Kuscheln wie die Schnecken

Villa Kunterbunt

Bettina Kugler
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In den besten Jahren haben Kinder alle Zeit der Welt, und mancher Tag erscheint ihnen wie ein halbes Leben. Dennoch springen sie, je jünger, desto vergnügter, gern morgens schon in aller Herrgottsfrühe aus den Kissen. Besonders, wenn es sich um einen freien Tag handelt. Dann fragen sie erwartungsfroh und bohrend: «Was machen wir heute?» – Was nicht bedeutet, dass man sie abends umso früher dem Mann im Mond in Obhut geben könnte. Nein, sie haben starke und ausdauernde Batterien. Unzählige Male dachten wir abends am Bettrand, lesend, plaudernd, leise singend, nicht an Schäfchen, sondern an Duracell und diesen kleinen Schlagzeughasen aus der TV-Werbung. Die Ewigkeit eines Tages mit Kind dauert lange, vor allem gegen Ende.

Sicher, die Abendrituale sind wichtig und oft auch für uns ewig speditiven Grossen eine Wohltat. Den Tag im Halbdunkel noch einmal durchgehen und sich am Schönen und Gelungenen freuen: an den ersten Schneeglöckchen im Garten. Dem zweiten Platz im Skikurs-Abschlussrennen. Dem Brieflein von der Strandkorb-Freundin, mit der man sommers gern gemeinsam Glace schleckt. Es gibt aber auch Tage, da ist mir mehr nach Blitzkuscheln – weil hinterher noch so viel kommt und ich den Wecker fast schon wieder läuten höre. Blitzkuscheln? «Nein», findet Antonia, «lieber Schnecken- kuscheln. Die Schnecken sind aber noch mindestens einen Meter voneinander entfernt.»

Bettina Kugler