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Licht hilft nicht nur beim Sehen

Das Licht beeinflusst die innere Uhr, die Schlaf-Wach-Rhythmik und das Wohlbefinden der Menschen. Daran forscht Christian Cajochen am Zentrum für Chronobiologie in Basel.
Bruno Knellwolf
Christian Cajochen Zentrum für Chronobiologie, Basel (Bild: PD)

Christian Cajochen Zentrum für Chronobiologie, Basel (Bild: PD)

Ohne Licht sehen wir nichts. Doch Licht ist mehr als das, sagt Christian Cajochen vom Zentrum für Chronobiologie in Basel. Licht beeinflusst unsere innere Uhr und spielt somit auch bei der Zeitumstellung eine Rolle (siehe unten). Die Farbe des Lichts hat aber sogar Einfluss auf den Geschmack von Wein – nämlich wegen der Farbe des Umgebungslichts. Und das selbst, wenn dadurch die Farbe des Getränks nicht verändert wird, erklärt Cajochen, der morgen Mittwoch für die Naturwissenschaftliche Gesellschaft St. Gallen an der Universität über die «Sekundärfunktion» von Licht sprechen wird. Warum genau das Licht auf unsere Zungensensorik und unser Wohlbefinden wirkt, ist noch nicht endgültig geklärt. Allerdings hat man kürzlich gemäss Cajochen Sinneszellen im Auge entdeckt, die im Verdacht stünden, die unsichtbaren Lichtwirkungen an bestimmte Hirnregionen weiterzuvermitteln. «Das Ziel sind Hirnzentren, welche die Stimmung, den Schlaf-Wach-Zyklus und die innere Uhr des Menschen regulieren. Die Chronobiologie, die Wissenschaft der biologischen Rhythmen, interessiert sich schon seit geraumer Zeit für die nichtvisuelle Lichtwirkung und deren Einfluss auf uns Menschen», sagt Professor Cajochen.

Herr Cajochen, das Licht lässt uns sehen. Welche Verhaltensweisen werden sonst noch durch Licht beeinflusst?

Das Licht ist mehr als nur fürs Sehen wichtig: es eicht unsere Innere Uhr, Circadianrhythmik genannt, macht wach und wirkt positiv auf unsere Stimmung.

Da fragt man sich, wie können Menschen im hohen Norden sich dort in der langen dunklen Jahreszeit trotzdem wohl fühlen?

Es zeichnet uns Menschen aus, dass wir uns geschickt an extreme Umweltbedingungen anpassen können. So ist es über Jahrhunderte auch im hohen Norden geschehen, wo extreme saisonale Photoperioden das Leben bestimmen. Da Licht ein wichtiger, aber nicht der einzige Wohlfühlfaktor des Menschen ist, gibt es anscheinend Alternativen in den dunklen Jahreszeiten im Norden. Leider wird in diesen Ländern vielfach auch auf Alkohol gesetzt. Zudem kann seit fast 140 Jahren sehr gut mit elektrischem Kunstlicht nachgeholfen werden, Licht ins Dunkel des Nordens zu bringen.

Wie kann man jene Hirnzentren beeinflussen, welche die Stimmung, den Schlaf-Wach-Zyklus und die innere Uhr des Menschen regulieren?

Da gibt es natürlich Medikamente, die gezielt bei depressiven Verstimmungen und Schlafstörungen eingesetzt werden. Aber kein Medikament auf dem Markt beeinflusst die innere Uhr und den Schlaf-Wach-Rhythmus stärker als Licht, auch wenn das Pharmafirmen vielleicht nicht gerne hören. Licht kann man zum Glück nicht einfach patentieren.

Wie wirksam sind Lichttherapien?

Lichttherapien sind hoch wirksam bei der saisonalen, aber auch bei nichtsaisonalen Depressionen, vor allem in Kombination mit Antidepressiva. Eine kürzlich veröffentlichte Studie in einer angesehenen Zeitschrift, in «JAMA Psychiatry», berichtete, dass auf die Lichttherapie in Kombination mit Antidepressiva 75,9 Prozent der Patienten mit einer nichtsaisonalen Depression ansprachen. Auf die Lichttherapie alleine noch 50 Prozent und auf die Antidepressiva alleine gar nur 29 Prozent. Auf den Placebo-Test sprachen sogar mehr, nämlich 33,3 Prozent an. Das heisst, die Monotherapie mit den Antidepressiva war nicht signifikant besser als Placebo, während die Lichtbehandlung mit oder ohne Antidepressiva zu erstaunlich hohen Erfolgsraten führte. Das bedeutet, dass morgendliche Lichtdosen von 10 000 Lux oder ein Spaziergang im Freien, wenn die Sonne aufgeht, bei Patienten mit wiederkehrenden Depressionen sehr wohl empfohlen werden können.

Wie sehr beeinflusst künstliches Licht von Bildschirmen unseren Schlaf-Wach-Zyklus?

Da Licht bei einer tagesaktiven Spezies wie dem Menschen wachheitssteigernd ist, kann zu viel Licht am Abend zu Schlafschwierigkeiten führen, zumal Abendlicht die innere Uhr nach hinten dreht. Kommt dies öfter vor, ist das Risiko, unter einem verspäteten Schlafphasensyndrom zu leiden, relativ hoch.

Wer ist besonders gefährdet?

Bei Jugendlichen kommt das schon mal öfters vor. Verschärft hat sich das Problem auch, weil heutzutage vor dem Zubettgehen sehr häufig in blauangereicherte LED-Bildschirme von Smartphones und Tablets gestarrt wird und das in Augennähe. So wird unserer inneren Uhr vorgegaukelt, es herrsche Tag und die Circadianrhythmik versucht, sich auf die «neue Zeitzone» einzustellen. Aber in der Schweiz gehen wir morgens halt immer zur Arbeit oder zur Schule.

Gerade in herbstlichen Tagen sollte man fürs eigene Wohlbefinden das Sonnenlicht suchen. (Bild: Fotolia)

Gerade in herbstlichen Tagen sollte man fürs eigene Wohlbefinden das Sonnenlicht suchen. (Bild: Fotolia)

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