LEGENDE: Der Tag, an dem Elvis starb

Vier Dinge hat Amerika der Welt gegeben: Baseball, Mickey Mouse, Coca-Cola und Elvis Presley. Der Ausnahmemusiker starb vor 40 Jahren.

Bruno Knellwolf
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Elvis’ triumphales Comeback nach Jahren ohne Konzert im US-Fernsehen 1968. (Bild: Frank Carroll/Getty (Burbank, 27. Juni 1968))

Elvis’ triumphales Comeback nach Jahren ohne Konzert im US-Fernsehen 1968. (Bild: Frank Carroll/Getty (Burbank, 27. Juni 1968))

Bruno Knellwolf

Unerhörtes ist im Frühling 1977 in einer Schweizer TV-Programmzeitschrift zu lesen: Elvis sei übergewichtig und medikamentenabhängig, bei seinen Konzerten müsse er für einige Songs den Text vom Blatt ablesen. Eine Welle der Empörung schwappt in die Leserbriefredaktion der Zeitschrift, die sich erfrecht hatte, Elvis Presley dermassen unvorteilhaft darzustellen. Elvis stehe noch beinahe jeden Tag auf einer Konzertbühne, und nachweislich seit seinem ersten Auftritt immer vor ausverkauften Rängen.

Das ist tatsächlich so, doch um die Gesundheit des Musikers aus Memphis Tennessee, des King of Rock ’n’ Roll, steht es schlecht. Auch wenn das seine vielen Anhänger weltweit, die das Bild eines gutaussehenden, 1,80 Meter grossen sportlichen Sängers in enger Lederkluft vor Augen haben, nicht wahrhaben wollen. Am 16. August 1977 stirbt Elvis Presley im Alter von 42 Jahren in seinem grosszügigen Anwesen namens Graceland in Memphis an Herzversagen.
 

