Liebeserklärungen an Paris

Es ist noch nicht Mai, es ist noch nicht der Monat der Liebe. Doch Liebe, das ist immer. Vor allem in dieser Stadt: in Paris. «Paris ist die Stadt der hellsten Himmel und der weltlichsten Liebe», schreibt Paul Nizon in seinem «Exkurs über die französische Frau».

Rolf App
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Bild: Rolf App

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Es ist noch nicht Mai, es ist noch nicht der Monat der Liebe. Doch Liebe, das ist immer. Vor allem in dieser Stadt: in Paris. «Paris ist die Stadt der hellsten Himmel und der weltlichsten Liebe», schreibt Paul Nizon in seinem «Exkurs über die französische Frau». «Nirgendwo hatte ich schon als junger Spund dieses erregende Gefühl beim Flanieren, dass hinter jeder Bartüre und hinter jeder Ecke die Liebe nicht nur verborgen, sondern erreichbar, in Person da sei.»

Paul Nizon und Urs Faes

Paris und die Liebe: das ist das grosse Thema von Radio SRF 2 Kultur im Monat März – mit mehreren Sendungen mit Texten von Paul Nizon, und – heute abend – mit dem klingenden Hörspiel «Paris. Eine Liebe» von Urs Faes.

Claudine und Eric

Im Winter 1971 folgt der Zürcher Student Eric seiner grossen Liebe Claudine nach Paris. «Ich muss dir noch etwas sagen», erklärt sie ihm bei der Ankunft, der Satz zieht sich wie ein Refrain durch das Hörspiel von Urs Faes. Er hallt wider, denn Eric merkt: Er hat diese schöne, blonde Frau bereits an einen andern verloren. Dreissig Jahre später streift er erneut durch die Strassen, sucht nach Spuren der Erinnerung und des Liebes-Schmerzes. Kunstvoll legen sich die Zeitebenen übereinander, fliessen ineinander wie im Traum. Kunstvoll verweben sie sich mit der vom russischen Avantgarde-Komponisten Dmitri Kourlianski

geschaffenen Musik. Joel Basman, Robert Hunger-Bühler und Josephine Dusol sprechen die Rollen, Jean-Claude Kuner führt Regie.

Der Mann und die Frau

1977 hat Paul Nizon die Schweiz verlassen und sich in Paris niedergelassen. Paris war und ist sein Revier, in seinen Büchern ist die Stadt an der Seine allgegenwärtig, vor allem im mehrbändigen «Journal». «Gestern mit Handke in der Banlieue spazieren», notiert er im Februar 1977. Im März reist er ab, und erinnert sich an Odile. Wie sie stumm die Treppe hinuntergehen, Hand in Hand, «bis zum Überlaufen voll von Abschiedsbewusstsein». «Ich fühle noch die kleine warme schöne Hand mit den Fingern, die sich emporzubiegen scheinen, wenn sie ausgestreckt sind.» Paris: Das sind für Paul Nizon auch die Frauen.

In drei Lesungen von Hanspeter Müller-Drossaart erkundet Radio SRF 2 die Welt des heute 85jährigen Nizon. Am nächsten Dienstag steht seine Ankunft im Zentrum, in der Woche darauf dann der Essay «Versuch über die französische Frau», und zum Abschluss eine Passage aus «Das Jahr der Liebe».

Radio SRF 2 Kultur Urs Faes: Paris. Eine Liebe Heute Samstag, 21 Uhr. Paul Nizon: Paris. Mon amour. Dienstag, 10./17./24. März, je 15 Uhr