KOCHEN: Schluss mit Fertigpizza

Muriel Widmer und Joel Adank betreiben einen Blog mit Kochrezepten für unter fünf Franken. Die besten Rezepte sind nun in einem Kochbuch gesammelt.

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Kochen gut und günstig: Joel Adank und Muriel Widmer. (Bild: PD)

Kochen gut und günstig: Joel Adank und Muriel Widmer. (Bild: PD)

Joel Adank und Muriel Widmer sind im Endspurt. Bald erscheint ihr erstes Kochbuch mit Rezepten für unter fünf Franken. Das nötige Geld für das Buch haben sie via Crowdfunding gesammelt. Insgesamt kamen auf diesem Weg 14600 Franken zusammen. Ausruhen und Zurücklehnen ist dennoch nicht angesagt. In den kommenden Tagen arbeiten die beiden Studenten unermüdlich an den letzten Schliffen des Designs und Layouts der Publikation, die rechtzeitig auf Weihnachten erhältlich sein soll.

Bei kommerziellen Kochbüchern arbeiten unzählige Leute gleichzeitig an der Produktion mit: Food-Fotografen, Lebensmittel-Designer, Grafiker, Layouter und Texter. Nicht so bei Widmer und Adank. Sie machen alles selber nach dem DIY-Gedanken. Im Wohnzimmer ihrer WG steht eine Fotokamera auf einem Stativ, davor sind auf einer dunklen Oberfläche Lebensmittel aufgestellt, die bereit sind fürs Fotoshooting. «Wir benutzen für die Fotos keine Scheinwerfer, sondern nur Tageslicht», erklärt Adank.

Angefangen hat alles vor eineinhalb Jahren. Joel Adank war damals oft in einem Jugendtreff unterwegs. «Dort wurden allerdings nur ungesunde Lebensmittel wie Sandwiches, Burger und Pommes verkauft», erzählt er. Deshalb habe er sich für gesünderes Essen einsetzen wollen.

Bereits erfolgreich mit eigenem Kochblog

Mit seiner Freundin Muriel Widmer haben die beiden den Blog kochenunter5.ch gestartet. «Wir haben angefangen, günstige Rezepte aufzuschreiben und die fertigen Gerichte zu fotografieren», sagt Widmer. Rezepte schriftlich zu erklären und das fertige Essen fotografisch darzustellen, sei eine neue Erfahrung gewesen. «Wir sind beide keine professionellen Köche oder Designer.» Sehr schnell sei die Website jedoch auch ausserhalb der Familie und des Freundeskreises auf Interesse gestossen.

«Seit diesem Frühling sind wir auch auf Facebook und haben mittlerweile fast 1000 Follower», erklärt Widmer, nur etwa 200 davon würden sie persönlich kennen. Geholfen habe auch das Studentennetzwerk der HSG, wo die beiden studieren, er Internationale Beziehungen, sie Recht.

Ein neues Kochbuch auf einem «gesättigten» Markt

Kochbücher, Kochblogs, Kochsendungen und Instagramer, die ihre Gerichte fotografieren und online stellen, gibt es bereits wie Sand am Meer. In den letzten Jahren sind Kochtipps und kulinarische Eigenkreationen dank sozialen Netzwerken im Internet wie Pilze aus dem Boden geschossen. Es scheint fast, jeder betreibt einen Foodblog. Die grosse Auswahl an Kochbüchern und Webseiten lässt sich fast nicht mehr von einander unterscheiden, der Markt ist buchstäblich gesättigt. Braucht es da tatsächlich noch ein weiteres Kochbuch?

Kochbücher gebe es tatsächlich viele auf dem Markt, keines habe bisher jedoch den Preis mit einem Rezept verknüpft, sagt der 25-jährige Student. Mit ihrer Idee für Rezepte unter fünf Franken glauben die beiden, eine Marktnische gefunden zu haben. Die Idee sei aus der Not entstanden. Als Student sei das Budget von Natur aus eher klein, für den Lebensbedarf «müssen 15 Franken pro Tag reichen», erklärt Adank. Mit einem solch schmalen Budget liegen teure Lebensmittel und Gerichte nicht drin. Bei konventionellen Kochbüchern wisse man zudem nie, wie viel das Essen effektiv koste, und die Portionen seien meistens für vier Personen angegeben. «Für Singles oder ältere Menschen sind solche Portionen oft zu gross, mühsam zum Umrechnen und die empfohlenen Lebensmittel zu teuer», ist sich Muriel Widmer sicher.

Essen unter fünf Franken? Das klingt doch sehr nach Billig-Lebensmittel, Migros Budget oder Aldi. Ganz im Gegenteil, erklären die beiden. «In unserem Buch gibt es nur etwa drei Migros-Budget-Empfehlungen, solche, die wir für qualitativ sehr hochwertig oder alternativlos betrachten.» Alle anderen Lebensmittel würden in den Läden zu regulären Preisen angeboten. Für die Auswahl der Lebensmittel sei darauf geachtet worden, nicht nur günstige Lebensmittel zu verwenden.

Für die 23-jährige Muriel Widmer war es schon immer ein Traum, ein eigenes Backbuch zu schreiben. «Backen ist meine Leidenschaft, seit ich klein bin.» Nun sei aus dem Backbuch ein Kochbuch geworden: «Das ist auch eine gute Sache.» Joel Adank fügt hinzu: «Und mich hat es schon immer fasziniert, wie man einen guten Burger für weniger als fünf Franken auf den Teller bekommt.» Die Antwort verraten sie in ihrem Buch.

 

Philipp Bürkler

philipp.buerkler@tagblatt.ch

Kochen unter fünf Franken

im Netz: kochenunter5.ch