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KONSTANZ: Urteil nach tödlichem Streit vor Shisha-Bar: Totschlag, aber kein Mord

Im März 2017 haben sie vor einer Shisha-Bar einen 19-jährigen Schweizer tödlich verletzt. Nun wurde der Haupttäter zu einer Haftstrafe von 7,5 Jahren verurteilt. Ein Mitangeklagter muss 21 Monate ins Gefängnis.
Spuren der Tat: Im März 2017 wurde ein 19-jähriger Schweizer vor einer Shisha-Bar in Konstanz erstochen. (Bild: Jörg-Peter Rau)

Spuren der Tat: Im März 2017 wurde ein 19-jähriger Schweizer vor einer Shisha-Bar in Konstanz erstochen. (Bild: Jörg-Peter Rau)

Mehrere Minuten erklärt Rechtsanwalt Ingo Lenssen Angehörigen und Freunden des vor elf
Monaten vor einer Shisha-Bar in Konstanz getöteten 19-jährigen Schaffhausers, was soeben geschehen ist. Lenssen ist Vertreter der Nebenklage, 20 Personen umringen ihn nun vor dem Sitzungssaal am Landgericht Konstanz. Die meisten von ihnen haben eben das Urteil gegen den heute 18-jährigen Haupt- und den 21-jährigen Mitangeklagten erfahren.


Keine Zweifel an der Tat

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der heute 18-Jährige den 19-jährigen vor der Shisha-Bar mit einem Messer tödlich verletzte. Einzig die für ein Mordurteil massgeblichen niederen Beweggründe erkennen die Richter nicht an. Das Strafmass deshalb: Siebeneinhalb Jahre Haft wegen Totschlags für den jungen Mann aus Konstanz; ein Jahr und neun Monate Haft ohne Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung für den 21-jährigen Mitangeklagten. Gegenüber dem «Südkurier» bestätigen mehrere Prozessbeteiligte das Strafmass. Vom Landgericht erfolgt hierzu keine offizielle Stellungnahme. Dies, weil der Verteidiger des zur Tatzeit 17-jährigen Angeklagten erfolgreich den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt hatte. Bei Eröffnung des Prozesses Ende Januar hatte die Allgemeinheit noch Zugang zum Gerichtssaal.

Trotz des grossen Interesses entschied sich der vorsitzende Richter Joachim Dospil für ein nichtöffentliches Verfahren. Die Argumentation: Jugendliche Straftäter geniessen eine besondere Schutzbedürftigkeit, ein öffentlicher Prozess stehe ihrer Wiedereingliederung in die Gesellschaft nach Verbüssen der Strafe im Wege. Der Erziehungsgedanke im Jugendstrafrecht wäre dadurch gefährdet. Nebenklageanwalt Ingo Lenssen bleibt bei der Einschätzung zu Prozessbeginn. «Dieses Verfahren hätte öffentlich geführt werden müssen», sagt er nach der Urteilsverkündung am Freitag. «Das hätte zum besseren Verständnis für das Zustandekommen der Entscheidung des Gerichts geführt.» Die Leitung des Verfahrens durch die Strafkammer wertete er dennoch positiv. Das Gericht sei «ausgewogen, würde- und verständnisvoll mit allen Prozessbeteiligten umgegangen».

Das Strafmass und die Verurteilung wegen Totschlags, statt wie in der Anklageschrift vorgesehen wegen Mordes, hält der Nebenklageanwalt als Entgegenkommen für den jugendlichen Täter für akzeptabel. Lenssen hatte zehn Jahre Haft, die Höchststrafe für Mord oder Totschlag bei jugendlichen Straftätern, gefordert. Die Staatsanwaltschaft hatte nach vorliegenden Informationen eine Gefängnisstrafe von acht Jahren beantragt. Die Verteidigung des Hauptangeklagten soll auf schwere Körperverletzung mit Todesfolge plädiert und eine Strafe unter acht Jahren beantragt haben. Nicolas Doubleday, Verteidiger des 18-Jährigen, möchte sich auch nach Prozessende nicht öffentlich äussern. Toralf Duve, Anwalt des Mitangeklagten, nennt den Strafrahmen von einem Jahr und neun Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung gegen seinen Mandanten «angemessen». Auch wenn die Richter keine Bewährung vorsehen, die bei einer Haftstrafe von unter zwei Jahren möglich gewesen wäre.

Opferfamilie erwartete Höchststrafe

Tief enttäuscht zeigen sich die Angehörigen des Opfers. Der Vater sagt nach dem Urteil: «Nur die Höchststrafe für den Hauptangeklagten wäre für uns vertretbar gewesen, als Zeichen und zum Schutz für andere.» So etwas wie seinem Sohn dürfe niemandem mehr passieren. Er ist überzeugt, dass sein Sohn unschuldig einem Mord zum Opfer fiel. «Die Verurteilung nur wegen Totschlags verstehe ich nicht.»

Das Leben seiner Familie sei zerstört, seine Frau gesundheitlich seit dem Tod ihres Sohnes schwer gezeichnet, er selbst fühle nur noch Schmerz. «Ich habe mein Herz mit meinem Jungen begraben», sagt der Vater. Das Urteil des Landgerichts Konstanz ist noch nicht rechtskräftig, Verteidiger, Staatsanwaltschaft und Nebenklage haben die Möglichkeit, binnen einer Woche Revision zu beantragen. (bbr)

Was geschah im März 2017?

In der Nacht zum 11. März 2017 wird die Polizei zu einem Vorfall vor einer Shisha-Bar im Konstanzer Industriegebiet gerufen. Laut Informationen der «Schaffhauser AZ» soll der 19-Jährige aus dem Kanton Schaffhausen mit seiner Freundin und einem zweiten Paar die Shisha-Bar betreten haben. Etwa eine Stunde später sei die Gruppe aus der Schweiz wieder gegangen. Auf dem Parkplatz trifft sie auf einige junge Männer, darunter der damals 17-jährige Hauptangeklagte aus Konstanz. Prozessbeteiligte berichten aus den Ermittlungsakten, er habe ein Messer aus der Tasche gezogen und mit seinen Begleitern den 19-jährigen Schweizer zur Entschuldigung aufgefordert, was dieser getan haben soll. Dennoch kommt es zu einem Handgemenge zwischen den beiden Gruppen. Der 17-jährige Konstanzer sticht schliesslich zu und flieht. Sein Opfer schleppt sich in die Shisha-Bar und bricht dort zusammen. Gegen 2.30 Uhr stirbt der 19-jährige Schaffhauser im Spital. (bbr)

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