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Kühlende Hochhäuser

In Japan haben Architekten ein Hochhaus errichtet, dessen Aussenfassade mit Regenwasser gekühlt wird. Der Effekt auf das Mikroklima ist beachtlich.
Adrian Lobe
Das Kühlsystem des Sony City Osaki Building in Tokio wirkt wie ein natürlicher Wald. (Bild: Yutaka Suzuki)

Das Kühlsystem des Sony City Osaki Building in Tokio wirkt wie ein natürlicher Wald. (Bild: Yutaka Suzuki)

Im Sommer ist es in Städten besonders schwül. Die Gebäude heizen sich auf, es geht kein Wind, die Luft steht förmlich. Der Grund liegt in der dichten Bebauung, durch die Wärme gespeichert wird und Frischluftschneisen blockiert werden. Hinzu kommt die Luftverschmutzung. Das Stadtklima ist damit ein wesentlicher Treiber der Erderwärmung.

Städtebauer und Klimatologen suchen nach Möglichkeiten, diese Entwicklung zu bremsen – was angesichts der zunehmenden Verstädterung auf dem Planeten eine Herkulesaufgabe scheint. Doch nun warten japanische Architekten mit einer besonders innovativen Lösung auf: Sie haben in Tokio ein Hochhaus konstruiert, dessen Fassade mit Regenwasser gekühlt wird.

Uralte Tradition genutzt

Das Sony City Osaki Building ist an seiner Aussenwand mit einem engmaschigen Rohrsystem verkleidet, durch das wie bei einer Sprinkleranlage Wasser diffundiert. Das Versprühen des Wassers zeitigt einen signifikant hitzedämmenden Effekt: Messungen des Architekturbüros Nikkei Sekkai zufolge wird die Oberflächentemperatur des Gebäudes um 12 Grad Celsius reduziert, die der Umgebung (bis zu 30 Meter in Bodennähe) um zwei Grad. Damit hat das Kühlsystem eine unmittelbare Wirkung auf das Mikroklima.

Die Idee ist von der japanischen Tradition des Uchimizu inspiriert, einer uralten Technik, mit Wasser für Kühlung und Ästhetik zu sorgen. Den Brauch kann man noch heute im alten Kyoto beobachten, wo die Angestellten der Restaurants am Abend den Eingangsbereich ihres Geschäfts mit Wasser besprengen. Das Sony City Osaki Building kombiniert diese Technik mit Sudare, der Verschattung durch Bambusgewächse.

Ganzheitlicher Ansatz

In der Megacity Tokio, wo es im Sommer schwülwarm werden kann, ist BioSkin, wie die Betreiber das Kühlverfahren nennen, von grossem Nutzen. Zwar gibt es in Singapur ähnliche Systeme. Doch die Bauherren verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz: Die Keramikrohre sind aus Erde gefertigt, das Regenwasser wird auf dem Dach gesammelt, die nötige Energie liefern Solarzellen an der Südfassade, und das versprühte Wasser verdunstet wieder in der Atmosphäre. So entsteht ein ökologischer Kreislauf, mit dem sich effizient Energie sparen lässt. Das Gebäude wurde eben mit dem renommierten «Tall Building Innovation Award from the Council on Tall Buildings and Urban Habitat» ausgezeichnet. Es sei als «massives Kühlinstrument errichtet worden, das in gleicher Weise wie ein natürlicher Wald fungiert», schwärmt das Architekturbüro.

Umgebung wird mitgekühlt

Nun stellt sich generell die Frage, ob mit dem Bau neuer Hochhäuser – das Sony City Osaki Building ist 25 Stockwerke bzw. 139 Meter hoch – nicht das Klimaproblem verschärft und gewissermassen der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben wird. Doch angesichts der unaufhaltsam voranschreitenden Urbanisierung – 2050 wird jeder dritte Mensch in einer Stadt leben – gibt es keine wirklichen Alternativen zum Bau neuer Hochhäuser. Die Ballungsräume platzen schon jetzt aus allen Nähten.

Was den Ansatz der Japaner so interessant macht, ist, dass es das Gebäude mit der Stadt als Ganzes verbindet. Traditionelle Klimaanlagen halten die Gebäude kühl, indem sie heisse Luft auf die Strassen blasen. Bei BioSkin jedoch wird die Umgebung nicht erhitzt, sondern mitgekühlt. Anstatt also den städtischen Wärmeinseleffekt weiterzufördern, könnte mit einem solchen Kühlsystem ein «cool spot» geschaffen werden, der den Sommer in der Stadt wieder etwas erträglicher macht.

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