KLEINTHEATER: Gepflegte Langeweile und ein Lumpenhund

Eine Premiere zum Saisonstart, zahlreiche Kleinkunstpreisträger und ein ausgebautes Kinderprogramm – damit lockt das Theater an der Grenze von September bis Dezember nach Kreuzlingen.

Dieter Langhart
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Lukas Huggenberg, Simon Hungerbühler und Fritz Brechbühl vom Theater an der Grenze. (Bild: Dieter Langhart)

Lukas Huggenberg, Simon Hungerbühler und Fritz Brechbühl vom Theater an der Grenze. (Bild: Dieter Langhart)

Wo genau liegt eigentlich Heimat? Das ist keine rhetorische Frage, das ist eine Frage, wie sie Kinder stellen. Und auch Monty. Monty heisst der vorlaute Hund, dem die Puppenspielerin Rahel Wohlgensinger Leben einhaucht und dem ihr Mann Simon Engeli als Schauspieler beizubringen versucht, wo’s langgeht. Wissbegierige Kinder ab 6 geniessen das neue Programm «Monty will’s wissen» in Dialekt und mit Lokalbezug (26.11.). Das verspricht ­Simon Hungerbühler, der Programmleiter des Theaters an der Grenze in Kreuzlingen. Und nicht nur das – ganze vier Vorstellungen (darunter eine geschlossene Schulvorstellung) in der ersten Hälfte der kommenden Spielzeit ist für Kinder und ihre Familien gedacht. Zuerst tritt die Band ­Silberbüx auf mit «Knall uf Fall» (14.9.). Genau: Da macht Brigitt Zuberbühler mit, die als Lina ­Button Lieder für die Grossen singt. Dann spielen die Theaterkreationen vom Herisauer Theater Fleisch + Pappe das norwegische Märchen «Lumpenhut» (4.10.).

Für die Grossen wird wie gewohnt mit Kabarett, Musikkabarett und gepflegter Comedy gesorgt. Die Spielzeit eröffnet der Seebub Jan Rutishauser mit der Premiere ­seines zweiten Programms «Gepflegte Langeweile» (8.9.). Vor gut drei Jahren hat Rutishauser im Theater an der Grenze bereits «Burnout» gezeigt. Wer kennt den St. Galler Manuel Stahlberger noch nicht? In «Neues aus dem Kopf» schafft er ein Gesamtkunstwerk aus Liedern, Skizzen und Karikaturen (24.11.). Und noch zwei Gewinner des Salz­burgers Stiers treten in Kreuz­lingen auf: das Duo schön & gut – das heuer auch den Schweizer Kleinkunstpreis eingeheimst hat – mit seinem fünften Streich «Mary» (29.9.) und Migros-Magazin-Kolumnist Bänz Friedli mit «Ke Witz» (11.11.).

Direkt ins Herz und mitten unter die Flüchtlinge

Kabarett mit Musik machen zudem zwei Kabarettisten aus dem grossen Kanton: Katie Freudenschuss mit ihrer «Wahnsinnsstimme» (Simon Hungerbühler) in «Bis Hollywood is eh zu weit» (14.9.) und, zum Abschluss der ersten Spielzeithälfte, der Musiker, Songwriter und Kabarettist Olaf Bossi mit dem taufrischen zweiten Programm «Harmoniesüchtig» (1.12.)

Ein Experiment wagt das Theater an der Grenze mit einer ungewohnten Uhrzeit: Sonntagnachmittag um fünf. Am 5.11. gibt es «Zärtlichkeiten mit Freunden» – so heisst eine deutsche Band, ihr Programm geht «Mitten ins Herts». Und für einmal schwenkt das Kleintheater zurück ins Theaterfach. Die Schaffhauserin Annette Kuhn war mehrmals auf Lesbos und in Athen und hat aus ihren Begegnungen mit Flüchtlingen das Stück «Strandgut» gewoben und mehrmals überarbeitet. Regie führt Altmeister Jean Grädel, die Musik spielt Ako Karim.

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

theaterandergrenze.ch