Elvis Aaron Presley starb am 16. August 1977. (Bild: Keystone)
43 Bilder
Elvis mit den Musikern der Memphis Boys. Mit ihnen nahm er seine Alben «From Elvis in Memphis» und «Elvis: Back in Memphis» auf. Die Aufnahme ist vom 22. Januar 1969. (Bild: Keystone)
Elvis mit seiner Gibson J-200 in den MGM Studios in den 1950er Jahren. (Bild: Keystone)
Seinen Militärdienst absolvierte Elvis Presley in einer US-Kaserne in Deutschland. (Bild: Keystone)
Obwohl Elvis Presley eine Karriere als seriöser Schauspieler anstrebte, wurde er hauptsächlich für seichte Musikfilme engagiert. Hier mit der Schauspielerin Ann-Margret 1964 für den Film «Viva Las Vegas». (Bild: Keystone)
Elvis Presley spielt im Juni 1972 im New Yorker Madison Square Garden. (Bild: Keystone)
Im Mai 1967 heiratet Elvis Presley Priscilla. (Bild: Keystone)
Dieses Foto von 1956 wurde für sein erstes RCA-Victor-Album verwendet. Zuvor war Elvis bei Sun Records. (Bild: Keystone)
Elvis Presley in entspannter Pose 1958. (Bild: Keystone)
Sein Tanzstil wurde legendär: Bild von Elvis Presley im Film «Jailhouse Rock» (1957). (Bild: Keystone)
1956 spielt Elvis Presley in der «Steve Allen Show». In der Mitte ist Steve Allen, links Imogene Coca. (Bild: Keystone)
Werbebild für den Film «Paradise, Hawaiian Style» (1966). Suzanna Leigh (links) organisiert regelmässig Treffen für ehemalige Mitarbeiter und Wegbegleiter von Elvis Presley. (Bild: Keystone)
Am 9. September 1956 tritt Elvis Presley erstmals in der legendären «Ed Sullivan Show» auf. (Bild: Keystone)
Elvis Presley gibt einigen Fans, die hinter einem Zaun bei den Aufnahmestudios in Hollywood warten, Autogramme. (Bild: Keystone)
Undatierte Aufnahme von Elvis Presley auf einem Motorrad. (Bild: Keystone)
Elvis Presley mit seiner Frau Priscilla zeigen ihre Tochter Lisa Marie. (Bild: Keystone)
Ein Leben in der Öffentlichkeit: Elvis Presley zieht für seine Tochter Lisa-Marie eine Grimasse. (Bild: Keystone)
Elvis Presley mit seinem 1956 Lincoln Continental. (Bild: Keystone)
Aufnahme vom Konzert «Aloha From Hawaii» 1973. Das Konzert war damals auch ein Test für die Satellitenübertragung und wurde in zahlreiche Länder live ausgestrahlt. (Bild: Keystone)
Elvis Presley posiert mit einem unbekannten Mann im Loews Kino in Memphis. Hier arbeitete Elvis als Jugendlicher. (Bild: Keystone)
Elvis posiert vor dem Schild seines Battaillons in Friedberg, wo er 18 Monate - von 1958 bis 1960 - als Soldat stationiert war. (Bild: Keystone)
Der King of Rock'n'Roll war ein Waffennarr: Hier posiert er mit einer vergoldeten Walther PKK 9mm, auf die er sein Motto «TCB» (Taking Care of Business) eingravieren liess. (Bild: Keystone)
Elvis Presley in einer Aufnahme von 1957. (Bild: Keystone)
Nach einer neunjährigen Bühnenpause tritt Elvis Presley im August 1969 in Las Vegas erstmals wieder öffentlich auf. (Bild: Keystone)
Aufnahme aus dem 1964er Film «Roustabout». (Bild: Keystone)
Auch während seiner Militärzeit erreichte die Fanpost Elvis. (Bild: Keystone)
Sam Phillips (ganz rechts) gilt als Entdecker Elvis'. Hier in einer Aufnahme von 1954 mit Bassist Bill Black und Gitarrist Scotty Moore in den Studios von Sun Records. (Bild: Keystone)
Pop-Art-Künstler Andy Warhol portraitierte Elvis als Cowboy. (Bild: Keystone)
Elvis als Soldat im Film «G.I. Blues» (1960). (Bild: Keystone)
Bei der Musik von Elvis ist es schwierig, ruhig zu stehen. Aufnahme von einem Konzert in Philadelphia vom 6. April 1957. (Bild: Keystone)
Elvis Presley zeigt 1957 dem Hollywood-Starlet Yvonne Lime seine neue Heimat Graceland. Das Anwesen kaufte er für 100'000 Dollar. (Bild: Keystone)
Der Rock'n'Roll-Star spielt mit seinem Hündchen Sweet Pea. (Bild: Keystone)
Shake, rattle and roll: Elvis Presley bei der Mississippi-Alabama State Fair am 27. September 1956. (Bild: Keystone)
Elvis Presley in einer Aufnahme von 1968. (Bild: Keystone)
Aufnahme von 1970. (Bild: Keystone)
Am 21. Dezember 1970 trifft Elvis Presley den US-Präsidenten Richard Nixon. Zehn Tage später besucht Presley das Hauptquartier des FBI. Direktor J. Edgar Hoover trifft er nicht, da Elvis «nicht zu den Personen gehört, die der Direktor treffen sollte». (Bild: Keystone)
Mit solchen Posen wurde Elvis zu einem der ersten männlichen Pin-Ups. (Bild: Keystone)
Das damals noch unbekannte Film-Starlet Natalie Wood besucht Elvis Presley in Memphis, Tennessee (Archivbild vom November 1956). Die beiden hatten sich bei den Dreharbeiten zu Elvis' erstem Film «Love Me Tender» kennengelernt. (Bild: Keystone)
Tom Jones, Priscilla Presley und Elvis Presley (von links) treffen sich in Las Vegas hinter der Bühne. Die Aufnahme ist vermutlich von 1967 oder 1968. Danach gab es Gerüchte, dass Jones und Presley gemeinsam einen Film drehen würden. Dazu kam es jedoch nie. (Bild: Keystone)
Ein bisschen Schweiz: Elvis Presley mit Ursula Andress. Zusammen drehten sie den Film «Fun in Acapulco» (1963). (Bild: Keystone)
Elvis Presley und Laurel Goodwin bei den Dreharbeiten zum Fim «Girls! Girls! Girls!». Elvis drehte in den 60er Jahren auf Anraten seines Managers in mehreren Dutzend schnell produzierten Hollywood-Filmen. (Bild: Keystone)
Ein schier endloser Autokonvoi bei der Beerdigung des King of Rock'n'Roll am 19. August 197. (Bild: Keystone)
Das Grab von Elvis Presley in Graceland in Tennessee. (Bild: Keystone)

Elvis Aaron Presley starb am 16. August 1977. (Bild: Keystone)

Acht Wochen zuvor hat sich Elvis vor 18000 Zuschauern in der Market Square Arena in Indianapolis noch in «Topform» gezeigt, wie Konzertbesucher erzählen. In seinem legendären weissen Anzug, einem Mexican Sundial, steht er auf der Bühne und lässt an diesem Tag nicht erahnen, dass dieses Konzert am 26. Juni 1977 sein letztes sein wird.

