Land der Eltern prägt Einstellung zu Gewalt

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Gewalt Seit 2004 befragen die Forscher um Denis Ribeaud von der Uni Zürich regelmässig über 1300 damals in Zürich eingeschulte Kinder. Inzwischen wurden die Teilnehmer im Alter von 17 Jahren zum siebten Mal befragt und dabei erstmals ihre Einstellung zu Gewalt als politisches Mittel untersucht.

Dabei stellte sich heraus, dass unter den Buben 15 Prozent der Aussage eher oder völlig zustimmten «Es ist manchmal nötig, mit Gewalt, Anschlägen oder Entführungen für eine bessere Welt zu kämpfen». Von den Mädchen stimmten knapp 9 Prozent zu. Dies war die extremste von vier Aussagen zu Gewalt als politischem Mittel. «Wir können ­daraus keine Schlussfolgerung ziehen, dass diese Jugendlichen auch bereit wären, selbst Gewalt als politisches Mittel anzuwenden», betonte Ribeaud. Interessant sei die Einstellung aber als Grundlage für mögliche weitere Radikalisierungen. Die Analyse ergab, dass für eine befürwortende Einstellung zu Gewalt die gleichen Risikofaktoren gelten wie für Delinquenz, also ein niedriges Bildungsniveau, schlechte Impulskontrolle sowie eine zynische Einstellung zum Rechtsstaat.

Auch der Migrationshintergrund aus einem politisch instabilen Land kristallisierte sich als Faktor heraus: Die höchste Zustimmung für politisch motivierte Gewalt gab es unter den hinduistischen Jugendlichen. «Da ist ganz klar nicht die Religion der entscheidende Faktor, sondern die Herkunft der Familie aus einem bürgerkriegsgeschüttelten Land, nämlich meist Sri Lanka.» Obwohl die grosse Mehrheit der Jugendlichen in der Schweiz geboren ist, verinnerlichen diejenigen mit Familie aus fragilen Ländern deren Einstellung zu politischer Gewalt. «Wir können aber nicht sagen, ob sich die Jugend­lichen nur auf ihr Herkunftsland oder allgemein auch auf die Schweiz beziehen».

In Sachen Prävention von Gewalt dürften ähnliche Regeln gelten wie für die von Delinquenz. Massnahmen machen frühestens ab 13 Jahren Sinn. «Erst dann setzt die politische Sozialisation richtig ein und kann entsprechend thematisiert werden», sagte Ribeaud. (sda)