Klebrig, stinkig, gruselig

Diana Hagmann-Bula
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Die Telefonkabine ist kein Ort der Hygiene. Wo man hingreift, klebt es. Es stinkt, als hätten Passanten das Glashaus seit Jahren als Fumoir und Pissoir zweckentfremdet. Man bildet sich ein, am Hörer Ohrenschmalz zu entdecken. Und die klimatischen Bedingungen: Entweder ist es zu kalt. Oder, kaum lugt die Sonne hervor, zu warm. Als das Handy noch nicht existierte, gab es gute Gründe, um dieses Gruselkabinett dennoch zu betreten. Schliesslich mussten die Daheimgebliebenen erfahren, dass der Skiort wegen einer Lawine von der Aussenwelt abgeschnitten, man selber aber wohlauf ist. Dass die Westschweiz die Praktikantin auch nach Wochen noch begeistert. Dass man trotz der Reisehochgefühle einiges von zu Hause vermisst.

Um unterwegs näher bei den Liebsten zu sein, deswegen tippte man auf schmuddeligen Tasten herum, schnaufte oberflächlich, um möglichst wenig Mief ein- zuatmen. Meldete sich am anderen Ende der Leitung jemand, war der Ekel meist vergessen. Bis im Biologie-Praktikum diese Übung anstand: Eine Probe vom Telefonkabinenhörer nehmen und warten, was in der Petrischale passiert. Nein, Sie wollen es nicht wissen! Natürlich ist auch das Handy nicht klinisch rein. Immerhin ist man dort für den Bakterienmix aber selber verantwortlich.

Diana Hagmann-Bula