Die Todesnachricht ist für viele ein Schock, die Fernsehbilder vom grossen Trauerzug in Memphis, der weinenden Menschen am Gitterzaun in Graceland, gehen um die Welt. Radiostationen spielen den ganzen Tag in Sondersendungen seine Songs aus den 1950er-, 60er- und 70er-Jahren und bringen eine weitere Generation auf den Geschmack. Die deutsche Jugendzeitschrift «Bravo» publiziert in einer Serie einen lebensgrossen Elvis zum Zusammenkleben. Zehnjährige holen die Kassetten der älteren Schwester hervor, die Elvis noch zu Lebzeiten gekannt hat, und beschäftigen sich mit dem Leben der amerikanischen Musiklegende, die am 8. Januar 1935 in ärmlichen Verhältnissen in Tupelo, Mississippi, als erster von Zwillingen geboren worden war.

Mit der Stimme eines Schwarzen

Es ist die Geschichte eines Mannes, der als Gospel und Country singender Lastwagenfahrer mit 18 für seine Mutter Gladys eine Platte im Tonstudio von Sam C. Philips aufnimmt und damit eine Weltkarriere startet, wie sie noch kein Musiker zuvor hatte. Mit der Stimme eines Schwarzen und der einfachen Begleitung durch den Gitarristen Scotty Moore und den Bassisten Bill Black bringt er den Rock ’n’ Roll in die Stuben der weissen Amerikaner. «That’s All Right, Mama» wird 1954 als erster Elvis-Song in einer Nachtsendung des Radiosenders WHBQ in Memphis gespielt, oft nachgefragt und innerhalb weniger Tage als Platte 5000-mal bestellt. Mitte der 1950er-Jahre wird Elvis zum ersten Megastar mit globaler Ausstrahlung und zum Symbol für den Aufbruch in einer nach dem Zweiten Weltkrieg bürgerlich-verknorzten Gesellschaft, die keine Grenzüberschreitungen duldet.

Elvis ist frech und sexy. Wirken seine Provokationen aus heutiger Sicht nicht sehr gewagt, weigerten sich Radiostationen zuerst doch, dieses «Negerzeugs» von Elvis zu spielen, Veranstalter, ihn auftreten zu lassen. Unter den Fittichen seines mit allen Wassern gewaschenen Managers Colonel Tom Parker versöhnt sich der revolutionäre «King of Rock ’n’ Roll» bald mit der breiten ­Masse, geht artig ins Militär und macht auf Befehl von Colonel Parker in den 1960ern keine Konzerte mehr, sondern nur noch Kinofilme, die Jahr für Jahr immer seichter werden.

Elvis gibt in jener Zeit weniger als Sänger zu reden als durch Privates wie seine Heirat mit Priscilla Beaulieu und die Geburt seiner Tochter Lisa-Marie. Doch im Jahr 1968 kommt Elvis zurück auf die Konzertbühne. Gertenschlank und mit neuen Songs gelingt ihm an Weihnachten 1968 ein grosses Comeback im amerikanischen Fernsehen. Elvis singt über Menschen in Ghettos und stürmt wieder die Chartlisten hinauf. Er reiht Auftritt an Auftritt und ist im Jahr 1973 der erste, von dem ein Konzert live über Satellit weltweit übertragen wird. Ein Drittel der Weltbevölkerung sieht sein Konzert «Aloha from Hawaii» aus dem International Center in Honolulu.

Eine Milliarde verkaufter Tonträger

Fünf Jahre nach dem Comeback wieder auf einem Höhepunkt, wird das Jahr 1973 trotzdem zum Schicksalsjahr. Seine Frau verlässt ihn mitsamt Kind, sein Leben gerät aus den Fugen. Passend singt er statt Rock ’n’ Roll gefühlvolle Balladen. «You Were Always On My Mind» widmet er der Ex-Frau Priscilla und beweint so sein Leben, gefangen im goldenen Käfig seiner Villa. Glücklich scheint er nur noch als umjubelter Star auf der Konzertbühne zu sein. Seine Zahl an Auftritten, vor allem in Las Vegas, ist entsprechend hoch. Eine Milliarde Platten und CDs hat Elvis seit 1954 verkauft – mehr hat kein einzelner Sänger je erreicht. 40 Jahre nach seinem Tod klickt die nächste Generation seine Songs auf Youtube an und gibt ihnen damit eine Art von Zeitlosigkeit.