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KREBSVORSORGE: Beim Krebs holen die Frauen auf

Der tödlichste Krebs trifft die Lunge. Nicht weil er dort besonders verheerend wütet, sondern weil er zu oft zu spät bemerkt wird. Das will ein Früherkennungsprogramm ändern.
Rolf App
Immer mehr Frauen rauchen. Jahrzehnte später kann sich das rächen. (Bild: Alexandra Dudkina/Getty)

Immer mehr Frauen rauchen. Jahrzehnte später kann sich das rächen. (Bild: Alexandra Dudkina/Getty)

«Das Problem ist immer: Man spürt ja nichts und fühlt sich auch gar nicht krank. Und wenn man etwas spürt, ist es meist zu spät.» So beschreibt Jürg Hurter die Lage. Hurter spricht vom Lungenkrebs, er ist Präsident der Stiftung für Lungendiagnostik, die sich, unterstützt von Persönlichkeiten wie Felix Gutzwiller und Ellen Ringier, eine möglichst unkomplizierte, aber seriöse Früherkennung von Lungenkrebs zum Ziel gesetzt hat.

Denn die Lage ist prekär, wie der Blick auf die Schweizer Krebsstatistik zeigt. Nimmt man den Zeitraum 2009 bis 2013, dann steht der Lungenkrebs an vierter Stelle mit 4100 Neuerkrankungen pro Jahr. Schaut man nun aber die Todesfälle an, dann schwingt der Lungenkrebs mit 3100 Fällen weit obenaus. Erst mit erheblichem Abstand folgen Dickdarm- (1700), Brust- (1410) und Prostatakrebs (1300).

Die Aussichten wären gar nicht so schlecht

Noch beunruhigender: Die Frauen holen auf. «Während bei Männern ein Rückgang zu beobachten ist, zeigt sich bei den Frauen eine Zunahme», sagt Karl Klingler vom Lungenzentrum Hirslanden, ärztlicher Berater der Stiftung. Und nennt zwei Gründe: Frauen haben schon vor einiger Zeit angefangen, häufiger zu rauchen. Und: Sie reagieren schneller auf die Krebs erregenden Stoffe im Tabakrauch. Mit fatalen Folgen, wie Klingler erklärt: «In vielen Ländern haben die Todesfälle bei Frauen wegen Lungenkrebs jene wegen Brustkrebs überholt. Das wird wohl auch bald in der Schweiz der Fall sein.»

Dabei wäre die Aussicht so schlecht nicht. Ein Lungentumor wächst langsam, und die Lunge kann vergleichsweise gut operiert werden. Nur ist sie halt ein inneres Organ, ertastet werden kann eine Geschwulst nicht. Deshalb bemerkt man sie oft erst, wenn sie andernorts Ableger gebildet hat. Doch «wenn jemand Blut hustet oder starke Rückenschmerzen einen Tumor anzeigen, ist er oft schon zu gross», sagt Jürg Hurter.

Auch jährliche Röntgenaufnahmen bringen nichts. Weit besser stehen die Aussichten beim Einsatz niedrig dosierter Computertomografie. Sie kommt zum Einsatz bei jenem Programm, das die Stiftung einsetzt und das sie nun einer Risikogruppe anbietet: «Als gefährdet gelten unter anderem Männer und Frauen, die mindestens 50 Jahre alt sind und auf zwanzig oder mehr Packungsjahre zurückblicken», erklärt Jürg Hurter. Das bedeutet, dass der Betreffende zwanzig Jahre lang je ein Päckli pro Tag (oder zehn Jahre lang zwei Päckli) geraucht hat. «Mit der Computertomografie können schon kleinste Herde ­erkannt werden.» Was noch nicht heisst, dass es sich um Krebs handeln muss. «Wächst der Herd weiter, dann folgen genauere Abklärungen.» Meistens kann ein solcher kleiner Tumor dann minimalinvasiv entfernt werden.

Was die Untersuchung den Einzelnen kostet

Das Ganze ist freiwillig, und: Die Krankenkasse zahlt nichts, weil die Teilnehmer als gesund gelten. Nach Tarif würden Computertomografie, Auswertung und ärztliche Konsultation mit rund 500 Franken verrechnet. «Über Spendengelder können wir die Untersuchung samt ausführlichem, auch von Laien verständlichem Bericht und Telefonsprechstunde auf 179 Franken reduzieren», erklärt Hurter. Weitere Abklärungen und Behandlung sind kassenpflichtig. «Ich sage immer: 179 Franken, das sind drei Wochen Rauchen, nämlich 21 Päckli zu 8.50 Franken.» Ob das zu viel ist, um sich zu schützen?

Der Nutzen des Programms lässt sich messen. Nur 15 Prozent überleben normalerweise Lungenkrebs. In jenen Fällen jedoch, in denen er im Frühstadium erkannt und behandelt wird, sind nach zehn Jahren noch immer neunzig Prozent ohne Anzeichen.

Genauere Informationen über das Früherkennungsprogramm: www.lungendiagnostik.ch

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