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KONZERT: Wölfe im Schafspelz

Mit Alt-J kommt eine der erfolgreichsten Indie-Bands der letzten Jahre mit neuem Album ans Open Air St. Gallen.
Hanspeter Künzler

Alt-J sind wahrlich nicht einzuordnen. Da wäre nur schon dieser seltsame Bandname: Er geht auf die Tastenkombination Alt und J zurück. Damit erscheint im Textfeld (zumindest bei MacBooks) das griechische Delta-Zeichen, ein Dreieck. Ein Hipster-Zeichen sondergleichen, das seinen Weg auf T-Shirts und Schmuckstücke fand. Prompt füllten die Briten mit ihrem eigenwilligen Sound grosse Arenen. Wurden geliebt und gehypt.

Mit ihrem dritten Album «Relaxer» unterlaufen die Hipster-Lieblinge nun alle Erwartungen. Es beginnt mit dem sparsam instrumentierten und geradezu folkigen «3 Warm Words», geht weiter mit feisten Bläsern, mündet in eine gespenstische Version von «House of the Rising Sun». Und haut uns gleich darauf die wüste Glam-Rock-Sex-Orgie «Hit Me Like That Snare» um die Ohren. Manche Band würde sich auf eines von diesen Liedern konzentrieren und auf dem Stil eine ganze Karriere aufbauen. Denn es ist im Musikgeschäft eine oft vertretene Meinung, dass es Künstler, die immer wieder kühne Haken schlagen, nie auf einen grünen Zweig brächten. Fans hätten es nicht gern, wenn sie verwirrt und verunsichert würden.

Alt-J sind das schlagende Gegenbeispiel. Das Quartett bastelte schon vor zehn Jahren an seinem halb elektronischen, halb rockigen Sound, ohne sich ums restliche Land zu kümmern. «Word of mouth» sorgte dafür, dass die Band bald mit sechsstelligen Klick-Statistiken imponieren konnte. Als Alt-J mit dem Début-Album «An Awesome Wave» im Jahr 2012 den Mercury-Preis fürs «wichtigste britische und irische Album des Jahres» gewann, war die Band in den herkömmlichen Medien praktisch noch unbekannt. Inzwischen sind ihre ersten beiden Alben über zwei Millionen Mal abgesetzt worden.

«Wir machen Musik, wie sie uns natürlich und organisch einfällt», erklärt Joe Newman. Andererseits habe man bewusst vermeiden wollen, dass «Relaxer» wie eine logische Folge der ersten beiden Alben herauskäme. «Es gab viele Diskussionen», berichtet Unger-Hamilton, «aber wir haben noch nie so friedlich diskutiert. Man lernt mit der Zeit, dass es wichtigere Dinge gibt im Leben einer Band als sich gegenseitig anzuschreien. Besser, sich auf die Arbeit zu konzentrieren, dann kann man den Abend mit der Freundin geniessen.»

Hanspeter Künzler

Alt-J: «Relaxer», PIAS/Musikvertrieb 2017; Live: 1. Juli am Open Air St. Gallen

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