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Unabhängig, kreativ und hip: Online-Magazine von jungen Schweizern bringen zwar kein Geld, dafür fühlen sich die Macher frei.

Cathrin Michael
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Lukas Schneebergers Bild, mit Aquarell und Filzstift auf Papier gezeichnet, erschien im Online-Magazin «Le Mile».

Lukas Schneebergers Bild, mit Aquarell und Filzstift auf Papier gezeichnet, erschien im Online-Magazin «Le Mile».

Das Wort töne so schön. Moustache. Französisch für Schnauz. So nennt Miriam Suter ihr Online-Magazin, das seit über vier Jahren erscheint. «Es war ein Bauchgefühl, unser Magazin so zu nennen», sagt die 24-Jährige. Inhaltlich habe es nichts mit Schnäuzen zu tun. Trotzdem sind sie auf jedem Cover zu sehen. Hipster, die nur noch mit Schnauz durch die Gegend laufen, wollen sie aber nicht ansprechen. «Wir sind nicht hip, sondern eher die kleinere nerdige Schwester des Hipsters», sagt die Aargauerin.

«Moustache» erscheint seit Anfang 2011 nicht nur als Online-Version, sondern auch in gedruckter Form. Möglich macht das die finanzielle Unterstützung der Stiftung «Kulturdünger» im Kanton Aargau. «Eines Tages davon leben zu können, wäre schön. Aber das ist utopisch», sagt sie.

Keiner wollte Texte abdrucken

In erster Linie sei «Moustache» eine Plattform für junge Kreative, ob Journalisten oder Künstler. «Ich erinnere mich an meine Anfänge. Ich habe neben meiner Ausbildung als freie Journalistin gearbeitet, und es war extrem schwer, jemanden zu finden, der meine Artikel abdruckt», sagt Suter.
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Im Magazin stehen Texte über eine Hippie-Stadt in Skandinavien, CD-Kritiken oder das Porträt einer Schweizerin, die es bis zur Art Direktorin bei der «New York Times» schaffte. Suter schreibt eher selten. Sie redigiert Artikel und koordiniert die Ausgaben, die neu unter einem Thema stehen. Das gibt viel zu tun – Arbeit, die sie meistens abends und am Wochenende erledigt. Denn die Aargauerin arbeitet als Kultur- und Lifestyle-Redaktorin beim «Friday»-Magazin. Die wenige Freizeit mache aber etwas Wichtiges wett: «Mich spornt die Freude unserer freien Autoren an, wenn sie zum erstenmal ihren Beitrag im fertigen Magazin sehen.»

Aus Asche entsteht Neues

Zwei, die ihr Magazin ebenfalls mit grosser Hingabe herausgeben, sind Florence Ritter und Nadja Abanin. Die zwei arbeiteten beim «kinki»-Magazin in Zürich, einem urbanen Lifestyle-Magazin, das im letzten Jahr eingestellt wurde. Umso mehr passt der Name ihres eigenen Magazines: «A/SH». Er steht einerseits für die Inhalte, die sie ihren Lesern präsentieren: Art und Fashion. «Der Name spielt aber auch auf das Wort <Asche> an», sagt Florence Ritter. «Aus Asche gedeiht immer etwas Neues, das in einer frischen Form fortbesteht», sagt die 28jährige Zürcherin. Das Konzept hebt sich von gängigen Online-Magazinen ab: Ritter (Chefredaktorin) und Abanin (Art Direktorin) präsentieren auf ihrer Webseite wöchentlich neue Inhalte und drucken dreimal im Jahr ein Magazin.

Mitarbeiter im Netz suchen

In «A/SH» sind vor allem Mode- oder Kunststrecken abgedruckt. Entweder werden diese extra für das Magazin produziert oder werden angeboten, von so genannten Contributern – Künstler, die am Magazin mitarbeiten. «Im ersten Heft zum Thema <Homesick und Wanderlust> haben Künstler aus Amerika, Holland und Deutschland mitgearbeitet», sagt Ritter. Auf der Webseite werden diese dann auch gleich vorgestellt. Die zwei Macherinnen suchen das Internet ständig nach Arbeiten ab, die ihnen gefallen.

Aus heiterem Himmel angefragt

Einer, der von Machern eines solchen Online-Magazines angefragt wurde, ist der Thurgauer Lukas Schneeberger. «Aus heiterem Himmel wollten die meine Bilder», sagt der 29-Jährige, der in St. Gallen lebt. Er hätte schon sein Leben lang gezeichnet – seine Bilder öffentlich zu machen, sei ihm nie in den Sinn gekommen. Zu sehen sind sie nun in der aktuellen Ausgabe des «Le Mile», einem Online-Magazin von deutschen und amerikanischen Machern. Honorar erhält der Ostschweizer für die Publikation nicht.
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Geld verdienen weder die meisten Macher kreativer Online-Magazine noch die Künstler, die mitmachen. Florence Ritter spricht wohl für alle, wenn sie sagt: «Wir machen das, weil wir völlig frei sind. Wir können ausprobieren, was wir wollen.»

www.moustache-magazin.ch ash-artfashion.com lemilemagazine.hpage.co.in lukasschneeberger.com

Jedes Cover des Online-Magazins «Moustache» ziert ein Schnauz.

Jedes Cover des Online-Magazins «Moustache» ziert ein Schnauz.

Auf der Webseite «A/SH» erscheint jede Woche Neues zu Kunst und Mode. (Bilder: pd)

Auf der Webseite «A/SH» erscheint jede Woche Neues zu Kunst und Mode. (Bilder: pd)

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