Lernen geht immer

Lernen ist im Alter nicht schwerer als in jüngeren Jahren. Es kommt auf anderes an – zum Beispiel auf den Wortschatz. Oder auf Glücksgefühle.

Rolf App
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Freude lässt uns gut lernen. (Bild: fotolia)

Freude lässt uns gut lernen. (Bild: fotolia)

Dass man im Alter nur noch sehr schwer Neues lernt, ist zwar eine verbreitete Ansicht. Aber sie entspricht nicht der Wirklichkeit. Denn grundsätzlich entwickelt sich das Gehirn während des ganzen Lebens weiter.

Acetylcholin hilft beim Lernen

Ein Grund dafür: Die Zahl jener Nervenzellen, die den Neurotransmitter Acetylcholin ausschütten, bleibt bis ins hohe Alter unverändert. Acetylcholin spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von Erinnerungen und beim Lernen.

Gute Gefühle

Auch auf das Hormon Dopamin kommt es an. Forscher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen haben bei einem Gedächtnistest festgestellt, dass das Langzeitgedächtnis unter Dopamin-Einfluss besser funktioniert. Dopamin macht glücklich: Fühlen sich Menschen motiviert oder zufrieden, dann wird das Gehirn von Dopamin überflutet.

Dass die Lernleistung nicht vom Alter abhängt, bestätigt auch eine Untersuchung des in Kanada lehrenden Schweizer Psychologen Philippe Rast, über die der Schweizerische Nationalfonds gestern informierte. Rast hat Daten der sogenannten «Zürcher Längsschnittstudie zu Gedächtnisleistung im Alter» genutzt. Sie umfasst 334 gesunde Zürcherinnen und Zürcher im Alter von 66 bis 81 Jahren. Diese Personen mussten verschiedene Tests absolvieren und unter anderem neue Wörter lernen. Man zeigte ihnen 27 Wörter jeweils zwei Sekunden lang auf einem Bildschirm. Dann versuchten sie, sich an so viele wie möglich zu erinnern.

Der Wortschatz zählt

Es zeigte sich, dass das Alter keine Auswirkung auf die Leistung hatte. Andere Faktoren erwiesen sich als wichtiger. Testpersonen mit einem grossen Wortschatz und einem guten Arbeitsgedächtnis merkten sich auch die neuen Wörtchen besonders gut und schnell. Das Arbeitsgedächtnis ist zuständig für die vorübergehende Speicherung und wird benötigt, um einen Satz inhaltlich zu verstehen – so dass man sich noch an den Anfang erinnern kann, wenn man am Ende angelangt ist.

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