Locken, Füttern, Küssen

Das Wichtigste am menschlichen Mund stellt für den Verhaltensforscher Desmond Morris ein Rätsel dar: Dass sich unsere Lippen im Lauf der Evolution nach aussen gekehrt haben, unterscheidet uns von allen andern Primaten – und liegt im tiefen Dunkel der Geschichte.

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Das Wichtigste am menschlichen Mund stellt für den Verhaltensforscher Desmond Morris ein Rätsel dar: Dass sich unsere Lippen im Lauf der Evolution nach aussen gekehrt haben, unterscheidet uns von allen andern Primaten – und liegt im tiefen Dunkel der Geschichte. Die auf diese Weise freigelegte Schleimhaut ist dunkler als die Gesichtshaut, die sie umgibt, und dadurch auffälliger. So liegt es nahe, dass Frauen diesen Mund sozusagen als «Lockstoff» einsetzen, indem sie ihn durch Schminken hervorheben. Der Mund ist zum Küssen da – und zum Essen. Das eine entsteht aus dem andern, erklärt der Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt. Aus dem Kussfüttern, das sich auch bei Menschenaffen findet, wird das Küssen. (R. A.)