«Lachen macht glücklich»

Emil Steinberger wird achtzig, doch der Kabarettist aus Luzern denkt nicht ans Aufhören. Im Gespräch erinnert er sich an die Kindheit und erzählt, was ihn selber zum Lachen bringt. Reinhold Hönle

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Emil Steinberger muss lachen – vor allem wenn seine Ehefrau hinter der Kamera strahlt. (Bild: Niccel Steinberger)

Emil Steinberger muss lachen – vor allem wenn seine Ehefrau hinter der Kamera strahlt. (Bild: Niccel Steinberger)

Unerreicht bleiben jene Sketche, in denen Emil Steinberger die Mentalität der Deutschschweizer pointierter als jeder andere auf den Punkt bringt – liebevoll, aber sehr direkt. Emil lacht gern, und er bringt die Menschen gern zum Lachen. Jetzt wird der Kabarettist achtzig, Radio und Fernsehen widmen ihm Sendungen. Auch live ist Emil zu erleben – wenn man eine Karte zu ergattern vermag (siehe Kasten).

Emil Steinberger wurde am 6. Januar 1933 als Sohn eines Buchhalters in Luzern geboren. Er absolvierte Ausbildungen als Postbeamter und Grafiker, ehe der leidenschaftliche Kabarettist in seiner Heimatstadt ein Kleintheater und zwei Studiokinos führte. Daneben folgte er mit grossem Erfolg seiner Berufung als «Emil» in der Schweiz und später auch in Deutschland. Vor 25 Jahren trat er mit «Feuerabend» auf dem Höhepunkt seiner Karriere von der Bühne zurück. 1993 zog er für fünf Jahre nach New York. Mit seiner zweiten Ehefrau Niccel liess er sich danach in Montreux nieder und schrieb sein erstes Buch «Wahre Lügengeschichten», das in die kabarettistischen Lesungen unter dem Titel «Drei Engel!» mündete, mit denen er noch heute unterwegs ist.

Herr Steinberger, am Fest der Drei Könige werden Sie achtzig. Welche Erinnerungen haben Sie denn an Ihren achten Geburtstag?

Emil Steinberger: Jesses Gott! Damals ging ich in die dritte Primarschule. Bei unserem Lehrer gab's Tatzen, wenn jemand «Stein» mit «Sch» schrieb. Bei mir bestand diese Gefahr zum Glück nicht, weil ich dank meinem Nachnamen wusste, wie man das Wort schreibt.

Was war Ihnen an Ihren Geburtstagen damals wichtig?

Emil: Meine Mutter war auch in der Kriegszeit sehr besorgt um uns Kinder und hat für uns immer eine Überraschung organisiert. Aber vorher war Weihnachten, am ersten Januar hatte sie selbst Geburtstag, am fünften Januar mein Bruder und am sechsten Januar kam auch ich noch … So konnte es nicht jedesmal ein grosses Fest geben.

Zu Ihrem achtzigsten Geburtstag hat der «Blick» schon Ende Oktober ein Interview mit Ihnen publiziert. Da waren Sie endlich nicht mehr der letzte in der Reihe?

Emil: Geburtstage gehörten für mich nie zu den Festtagen. Ich kann sie nicht negieren, feiere sie aber auch nie grossartig. Ich gehe einfach mit jemandem essen. Deshalb bin ich erschrocken, als im Oktober dieses Interview erschienen ist.

Weshalb?

Emil: Ich weiss noch genau, dass ich schon in der Nacht zuvor schlecht geschlafen hatte, und als ich dann den Artikel las, realisierte ich endlich «Emil, weisst du, was das heisst, 80?». Das ist mir in dem Moment richtig eingefahren.

Was verbinden Sie mit dieser Zahl?

Emil: Sie ist für mich sehr fremd. Man fängt an weiterzurechnen: Wie lange habe ich noch? Auf der anderen Seite kenne ich viele Leute, die 85, 90, 95, 100 werden. Oder sogar 103 wie Hans Erni.

Andere Künstler in Ihrem Alter haben sich längst in ihr Privatleben zurückgezogen. Hatten Sie nur eine Pause in New York nötig?

Emil: Ich war mit sechzig in meinem Leben an einem Punkt, an dem es mir gutgetan hat, einmal auszusetzen und wegzugehen. Als ich zurückkehrte, arbeitete ich einfach weiter. Ich hatte überhaupt nicht das Bedürfnis, einen «Lebensabend» zu inszenieren.

Wie viel bekommen Sie eigentlich vom Argwohn mit, weil Sie und Ihre Frau Niccel auf den Fotos immer lachen?

Emil: Mich hat mal ein Fotograf gefragt, ob er ein Bild schiessen könnte, auf dem ich einmal ernst schaue. Das sah furchtbar aus, weil es nicht zu mir passt, dass ich so grimmig wirke, und wenn Niccel mich fotografiert, wäre es auch schwierig ernst zu bleiben, da sie beim Fotografieren hinter der Kamera immer strahlt.

Ist das Lachen des Publikums die Haupttriebfeder für Ihr unermüdliches Touren?

Emil: Ja, es macht mich sehr glücklich, wenn ich sehe, dass die Leute zwei Stunden lachen können. An den vielen ausverkauften Vorstellungen und dem Schwärmen, dass mein Humor genau den Schweizern entspreche, merke ich, wie meine Auftritte einem Bedürfnis entsprechen. Bei mir amüsiert man sich den ganzen Abend über kleine Alltagsszenen.

Welche Kollegen bringen Sie zum Lachen?

Emil: Ich sehe Joachim Rittmeyer oder Urban Priol gerne. Es gibt auch lustige Sätze von Simon Enzler. Dimitri zaubert eher ein grosses Lächeln ins Gesicht. Bei seiner Poesie lacht man nicht laut heraus. Massimo Rocchi ist hervorragend. Mehr kann man am Samstag in «Emil lacht» sehen. Das Schweizer Fernsehen hat mir zwei Stunden Fernsehen geschenkt, in denen ich zeigen darf, was ich will. Niccel und ich haben fast ein Jahr daran gearbeitet. Man sieht dort Sachen, die mich zum Lachen bringen, alte Sketche und neue, die ich für diese Sendung geschrieben habe.

Bilder einer Karriere: Emil 1980 in «Feuerabend»… (Bild: STR (KEYSTONE))

Bilder einer Karriere: Emil 1980 in «Feuerabend»… (Bild: STR (KEYSTONE))

…1978 mit Walo Lüönd in «Die Schweizermacher»… (Bild: STR (KEYSTONE))

…1978 mit Walo Lüönd in «Die Schweizermacher»… (Bild: STR (KEYSTONE))

…und 1977 im Circus Knie. (Bilder: keystone)

…und 1977 im Circus Knie. (Bilder: keystone)

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