KOCHBUCH: Schluss mit Fertigpizza

Muriel Widmer und Joel Adank stellen Rezepte vor für Gerichte unter fünf Franken.

Philipp Bürkler
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Essen unter fünf Franken? Das klingt doch sehr nach Billig-­Lebensmittel, Migros Budget oder Aldi. Ganz im Gegenteil, erklären Joel Adank und Muriel Widmer. «In unserem Buch gibt es nur etwa drei Migros-Budget-Empfehlungen, solche, die wir für qualitativ sehr hochwertig oder alternativlos betrachten.»

Bald erscheint ihr erstes Kochbuch mit Rezepten für unter fünf Franken. Über eine Crowdfunding-Aktion haben sie 14 600 Franken gesammelt. Ausruhen und Zurücklehnen ist dennoch nicht angesagt. In den kommenden Tagen arbeiten die beiden Studenten un­ermüdlich an den letzten Schliffen des Designs und Layouts der Publikation, die recht­zeitig auf Weihnachten erhältlich sein soll.

Bei kommerziellen Koch­büchern arbeiten unzählige Leute gleichzeitig an der Produktion mit: Food-Fotografen, Lebensmittel-Designer, Grafiker, Lay­outer und Texter. Nicht so bei Widmer und Adank. Sie machen alles selber nach dem DIY-Gedanken. Im Wohnzimmer ihrer WG steht eine Fotokamera auf einem Stativ, davor sind auf einer dunklen Oberfläche Lebensmittel aufgestellt, die bereit sind fürs Fotoshooting.

Vor anderthalb Jahren war Adank oft in einem Jugendtreff unterwegs. «Dort wurden allerdings nur ungesunde Lebens­mittel wie Sandwiches, Burger und Pommes verkauft», erzählt er. Deshalb habe er sich für gesünderes Essen einsetzen wollen.

Bereits erfolgreich mit eigenem Kochblog

Mit seiner Freundin Muriel Widmer haben die beiden den Blog kochenunter5.ch gestartet. «Wir haben angefangen, güns­tige Rezepte aufzuschreiben und die fertigen Gerichte zu foto­grafieren und ins Internet zu ­stellen», sagt Widmer. Rezepte schriftlich zu erklären und das fertige Essen fotografisch darzustellen, sei eine neue Erfahrung gewesen. «Wir sind beide keine professionellen Köche oder Designer.» Sehr schnell sei die Website jedoch auch ausserhalb der Familie und des Freundeskreises auf Interesse gestossen. «Auf Facebook haben wir mittler­weile fast 1000 Follower», erklärt Widmer, nur etwa 200 davon würden sie persönlich kennen. Geholfen habe auch das Studentennetzwerk der HSG, wo die beiden studieren, er Internationale Beziehungen, sie Recht.

Kochbücher, Kochblogs, Kochsendungen und Instagramer, die ihre Gerichte fotografieren und online stellen, gibt es bereits wie Sand am Meer. In den letzten Jahren sind Kochtipps und kulinarische Eigenkreationen dank sozialen Netzwerken im Internet wie Pilze aus dem Boden geschossen. Es scheint fast, jeder betreibt ­einen Foodblog. Die grosse Auswahl an Kochbüchern und Webseiten lässt sich fast nicht mehr voneinander unterscheiden, der Markt ist buchstäblich gesättigt. Braucht es da tatsächlich noch ein weiteres Kochbuch?

Ein neues Kochbuch auf einem «gesättigten» Markt

Kochbücher gebe es tatsächlich viele auf dem Markt, keines habe bisher jedoch den Preis mit einem Rezept verknüpft, sagt der 25-jährige Student. Mit ihrer Idee für Rezepte unter fünf ­Franken glauben die beiden, eine Marktnische gefunden zu haben. Die Idee sei aus der Not ent­standen. Als Student sei das Budget von Natur aus eher klein, für den Lebensbedarf «müssen 15 Franken pro Tag reichen», erklärt Adank. Mit einem solch schmalen Budget liegen teure ­Lebensmittel und Gerichte nicht drin. Bei konventionellen Kochbüchern wisse man zudem nie, wie viel das Essen effektiv koste, und die Portionen seien meistens für vier Personen angegeben. «Für Singles oder ältere Menschen sind solche Portionen oft zu gross, mühsam zum Umrechnen und die empfohlenen Lebens­mittel zu teuer», ist sich Muriel Widmer sicher.

 

Philipp Bürkler

philipp.buerkler@tagblatt.ch

Kochen unter fünf Franken:

kochenunter5.ch