Mädchen reifen schneller

Dass Mädchen schneller reif werden als Jungen, hat man immer angenommen. Jetzt haben Wissenschafter den Beweis gefunden.

Elke Bunge
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Es war schon immer gängige Meinung, dass Mädchen schneller zur Reife gelangen als Jungen. Jetzt haben Wissenschafter der Universität Newcastle in England dies auch beweisen können. Die in der Pubertät durch Hormone ausgelöste Umstrukturierung des Gehirns geschieht bei weiblichen Jugendlichen im Alter von zehn bis fünfzehn Jahren. Bei jungen Männern beginnt diese hingegen erst mit fünfzehn. Abgeschlossen ist der Prozess dann im Alter von zwanzig Jahren. Fest steht: Das auffällige Verhalten von Jugendlichen ist eine Folge der Gehirnreifung. Bislang ist man immer davon ausgegangen, es seien die Hormone, die in dieser Zeit verrückt spielen. Die Teenager beginnen zu provozieren und zu rebellieren. Die Kinderzimmertür wird geschlossen, der persönliche Zugang für die Eltern auch.

Säuberungsarbeiten im Gehirn

Für ihre Untersuchungen hat das Forscherteam die Gehirne von 121 jungen Menschen im Alter zwischen vier und vierzig Jahren untersucht. Ursprünglich war geplant, die Speicherung von Informationen des Gehirns mittels Magnetresonanztomographie zu untersuchen.

Durch Zufall stolperten die Wissenschafter über eine ganz andere Entdeckung: Sie fanden heraus, dass das Gehirn in der Pubertät beginnt sich zu «säubern». Insbesondere kürzere Verbindungen wurden entfernt, weit entfernte blieben dagegen eher stabil, dokumentierten die Forscher in der Fachzeitschrift «Cerebral Cortex». Diese Reorganisation des Gehirns trat bei Mädchen eben früher auf als bei Jungen.

Verbesserte Gehirnfunktion

«Das Gehirn konzentriert sich in dieser Zeit auf die Langstreckenverbindungen, diese sind schwer zu schaffen und aufrecht zu erhalten, aber entscheidend für ein effizient und schnell arbeitendes Gehirn», so Marcus Kaiser, ein Mitglied des Teams der Universität Newcastle.

Das Aufrechterhalten dieser fernen Verbindungen macht dann das ausgereifte erwachsene Gehirn aus, das in der Lage ist, komplexe Zusammenhänge mittels unterschiedlicher Informationen zu interpretieren. Co-Autor Sol Lim von der Seoul University in Südkorea ergänzt: «Der Verlust einer nahen Verbindung während der Gehirnentwicklung kann tatsächlich helfen, die Gehirnfunktion zu verbessern, indem die Reorganisation des gesamten Netzwerkes effizienter wird.» Statt viele Leute nach dem Zufallsprinzip nach dem Weg zu fragen, sei es sinnvoll, sich nur bei ein paar wenigen Menschen, die schon lange an diesem Ort leben, zu erkundigen.

Zwischen den Hirnhälften

Frauen neigen darüber hinaus auch dazu, mehr Verbindungen zwischen den beiden Hemisphären des Gehirns zu haben. Die Forscher glauben, dass die frühere Reorganisation bei Mädchen das Gehirn effizienter arbeiten lässt und damit ein reiferer Zustand für die Verarbeitung der Umwelt schneller erreicht wird.

Doch was den geschlechtsspezifischen Unterschied in der aussergewöhnlichen Zeitverschiebung ausmacht, ist bislang unklar und eine Frage, die eine weitere Untersuchung wert sein sollte.