Krebs-Impfung auch für Knaben

Humane Papillomaviren (HPV) können nicht nur Gebärmutterhalskrebs auslösen, sondern auch andere Krebsarten und Genitalwarzen. Die Eidgenössische Kommission für Impffragen empfiehlt deshalb, auch Knaben dagegen zu impfen.

Bruno Knellwolf
Drucken
Teilen
Humane Papillomaviren (HPV) werden beim Sex übertragen und können Krebs auslösen. (Bild: fotolia)

Humane Papillomaviren (HPV) werden beim Sex übertragen und können Krebs auslösen. (Bild: fotolia)

Eine Infektion mit Humanen Papillomaviren (HPV) ist die häufigste sexuell übertragene Infektion, auch in der Schweiz, schreibt das Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen. Bekannt sind über hundert verschiedene HP-Viren, welche die Schleimhaut der Geschlechtsorgane oder die Haut befallen. Im Laufe ihres Lebens stecken sich mehr als sieben von zehn sexuell aktiven Personen mit HPV an, davon die meisten im Alter zwischen 16 und 25 Jahren. Bei einer Mehrheit hat dies keine Symptome zur Folge. Die Infektion wird gar nicht bemerkt – das ist aber eine Gefahr in sich. Ohne davon zu wissen, wird das Virus so nämlich oft beim Sex an andere weitergegeben.

Gebärmutterhalskrebs

Die Infektion ist in 90 Prozent der Fälle vorübergehend und heilt in der Regel innerhalb von ein bis zwei Jahren aus. Bei den anderen kann eine HPV-Infektion aber Krebsvorstufen auslösen, aus denen Gebärmutterhalskrebs und Analkrebs entstehen. Diese Krebserkrankungen können wie auch durch HPV ausgelöste Genitalwarzen nicht mit Medikamenten geheilt werden. Möglich ist eine chirurgische Entfernung oder eine lokale Behandlung, falls sie frühzeitig erkannt werden.

Deshalb werden seit einigen Jahren Mädchen im Alter zwischen elf und 14 Jahren gegen das HP-Virus standardmässig geimpft. Eine solche Impfung wird nun von der Eidgenössischen Kommission für Impffragen auch für Knaben empfohlen.

Übertragung auf Frauen

Da stellt sich die Frage, welche Gefahren denn durch das HP-Virus für die Knaben lauern. «Auch Männer können erkranken. Peniskrebs ist nicht so häufig, aber wir sehen mehr und mehr Analkrebsfälle bei Männern, die mal Sex mit Männern hatten. Auch wenn dies nur wenige Male in jungen Jahren der Fall war», sagt dazu der Viren-Spezialist Pietro Vernazza vom Kantonsspital St. Gallen.

Viel wichtiger sei aber, dass die Impfung verhindere, dass die jungen Männer das gefährliche Virus auf die Frauen übertragen. «Wenn man die jungen Männer schützt, kann man viel mehr Frauen vor Ansteckung schützen. Dies ist vor allem wichtig, weil die HPV-Durchimpfungsrate bei Frauen noch immer zu tief liegt, um eine flächendeckende Wirkung zu erzielen», sagt der Chefarzt der Infektiologie/Spitalhygiene.

Ungenügende Akzeptanz

Das bestätigt auch der Präventivmediziner Gaudenz Bachmann, Leiter des St. Galler Amts für Gesundheitsvorsorge. «Leider ist die Akzeptanz der HPV-Impfung bei Mädchen bisher ungenügend und liegt nur bei knapp 50 Prozent.» Dies obwohl HPV Ursache für weitere Krebsformen sei, neben Anal- und Gebärmutterhalskrebs auch für Rachenkrebs. Daran hat mit Auszeichnung die St. Galler Oberärztin Martina Broglie von der Hals-Nasen-Klinik geforscht. Sie konnte durch ihre Forschung zeigen, dass HPV ein wichtiger Risikofaktor für Rachenkrebs ist, unabhängig davon ob jemand raucht oder nicht. Rachenkrebs kann demnach über Oralsex entstehen, bei dem Humane Papillomaviren übertragen werden. Ein bekanntes Beispiel für eine solche Erkrankung ist der US-Schauspieler Michael Douglas. Er hatte erklärt, sein Rachenkrebs habe nicht mit Zigaretten sondern mit Sex mit vielen Frauen zu tun.

Rachenkrebs wird häufiger

«Krebs im Rachenbereich wird häufiger», hat Martina Broglie kürzlich am Tag der Forschung am Kantonsspital St. Gallen erklärt. Angesichts dieser steigenden Gefahr sei es für sie nur logisch, dass sie ihre beiden Buben gegen HPV impfen werde. «Mit einer HPV-Impfung ist alles abgedeckt», hat Martina Broglie erklärt. Die Knaben sollten im gleichen Alter wie die Mädchen, also zwischen elf und 14 Jahren geimpft werden, rät Gaudenz Bachmann. «Möglichst vor dem ersten Sexualkontakt», sagt Pietro Vernazza.

Vorbereitete Kinderärzte?

Bleibt die Frage, ob die Kinderärzte überhaupt auf die HPV-Impfung von Knaben vorbereitet sind. «Die Empfehlung der HPV-Impfung für Knaben wird mit dem Impfplan 2015 publiziert. Zudem wird im Bulletin des Bundesamts für Gesundheit BAG dazu nächstens ein spezieller Beitrag erscheinen», sagt Bachmann. Im Kanton St. Gallen werde die Impfung primär über den Schulärztlichen Dienst angeboten. Allerdings erst ab Beginn des neuen Schuljahres im Sommer, da die Kostenvergütung über die Krankenversicherung bis dahin vom BAG noch geregelt werden müsse, wie der Leiter des Amts für Gesundheitsvorsorge erklärt.

Gut verträglich

Die HPV-Impfung sei gut verträglich. «Es sind keine aussergewöhnlichen unerwünschten Wirkungen bekannt. Allerdings hat sich gezeigt, dass bei den Mädchenimpfungen in diesem Alter vermehrt Angstreaktionen bedingt durch den Nadelstich zu beobachten sind», sagt Bachmann. Deshalb empfehle sich die Impfung im Sitzen oder Liegen.

Trotz der Gefahr durch den HP-Virus und die gute Verträglichkeit seien zu wenige geimpft. «Grund dafür sind wohl Berichte über Zusammenhänge der Impfung mit Fällen von Multipler Sklerose oder andern Gesundheitsproblemen, die bei genauer Analyse aber der Impfung nicht angelastet werden können», sagt Bachmann. Sowohl die Medikamenten-Zulassungsstelle Swissmedic wie auch das BAG sähen keinen Anlass an der Sicherheit der HPV-Impfung zu zweifeln. «Die neue Empfehlung, auch Knaben zu impfen, ist aber mit den Folgen von HPV-Infektionen bei Knaben und Männern begründet und nicht mit der Durchimpfungsrate der Mädchen», sagt Bachmann.

Aktuelle Nachrichten