Luis Suárez und das Animalische

Er hat eine seltsame Angewohnheit, dieser Luis Suárez aus Uruguay. Nicht selten nämlich beisst der wichtigste Stürmer seines Landes seine Gegner. Viel Sinn macht das nicht, Beinstellen wäre wirksamer. Doch wer fragt im Eifer der Auseinandersetzung schon nach Sinn?

Rolf App
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Schöne Beisser: Luis Suárez. (Bild: epa)

Schöne Beisser: Luis Suárez. (Bild: epa)

Er hat eine seltsame Angewohnheit, dieser Luis Suárez aus Uruguay. Nicht selten nämlich beisst der wichtigste Stürmer seines Landes seine Gegner. Viel Sinn macht das nicht, Beinstellen wäre wirksamer. Doch wer fragt im Eifer der Auseinandersetzung schon nach Sinn?

Der Verhaltensforscher Desmond Morris tut es. Er sieht, dass wir mit dem Körper sprechen – und dass diese Sprache evolutionär in unseren Vorfahren verankert ist. Denn wir sind ja eng verwandt mit Orang Utan, Schimpanse, Gorilla.

Gibt man einem Affen einen Gegenstand, wird er ihn zum Mund führen und mit Lippen und Zähnen erkunden. Kinder tun dies noch, Erwachsene nicht mehr. Menschen benutzen ihre Zähne auch nicht mehr im Kampf – ausser eben Luis Suárez. Menschen töten mit den Händen. Aber manche knirschen des nachts mit den Zähnen. Was, wie Desmond Morris anmerkt, «auf unterdrückten Zorn hinweist». Vielleicht also hat Luis Suárez da etwas getan, was uns gewöhnlich Sterblichen im Schlaf passiert. Obwohl: Zornig hätte er ja angesichts der Führung der eigenen Mannschaft nicht zu sein brauchen. Etwas allerdings passt nicht so recht in dieses Bild: Viele beissen ihren Partner, ihre Partnerin bei oder nach dem Liebesakt. Nicht aggressiv oder schmerzhaft, sondern zärtlich und liebevoll. Woran liegt denn das? An der zunehmenden Verbreitung von Vampirfilmen? «Quatsch», antwortet jemand in einer Online-Debatte zum Thema: «Das liegt an der animalischen Natur des Menschen.»

rolf.app@tagblatt.ch

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