Literatur: Schutz vor Populismus

Geehrt wurden am «Zürich liest» einige: Franz Hohler, Anne Cuneo, der Unionsverlag – und der Aargauer Schriftsteller Klaus Merz.

Hansruedi Kugler
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Geehrt wurden am «Zürich liest» einige: Franz Hohler, Anne Cuneo, der Unionsverlag – und der Aargauer Schriftsteller Klaus Merz. 70 Jahre alt ist er Anfang Oktober geworden, pünktlich ist sein Schaffen in einer siebenbändigen Werkausgabe neuerschienen – Klaus Merz, schon ein Klassiker? Als feinsinnigen Erzähler und Meister der literarischen Kurzformen kennt man ihn seit Jahrzehnten. Vielleicht hat man deshalb seine scharfzüngige Rede an der Frankfurter Buchmesse überhört, in der er den Populisten, den «fürsorglichen Heilsbringern und Abschottern der Nationen» Sprachverdummung vorwarf. Sein Rezept gegen diese «Analphabeten» und deren teuren Werbefeldzug gegen die «Guten und Netten»: Lesen. Am Freitagabend sprach er im Kunstmuseum Winterthur wieder zu Herzensdingen, dem Verhältnis von Literatur und Malerei. Unübersehbar sind die Bezüge in seinem Werk. Etwa in der Novelle «Der Argentinier», wo der Erzähler den Kriegsgott Mars des spanischen Malers Velazquez als müden Gott, als abgetakelten Clown sieht – entschlossen, sich zu nichts Unmenschlichem verführen zu lassen. Gemälde wie Literatur würden auf das Wesen, nicht aufs plumpe Abbild zielen, meinte Merz und hält in «Der Argentinier» indirekt der Gegenwart einen Spiegel vor: Sprache werde leider immer mehr bloss noch als persönliche Selbstdarstellung und politische Propaganda verwendet.