KOCHEN: Blättern und brutzeln

Längst haben digitale Helfer auch die Küchen erobert. Doch die selbst- gebastelte Rezeptkartei bleibt hoch im Kurs.

Beda Hanimann
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Keine Angst vor fettigen Fingern: Kochen mit dem guten alten Heftli. (Bild: Getty)

Keine Angst vor fettigen Fingern: Kochen mit dem guten alten Heftli. (Bild: Getty)

Beda Hanimann

beda.hanimann@tagblatt.ch

Fast gleichzeitig haben die ­beiden Grossverteiler grosse ­Online-Offensiven in Sachen ­Kochen gestartet. Coop lancierte «Fooby» als «kostenlose Inspirationsquelle», Migros eröffnete den digitalen Kochclub «Migusto». Eher am Rand sickerte dabei die Information durch, im Gegenzug werde das Migros-Kochmagazin «Saisonküche» eingestellt.

Die Möglichkeiten, die sich auf digitalen Kanälen beim ­Kochen bieten, sind in der Tat immens. Von der automatischen Umrechnung von Mengenangaben über das Bestellen von Zutaten bis zum Anleitungsvideo: ­ Das sind neue Dimensionen im Vergleich zur hausgemachten Sammlung ausgeschnittener Rezepte.

Doch bei allem digitalen Dampf aus den Grossküchen mögen die Verantwortlichen nicht auf Gedrucktes verzichten. Die «Saisonküche» ist zwar Vergangenheit, doch ab Mai erscheint in Ergänzung zur digitalen Plattform ein «Migusto»-Magazin. Es wird künftig zehnmal jährlich aufgelegt und in Migros-Filialen verkauft. Auch Coop ergänzt die Plattform mit einem Druckerzeugnis. Gerade sind 4 Millionen Exemplare (!) der ersten Ausgabe als Beilage in verschiedenen Zeitungen gestreut worden.

Ganz überraschend ist das Bekenntnis zum guten alten Heftli nicht. Zur Sinnlichkeit des Kochens und Essens passt das Rezept auf Papier, in dem man auch mit fettigen Fingern ohne Bedenken blättert. Und während Saucenspritzer oder Teigflecken auf dem Laptop eher unerwünscht sind, verhelfen sie der selbstgebastelten Rezeptkartei zur charmanten Patina. Das Heftli mit Rezepten zum Ausschneiden lebt – wie auch die fünf Beispiele aktueller Ausgaben zeigen.