Literatur wie Pferdewetten

Randnotiz

Hansruedi Kugler
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Nach Bob Dylan scheint nichts mehr unmöglich. Die Erhebung eines Singer/Songwriters auf den Literaturthron vor einem Jahr wurde heftig diskutiert. Nach der journa­listisch erzählenden Weiss­russin Swetlana Alexijewitsch 2015 hatte den Literatur­nobelpreis schon wieder kein Autor im konventionellen Sinne gewonnen. Prompt befürchteten nicht nur Verleger einen Reputationsverlust des Preises. Nun soll also ein ­Romancier alter Schule die Wogen glätten, prophezeien die Wettbüros.

Wenige Tage vor der Bekanntgabe des Literaturnobelpreises fühlt man sich wie bei einem Pferderennen. Seit das britische Wettbüro Ladbrokes die Literaturnobelpreise für Orhan Pamuk (2006), Jean- Marie Le Clézio (2008) und Herta Müller (2010) vorausgesagt hat, gilt es als Orakel. Der Japaner Haruki Murakami war jahrelang Quotenkönig. Ganz oben tauchen auch Margret Atwood und Amos Oz auf. Wäre ich Börsenspekulant, würde ich eine Negativwette eingehen: Der Literaturnobelpreis wird nicht in die Schweiz gehen. Da man Literatur nur begrenzt vergleichen und damit nicht spekulieren sollte, nenne ich meinen Favoriten: Den Israeli David Grossman – mein Wetteinsatz ist einzig meine Liebe zur Literatur. Das Gute dabei: Die bleibt mir auch erhalten, wenn Grossman nicht gewinnt.

Hansruedi Kugler