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KOMMENTAR: Mit dem Tram gegen den Verkehrskollaps

Wir werden immer mobiler - nicht nur virtuell, sondern auch real. Immer mehr Menschen sind körperlich häufiger unterwegs. Was das bedeutet, schreibt Wissenschafts-Redaktor Bruno Knellwolf in einem Kommentar.
Ein Bild der Zukunft? Tram fährt am St.Galler Marktplatz. Hier die alte Trogner Bahn im Jahr 2003. (Bild: Hannes Thalmann)

Ein Bild der Zukunft? Tram fährt am St.Galler Marktplatz. Hier die alte Trogner Bahn im Jahr 2003. (Bild: Hannes Thalmann)

Wir werden immer mobiler: Virtuell und real. Obwohl wir digital in Sekundenbruchteilen um den Globus rasen, sind wir nicht nur auf der Datenautobahn, sondern auch körperlich immer häufiger unterwegs. Die Schweizer Bevölkerung wächst laufend, 14 Prozent seit dem Jahr 2000, das Bruttoinlandprodukt steigt, die Handelsverflechtungen werden mehr und lassen das Verkehrsvolumen ansteigen.

Und zwar bei allen Verkehrsmitteln. Auf der Strasse haben die Fahrleistungen seit 1995 um 31 Prozent zugenommen, auf der Schiene sogar um 47 Prozent. 128 Milliarden Kilometer im Jahr legen Herr und Frau Schweizer zurück, drei Viertel davon mit dem Auto, ein Fünftel mit dem öffentlichen Verkehr und sechs Prozent zu Fuss oder mit dem Velo. Möglich ist diese Mobilität, weil die Verkehrsinfrastruktur der Schweiz im internationalen Vergleich gut ausgebaut ist. 5100 Kilometer Eisenbahnlinien sowie 1800 Kilometer Nationalstrassen und 18 000 Kilometer Kantonsstrassen durchziehen das Land.

Trotz dieser guten Infrastruktur sind an vielen Orten der Schweiz die Züge zu Stosszeiten überfüllt und auf den Strassen rund um die Schweizer Städte stauen sich täglich Blechlawinen. Das kostet nicht nur Nerven, sondern auch Zeit und Geld.

Vom Verkehrskollaps wird gesprochen und gleichzeitig nach Lösungen gesucht. Und zwar für kurze und lange Strecken. Für letztere ist das Projekt Swissmetro wieder im Gespräch, das diese Woche im Versuchsstollen Hagerbach bei Sargans vorgestellt worden ist. Ein unterirdischer Hochgeschwindigkeitszug, welcher die Ballungszentren der Schweiz verbinden soll. In zwei richtungsgetrennten Tunnels wäre man in zwölf Minuten von Zürich aus in Bern. China gilt als Eisenbahn-Wunderland, in dem verschiedene Techniken der Fortbewegung getestet werden. Züge sollen mit 500 km/h elektromagnetisch durchs Land «schweben». Ähnliches plant Tesla-Chef Elon Musk, der einen Hyperloop bauen will, bei dem eine Passagier-Kapsel mit bis zu 1000 km/h durch eine Röhre schiessen soll.

Das alles sind Projekte, die schnell weite Distanzen überwinden, das Verkehrsproblem aber nicht lösen, sondern eher verstärken. Die Beschleunigung animiert dazu, von Stadt zu Stadt pendeln – damit entfernt sich der Arbeitsort noch weiter vom Wohnort, was die Mobilität ankurbelt.

In den Städten selbst müssen andere Antworten gefunden werden. In St.Gallen wird deshalb wieder über eine Tramlinie nachgedacht. Strassenbahnen fahren in den meisten grösseren Städten der Schweiz. Ohne Tram könnte man sich weder Zürich noch Basel vorstellen. Und auch in St.Gallen fuhr bis 1957 sechzig Jahre lang ein Tram durch die Stadt. Tatsächlich sind Strassenbahnen dank des flachen Einstiegs und ihrer Geräumigkeit komfortabel, zudem geräuscharm und je nach Stromquelle schadstofffrei. Sie transportieren mit hoher Kapazität und ermöglichen auch auf kurzen Streckenabschnitten einen schnellen Ein- und Ausstieg. Fährt das Tram getrennt von der Strasse, ist es schneller und pünktlicher als ein Bus, weil es weder von Autos und Lichtsignalen noch von Barrieren aufgehalten wird. Das ist aber gleich auch die Schwierigkeit. Damit ein Tram wirtschaftlich funktioniert und nicht zur Velofalle wird, braucht es eine eigene Fahrbahn. Dazu muss eine Stadt erst einmal genug Raum bieten können und zudem sind die Investitionskosten recht hoch. In St.Gallen sind es gemäss einer Machbarkeitsstudie rund 500 Millionen Franken. Dann aber ist das Tram ein effizientes Verkehrsmittel, das sich gut mit anderen Verkehrsangeboten kombinieren lässt. Und nur mit geschickter Kombination verschiedener privater und öffentlicher Verkehrsmittel bleibt der Verkehr einigermassen im Fluss.

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