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Männer mit Beule

Der Griff ans Gesäss verbindet die Männer. Für Stilexperten aber ist das Portemonnaie in der Hose ein Albtraum. Und für die Portemonnaie-Besitzer kann's einer werden: Zu gern fingern sie's hervor und lassen es liegen.
Lukas G. Dumelin
hosen (Bild: Michel Canonica)

hosen (Bild: Michel Canonica)

Männer verbindet ein Griff: nämlich der ans Gesäss, denn dort sind Geld, Kreditkarte und Halbtax verstaut. Dabei schlenkert der rechte Arm nach hinten zur Hosentasche, dann fingern Daumen und Zeigefinger ein Portemonnaie hervor, oft ein zerknautschtes, überfülltes, das früher einmal schwarz gewesen sein muss.

Bequemer ist's ohne

Diese Bewegung ist überall zu beobachten: an der Kasse im Coop, im Stadtbus vor dem Billettautomaten – und natürlich vor dem Absitzen. Denn wenn Mann sitzen will, will er es bequem haben, und bequem ist's nur ohne Beule am Hintern. Wer ständig mit schiefem Gesäss dasitzt, kann an Verspannungen leiden, manche Frauen munkeln gar: Ständiges Sitzen auf dem Portemonnaie führt zu Schwierigkeiten mit der Wirbelsäule. Wobei ein Orthopäde betont, er habe noch nie gehört, dass man einem Patienten hätte raten müssen: Verstauen Sie doch Ihr Portemonnaie bitte anderswo. Schlüssel hingegen – beim Sitzen in den vorderen, zu engen Hosentaschen getragen – können Nerven einklemmen und Gefühlsstörungen hervorrufen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das Portemonnaie jedenfalls begleitet den Menschen seit Jahrhunderten, wahrscheinlich sogar seit Jahrtausenden. Hieroglyphen deuten darauf hin, dass sich die alten Ägypter Geldbeutel um die Taille gebunden haben, und in einem Grab bei Leipzig sind Archäologen auf einen Beutel aus Leder gestossen, der etwa 4500 Jahre alt sein soll.

Ohne Münz durchs Leben

In historischer Hinsicht scheint es also ein aussichtsloser Kampf zu sein, den Männer wie Jeroen van Rooijen führen: Seinen Zeitgenossen rät der Stilexperte zum schlanken Etui für Noten und die wichtigsten fünf Karten. «Das Münz hat man im Hosensack, in der Mittelkonsole des Autos – oder man lässt es dort als Trinkgeld liegen, wo man es bekommen hat. Das Ziel ist, mit so wenig Münz wie möglich durchs Leben zu gehen.» Aus Sicht des Stilfachmannes ist das Portemonnaie ein Problemfall. Die Beule am Hintern findet er «ganz fürchterlich und entstellend». Sowieso: «Die Leute tragen viel zu viel mit sich herum», sagt van Rooijen. Das gilt übrigens auch für die Frauen. Doch weil sie das Portemonnaie in die Handtasche legen können, dürfe es ein bisschen grösser sein als bei Männern. «Doch einen Geldbeutel, der auch einer Kellnerin gehören könnte, würde ich nicht empfehlen», meint van Rooijen.

«Sammlung von Identitäten»

Das Portemonnaie ist Teil von uns. Wir sind, was wir mit uns herumschleppen. «Der Geldbeutel», sagt van Rooijen, «ist eine Sammlung von Identitäten – und damit meistens schwer überbefrachtet.» So sagt das Portemonnaie auch einiges über uns aus, im Falle des zerknautschten, gut gefüllten, einst schwarzen Portemonnaies auch weniger Gutes. Oder wie Jeroen van Rooijen das so schön diplomatisch formuliert: «Manche Kassiererin könnte Bücher schreiben über die Korrelation zwischen Mensch und Portemonnaie.»

Kassiererinnen wie jene neulich in einer Migros in Frauenfeld. «Jesses», sagt die Frau, als sie sieht, wie der Kunde mühevoll sein Portemonnaie aus dem Hosensack zieht und sich durch den Wust an Noten, Zetteln und Quittungen kämpft, «Jesses, Sie händ jo es dicks Portemonnaie, viel dicker als das vonere Frau!»

Der Druck ist weg

Karl Lagerfeld, der exzentrische Designer, würde wohl lachen, sähe er so ein Schauspiel. Wobei die Wahrscheinlichkeit, dass er sich an einer Supermarktkasse in eine Schlange einreiht, natürlich gleich null ist. Ob er einen Geldbeutel besitze, fragte ihn ein Journalist der «Süddeutschen Zeitung». «Einen Geld-was?», fragte der Designer zurück. «Ich zahle nie. Darum kümmern sich meine Mitarbeiter. Die machen alles für mich.»

Karl Lagerfeld ist in einer Hinsicht im Vorteil: Er kann sein Portemonnaie nicht verlieren, höchstens seine Mitarbeiter. Darum wird er die Erfahrung noch nie gemacht haben, wie schlimm es sich anfühlt, stellt man fest, dass die Hose nicht mehr gebeult ist, obwohl da eine Beule sein müsste. Das liegt dann meistens an diesem automatisierten Griff ans Gesäss. Vor dem Absitzen entledigt man sich des Drucks am Hintern – und weil das druckfreie Leben ein schönes Leben ist, geht das Portemonnaie vergessen. Es liegt auch nach dem Arztbesuch im Wartezimmer. Oder, wenn's blöder kommt, fährt es nach dem Aussteigen unbeaufsichtigt weiter mit dem Zug.

Superman an der Kette

Darum gibt's Männer, die stehen zur Vergesslichkeit und ketten ihr Portemonnaie an die Hose. Praktisch ist's, stilvoll nicht. Vor allem dann nicht, wenn es sich um einen Beutel aus Stoff handelt. Womöglich gar um einen mit FC-Basel-Logo oder Superman-Aufdruck.

hosen (Bild: Michel Canonica)

hosen (Bild: Michel Canonica)

Mancher Mann bewahrt sein Geld in der Gesässtasche auf. (Bild: Michel Canonica)

Mancher Mann bewahrt sein Geld in der Gesässtasche auf. (Bild: Michel Canonica)

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