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KRYPTOWÄHRUNG: Teures Katzensammeln

Virtuelle Katzen erobern derzeit die digitale Welt. Crypto Kitties sollen die Blockchain-Technologie alltagstauglich machen.
Inka Grabowsky
Digitales Katzensammeln auf der Webseite www.cryptokitties.co. (Bild: Screenshot)

Digitales Katzensammeln auf der Webseite www.cryptokitties.co. (Bild: Screenshot)

Inka Grabowsky

«Die muss ich haben», war die erste Reaktion der 15-jährigen ­Julia, als sie Anfang Dezember in einem Online-Newsletter von Crypto Kitties las. Die niedlichen virtuellen Katzen züchtet man im Internet, sammelt sie und kann sie gegebenenfalls für viel Geld weiterverkaufen. «Das ist wie ­Pokémon-Jagen, nur besser», glaubte die Schülerin. Doch sie wurde schnell eines Besseren belehrt.

Anders als bei den Pokémon kann nur mitspielen, wer Geld investiert – und zwar «Ether» (Eth), eine digitale Währung, die den be­kannten Bitcoins ähnlich ist und ebenso als Spekulationsobjekt hoch gehandelt wird. Ether bekommt man nur über Internetplattformen – das schränkt die Spielerkreis bei Crypto Kitties auf Erwachsene mit Kreditkarte ein. Das Spiel läuft ausschliesslich unter den Browsern Chrome oder Firefox. Und es hilft ungemein, gut Englisch zu können.

Vererbungslehre als Spielidee

Bei der Beschaffung einer Katze hat man zwei Optionen: Entweder investiert man in eine neue «Generation 0»-Katze, die das Unternehmen Axiom Zen noch bis zum November alle 15 Minuten ge­nerierte (das kostete im Augenblick der Recherche um 0,47 Eth oder 340 Franken), oder man kauft von einem Mitspieler eine Zuchtkatze, deren Eigenschaften einem gefallen. Einfache Katzen kann man schon für 2,17 Franken (0,003 Eth) erstehen. Ähnlich viel oder wenig kostet die Deckgebühr, die der Besitzer eines Weibchens dem Halter eines Männchens aushändigen muss.

Wer an einem Wertzuwachs interessiert ist, setzt sich besser mit den «Cattributes» auseinander. Die Viecher haben unterschiedliche Farben und Muster, buschige oder glatte Schwänze – kurz: jedes hat seinen eigenen Phäno- und Genotyp. Ein bestimmtes Geschlecht haben sie nicht. Es wechselt je nach den ­Bedürfnissen der Züchter. Solche Etiketten seien dem 21. Jahrhundert nicht angemessen, witzeln die Erfinder.

Einige Mitspieler, die früh in die Crypto Kitties investiert haben, sind mittlerweile im Besitz von Katzen, für die sie utopische Summen von 999 999 Eth ver­langen. Doch so selbstsicher sind die ­wenigsten User. «Was ist meine Katze wert», fragen sie in Diskus­sionsforen. Bei mittlerweile über 420 000 Katzen, die zum Teil Ergebnis von 20 Zuchtvorgängen sind, ist die Konkurrenzanalyse schwierig. Auktionen geben die Antwort. Der Besitzer legt einen Wunschpreis fest, der im Laufe einer Zeitspanne bis zu einem Mi­nimalwert herunterläuft oder viel­leicht steigt. Ob man damit Geld verdienen kann, ist fraglich. «Habe einfach Freude am Züchten!», empfehlen die Designer vorab.

Doch die menschliche Gier steht dem wahrscheinlich entgegen. Dabei sind die Grundlagen liebevoll gestaltet und keineswegs auf Profitmaximierung ausgerichtet. Die Entwickler von Axiom Zen schrieben, dass sie die Zukunft nicht ändern, sondern Spass mit ihr haben wollen. Die Idee verfing offenkundig, wie das Unternehmen auf seiner Website bekanntgibt: Am 2. Dezember wurde die erste Katze «adoptiert», am 5. De­zember gab es bereits 60 000 User, eine Woche später 150 000. 15 Millionen reale US-Dollar wurden umgesetzt.

Das Unternehmen Axiom Zen verdient an jeder Transaktion 3,75 Prozent. Doch eigentlich verfolgen die Erfinder ein pädagogisches Interesse. So wie die Pokémon uns mit Augmented Reality bekanntgemacht haben, wollen die Katzenzüchter Blockchain-Technologie verbreiten. Die Konsumenten sollen sich an einen neuen Datenaustausch im Internet gewöhnen. Bei Überweisungen zieht bisher die Bank als Vermittler die Summe von einem Konto ab, fügt sie dem anderen Konto hinzu und dokumentiert das. In der Blockchain braucht es diesen Zeugen nicht mehr. Jeder Mitspieler bei Crypto Kitties kann Kettenglied für Kettenglied nachverfolgen, wer was wann bezahlt hat. Ausserdem lehren uns die Crypto-Katzen, dass es einzigartige, nicht manipulierbare Daten­sätze gibt. Im Fall der Crypto ­Kitties ist es nur eine Spielerei. Ernst wird es, wenn man Wählerstimmen damit registrierte oder die eigenen Gesundheitsdaten überall zur Hand hätte.

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