KUNST: Der Blick hinter die Hecke

Unter dem Titel «Thuja» stellt sich Fabienne Lussmann in St. Gallen als Malerin vor. In der Galerie vor der Klostermauer zeigt sie gerade einmal zehn Bilder. Ihre speziellen Blicke auf Landschaft prägen sich aber ein.

Martin Preisser
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Eine neue, junge Stimme in der St. Galler Kunstszene: Fabienne Lussmann vor einer aktuellen Arbeit. (Bild: Martin Preisser)

Eine neue, junge Stimme in der St. Galler Kunstszene: Fabienne Lussmann vor einer aktuellen Arbeit. (Bild: Martin Preisser)

Martin Preisser

martin.preisser@tagblatt.ch

Es ist ein besonderer, auch ein bisschen aufregender Moment: Die erste eigene Einzelausstellung. «Ich war schon ein wenig kribbelig», sagt Fabienne Lussmann. «Die Galerie vor der Klostermauer ist ein Raum mit starkem Charakter.» Die kleine, aber feine ­Adresse bietet jungen Kunstschaffenden immer wieder ein Sprungbrett und dem Kunstliebhaber die Möglichkeit, neue Kunststimmen zu entdecken.

Thuja-Hecken sind als Sichtschutz in unseren Quartieren fast eine Plage. Sie schotten ab, verhindern die Sicht auf das Dahinter. Genau dieser Blick interessiert Fabienne Lussmann in ihrer Ausstellung «Thuja». Zäune, Hecken tauchen als Grenzlinien in ihren Ölbildern auf. Seit zwei Jahren ist sie im St. Galler Dachatelier heimisch und geht mit dem Skizzenblock durch die Stadt. Überraschende Ausschnitte, ungewohnte Durchblicke bestimmen ihre Bildkompositionen. In guter Balance zwischen Innen und Aussen, zwischen farblicher Kraft und farblicher Flüchtigkeit lässt die gebürtige Appenzellerin Flächen aufeinandertreffen.

Bewusste Entscheidung für die Malerei

Immer wieder den Blick öffnen – mit dieser Haltung lässt sie interessante Szenen auf sich zukommen. Fabienne Lussmann hat in Luzern an der Hochschule für Design und Kunst ihren Bachelor gemacht und arbeitet heute in der Kunsthalle St. Gallen im administrativen Bereich. Sie gehört zu den (selteneren) jungen Kunstschaffenden, die sich wieder ganz bewusst für die Malerei entscheiden. «Dass ich mich malerisch ausdrücken will, war für mich schon immer klar», sagt die junge Künstlerin.

Und auch die Entscheidung fürs Sujet Landschaft im weitesten Sinn ist eher ungewöhnlich. Fabienne Lussmann gelingen da aber schon durchaus individuelle Ausdrucksformen. Ihre Blicke dahinter, was eben nicht einfach Blicke in die Weite bedeutet, reizen und binden den Betrachter an die im kleinen Format zuerst einmal skizzenhaft wirkenden Malereien. Spezielle Strukturen, oft als Geäst, geben den Kompositionen Halt. Sie bilden Landschaftsausschnitte nicht einfach ab, sondern deuten und definieren neu.

Das Obergeschoss der Galerie prägen drei grossformatigere Arbeiten. Sie beweisen einen gekonnten Umgang mit Farbe, die hier so haftend wie fliessend auf dem Synthetikpapier daherkommt. Auf diesen kräftigen Bildern mit speziellen Farbschich­tungen und Farbebenen wagt sich die Malerin in den Grenzbereich zur Abstraktion.

«Was gibt man dem Betrachter auf einem Bild und was nimmt man ihm?», fragt die Künstlerin mit Jahrgang 1988 und findet auf dieser Gratwanderung Lösungen, die sich beim ­Schauen als starker Eindruck festsetzen. Schnell, direkt und spontan wirken diese Bilder, die oft auch noch den schwungvollen Pinselstrich nicht verleugnen.

Bis 15. Oktober; Do/Fr 18–20, Sa 11–15, So 11–13 Uhr; Galerie vor der Klostermauer, Zeughausgasse 8, St. Gallen; Fr, 29.9., 19.30 Uhr: Intervention mit Marc Norbert Hörler; klostermauer.ch