und: Nach der Probe wird im Restaurant fast bis Mitternacht geplaudert, gelacht und gesungen.

Das Nachwuchsproblem, das ist auch im Männerchor Alpstee aus Brülisau ein Thema – aktuell, aber kein drängendes. «Unser Chor hat eine sehr gute Altersdurchmischung», sagt Dirigentin Andrea Richle. Ihre Sänger sind zwischen 20 und 70 Jahre alt. Ihr Zauberrezept: Der Chor ist stark im Dorf verankert, Sänger werben Kollegen an. Und: «Wir singen alles, traditionelle Jodellieder, Operette oder auch klassische Lieder von Brahms oder Schubert», sagt Richle. «Ohne Rugguseli hätten wir die Jungen an Jodelchöre verloren.»

In Heiden setzt Dirigent ­Michael Schläpfer auf einen Mix der Chorliteratur. Trotzdem – oder vielleicht auch deswegen: eine Handvoll junger Chorsänger senken den Altersdurchschnitt seines Chors in Heiden, den er seit 17 Jahren leitet. Doch Schläpfer klagt nicht, er macht. Mit seinem Chor stellt er ein Festival auf die Beine, das es so in der Region noch nicht gab: Neun Chöre aus der Ostschweiz haben sie ein­geladen, um bei «Mann singt!» gemeinsam aufzutreten. In «Begegnungskonzerten» soll Zusammenhalt wachsen. «Bei Gesangsfesten steht der Wettbewerb im Mittelpunkt», sagt Schläpfer. Jetzt in Heiden wollen sie das gemeinsame Singen, die Begegnung zelebrieren, und die Vielfalt der Männerchöre zeigen. Und sie hoffen auf einen Werbeeffekt, dass vielleicht der eine oder andere Mann das Singen als Hobby entdeckt.

Hinweis Festival «Mann singt!» in Heiden, 16.3.: A-cappella-Konzert ­Bergwaldchörli Enggenhütten und The Singing Pinguins. 17. 3.: Begegnungskonzerte mit 250 Sängern. Programm unter maennerchor-heiden.ch.

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