Königin ohne Gärtner

Im grünen Bereich

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Wenn my home my castle ist, dann ist my garden my kingdom. Der Traum vom eigenen Garten hat viel mit der Allmächtigkeit zu tun, die er seinem Besitzer verleiht. Mein Garten gehört mir. Da hat niemand sonst was mitzureden – ausser mein Mann natürlich. Wir herrschen gütig, aber nicht besonders weise über Sein oder Nichtsein. Die Tanne ist zu gross geworden, sie muss weg, ein Flieder soll her. Der Haselstrauch wird verpflanzt, die Birke gestutzt. Dem Apfelbäumchen geben wir noch ein Jährchen, wenn dann wieder nur ein lausiger Apfel dran hängt, dann wars das.

Es sind darum wahrhaft erhabene Momente, wenn wir, die Hände in die Hüfte gestemmt, durch unseren Garten marschieren. Wie König und Königin überblicken wir mehr oder weniger stolz unser Reich. Zeigen mit dem Finger auf jene Stelle, schütteln ernst den Kopf beim Anblick einer anderen Stelle. Grosse Visionen werden dabei entworfen, wie es bei uns dereinst blühen soll.

Irgendwann, in unbestimmter Zeit – oder auch nie. Denn im Unterschied zu König und Königin müssen wir unsere Befehle selbst ausführen.

Katja Fischer De Santi