Laien helfen Forschern

Zu Beginn des Frühlings ist die Citizen-Science-Plattform OpenNature.ch gestartet worden – die Grösse der Hagelkörner oder die Ankunft der Schwalben können Laien darauf eintragen.

Bruno Knellwolf
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Vogel-Beobachter am Pfäffikersee bei Pfäffikon. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Vogel-Beobachter am Pfäffikersee bei Pfäffikon. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Die Natur hält sich nicht an den kalendarischen Frühlingsbeginn und auch nicht an den meteorologischen, der am Sonntag begonnen hat. Schon im Dezember haben die Haselsträucher geblüht, eigentlich zu früh. Solche Naturbeobachtungen können interessierte Beobachter seit dem 1. März auf der Citizen-Science-Plattform OpenNature.ch eingeben.

«Citizen Science» bedeutet Bürgerwissenschaft und bezeichnet Forschungsprojekte, die interessierte Laien einbeziehen, schreibt die Universität Bern, welche das Projekt mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds leitet.

«Wir wissen, dass viele Menschen jeden Tag ein bestimmtes Phänomen beobachten», sagt Initiant This Rutishauser vom Geographischen Institut der Universität Bern. Wer nun den Morgennebel, die Grösse von Hagelkörnern, die Blüte der Pflanzen und die Ankunft der Schwalben beobachtet, kann das auf der Plattform Opennature.ch eintragen und somit einen Beitrag zur Forschung leisten.

Ein eingespieltes Netz

Auch die Schweizerische Vogelwarte war beratend beteiligt, sagt Hans Schmid. «Wir arbeiten seit Jahrzehnten mit zahlreichen Freiwilligen zusammen und können deshalb viel Erfahrung einbringen», erklärt der Fachbereichsleiter der Vogelwarte in Sempach. «Wir werden periodisch gewisse Inputs geben, etwa wenn die ersten Schwalben eintreffen, sind aber sonst nicht direkt beteiligt. Dies, weil wir schon ein eingespieltes Netz von höher qualifizierten Leuten haben.» Die Vogelwarte führte beispielsweise die Meldeplattform www.ornitho.ch.

Auch die Vogelwarte könnte ohne die permanente Unterstützung durch Hunderte von Freiwilligen die vielen Projekte nicht durchführen, erklärt Schmid. «Und sie könnte sie sich auch nicht leisten. Denn der Aufwand im Feld ist enorm: Allein für die Aufnahmen für den neuen Brutvogelatlas legen unsere Leute zu Fuss jedes Jahr die Distanz von der Schweiz nach Hawaii zurück.»

Für Pollenprognosen

Das sieht auch Rutishauser von der Uni Bern so: Denn die Forscher könnten beispielsweise nicht jeden Tag alle Haselsträucher nach blühenden Kätzchen untersuchen, sagt Rutishauser. Dabei wären diese Daten wichtig zur Entwicklung von Pollenprognosen. Mit der Auswertung von 1605 Beobachtungen von Fliegenpilzen etwa zeigten Forscher kürzlich, dass deren Erscheinungszeiten in den letzten zwölf Jahren vielfältiger geworden sind, als sie es noch in den 1960er-Jahren waren.

Kontrolle ist wichtig

Doch wie steht es um die Qualität der Beobachtungen der Laien? «Wir berücksichtigen nur Beobachtungen von Leuten, die Kurse besucht und schon mehrjährige Erfahrung im Feld haben. Sie sollten also alle gängigen Vogelarten bestimmen können», sagt Hans Schmid. «Unsere Qualitätsansprüche sind hoch, denn wir benötigen diese Daten für wissenschaftliche Analysen und auch für viele praktische Anwendungen.»

Rigorose Qualitätskontrollen seien sehr wichtig, hält auch der Klimaforscher Stefan Brönimann von der Uni Bern fest, weil die Daten von OpenNature wenn immer möglich in die Forschung einflössen.

Für die Kontrolle gibt es auf ornitho.ch der Vogelwarte einen Filter, der zeitlich, örtlich oder mengenmässig aus dem Rahmen fallende Meldungen abfängt. «Rund zwei Dutzend erfahrende Ornithologen aus allen Landesteilen machen laufend eine optische Kontrolle der eintreffenden Meldungen. Beim Übertrag in die Vogelwarte-Datenbank werden sämtliche Daten nochmals automatisch geprüft», sagt Schmid.

Auf die Forschungsresultate wird auf OpenNature Einblick geboten, wie auch auf einen News-Bereich zu den Themen Jahreszeiten, Wetterextreme und Klimawandel. Damit soll den Beobachtern gezeigt werden, wofür ihre Daten verwendet werden.

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