Latschen und Luxuskoffer

«Schleppen Sie keine Tierseuchen in die Schweiz ein», steht auf einem Plakat beim Zolldurchgang. Zu sehen sind keine vernachlässigten Hunde, deren sich Reisende an einem fernen Strand erbarmt und sie dann mit nach Hause genommen haben.

Diana Bula
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«Schleppen Sie keine Tierseuchen in die Schweiz ein», steht auf einem Plakat beim Zolldurchgang. Zu sehen sind keine vernachlässigten Hunde, deren sich Reisende an einem fernen Strand erbarmt und sie dann mit nach Hause genommen haben. Abgebildet sind Käse, Milch und Fleisch – von ausserhalb der EU. «Diese Produkte dürfen nicht eingeführt werden», sagt Miroslaw Ritschard, stellvertretender Leiter der Zollstelle Zürich-Flughafen. Der Grund: Befindet sich in den Produkten ein Erreger und gelangt dieser in den Kreislauf – etwa in dem Fleisch an Tiere verfüttert wird –, «dann haben wir die Katastrophe», sagt Ritschard. Mehrere Tonnen Käse, Milch und Fleisch beschlagnahmt die Zollstelle jährlich; 2014 waren es 3000 Fälle. «Nur eines von 150 Gesetzen, die wir hier an der Grenze umsetzen.»

Aktion iPhone

Ritschard und sein Team wissen, welche Destination welche Verlockungen bietet. Eine Frau, die in der Türkei war, Economy geflogen ist und nun in Badelatschen, ausgebleichtem T-Shirt daher kommt, aber einen grossen Louis-Vuitton-Koffer hinter sich herzieht: Ritschard und sein Team picken sie heraus. «Beim Koffer handelt es sich vermutlich um eine Imitation – ein Verstoss gegen das Markenschutzgesetz. Die meisten Fälschungen kommen aus der Türkei», sagt Ritschard. Und ist in New York soeben das neuste iPhone vorgestellt worden, kontrollieren die Zöllner die Gepäckstücke aus dem Big Apple vermehrt auf technische Geräte. «Wir arbeiten mit Profilen. Das gibt es nicht nur im Fernsehen.»

Jedes fünfte Mal ein Treffer

Jeder Reisende wüsste theoretisch selber, ob er etwas zu deklarieren hat oder nicht. Er entscheidet, ob er «grün oder rot läuft», wie Ritschard das nennt. «Wir machen regelmässig Stichproben. Jeder Fünfte, den wir so kontrollieren, hat zu teure Souvenirs oder Kleider dabei. Waren im Wert von über 300 Franken, die zu verzollen gewesen wären.»

Bei anderen Destinationen geht es nicht um Souvenirs, sondern um Drogen. Aus der Dominikanischen Republik etwa werden oft Kokain oder Heroin eingeschleust. Im doppelten Kofferboden, im Springseil, in Statuen. Und im Körper, geschluckt in Fingerlingen. Die mobilen Teams mit ihren Spürhunden fangen das Gepäck der Passagiere schon am Flugzeug beim Ausladen ab. Und noch ehe die Koffer auf dem Gepäckband landen, haben die Zöllner vielleicht eine Spur.

Ein Mitarbeiter des fixen Teams scannt im Zolldurchgang soeben den Koffer eines Mannes. Der Zöllner kramt ein Nummernschild, in Alu eingewickelt, hervor. Gefälscht? Nein, wie die Überprüfung zeigt. Trotzdem ein kleiner Erfolg: Im Koffer liegen zu viele Zigaretten.

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