KREBS: Chance für Immuntherapie

Mit den eigenen, gentechnisch veränderten Immunzellen den Krebs besiegen. Eine neue Therapie steht vor der Zulassung.

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Zumindest für bestimmte Formen von Leukämie und von Lymphdrüsenkrebs rückt die Immunzelltherapie in den Bereich des Möglichen. Auch andere Arten von Krebs, etwa Tumoren in Brust, Eierstock, Lunge oder Bauchspeicheldrüse, versuchen Forscher mit Hilfe der aufgerüsteten Immunzellen zu knacken – bislang mit weniger Erfolg.

Das Potenzial der CAR-T-Zellen ist seit zwei Jahrzehnten bekannt, aber es zu erforschen und einen funktionierenden Therapieansatz zu entwickeln, erwies sich als schwierig. Doch für Forscher ist mittlerweile klar: Speziell bei bestimmten Formen von Blutkrebs kann der Nutzen, allen schweren Nebenwirkungen zum Trotz, gross sein. Emily Whitehead ist hierfür eine Art Galionsfigur: Vor fünf Jahren erhielt das an ALL (Akuter Lymphatischer Leukämie) lebensgefährlich erkrankte Mädchen die experimentelle Gentherapie. Die Nebenwirkungen brachten die Sechsjährige fast um: Über Wochen lag sie mit hohem Fieber im Koma, während sich in ihrem Körper die genmodifizierten T-Zellen vervielfachten und wie eine Turbowaffe die Blutkrebszellen attackierten. An ihrem siebten Geburtstag erwachte Emily aus dem Koma. Seitdem ist sie krebsfrei.

Der Kopf hinter dem klinischen Ansatz ist Carl June von der University of Pennsylvania, der auch Emily behandelte. Schon vor Jahrzehnten versuchte er, T-Zellen im Kampf gegen das HI-Virus einzusetzen. Der Trick, der nun den Krebszellen den Garaus macht: Die aus dem Blut des Patienten gefilterten T-Zellen werden im Labor genetisch verändert, dann vervielfacht und dem Patienten als Infusion wieder verabreicht.

Um diese «lebenden Medikamente» herzustellen und sie sicher zu verabreichen, ist jedoch viel Expertise nötig. In den USA wird die Therapie deshalb wohl nur an wenigen Spezialzentren möglich sein. Die US-Zulassung von CAR-T-Zellen der Firma Novartis zur Behandlung von ALL wäre die erste für eine Gentherapie gegen Krebs. Andere Anträge folgen aber bereits. In Europa sieht es ähnlich aus: Vielleicht gibt die Europäische Kommission sogar noch 2017 grünes Licht für die CAR-T-Zelltherapie. Drei Anträge liegen der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) bereits vor. Zunächst sind Schwerstkranke die Zielgruppe. Mehr als 20 verschiedene CAR-T-Zellprodukte werden derzeit klinisch erprobt. (sda)