KINO: Er soll es doch einfach machen – und basta!

Offenbar hat sich Daniel Craig nun endlich entschieden, James Bond nochmals zu spielen. Lange hat er dafür gebraucht. Was ein wenig nervig, aber auch verständlich ist.

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Daniel Craig hat genug von James Bond. (Bild: REBECCA BLACKWELL (AP))

Daniel Craig hat genug von James Bond. (Bild: REBECCA BLACKWELL (AP))

Ganz sicher ist es ja noch immer nicht: Auch gestern war erst von Gerüchten die Rede, gemäss denen Daniel Craig nun doch bereit sei, nochmals in die fiktive Haut von 007 zu schlüpfen. Diese Ungewissheit passt zur jahrelangen Ziererei des Briten. Der hatte nach dem letzten Bond-Film «Spectre» gesagt, eher schneide er sich die Pulsadern auf, als Bond nochmals zu spielen. Sicher nicht seine intelligenteste Aussage zum Thema, welcher in der Folge viele widersprüchliche Signale folgten. Vor einem Jahr zum Beispiel hiess es, er höre nun definitiv auf. Derweil er im April wieder verlauten liess, er könnte sich jetzt doch wieder vorstellen, nochmals ...

Ein Pokerspiel in millionenschweren Vertragsverhandlungen? Vielleicht, auch wenn sich Craig um Geld kaum mehr gross sorgen müsste, belief sich seine Gage beim letzten Bond angeblich auf 35 Millionen Dollar. Wahrscheinlicher ist, dass Craig sich Gedanken macht um seine Karriere nach 007. Er wäre nicht der erste Darsteller einer prominenten Rolle (und welche ist prominenter als die von James Bond!), der danach kaum mehr gute andere Angebote erhalten hat. Oder ist das Ganze nur eine PR-Masche, weil das daraus resultierende Kandidatenkarussell – inklusive der Frage, ob Bond auch ein Farbiger (gespielt etwa von Idris Elba) oder gar eine Frau sein könnte – die Filmreihe im Gespräch hält?

Wie auch immer: Daniel Craig sollte es nochmals machen. Weil er ein richtig guter Bond ist. Der Entsetzensaufschrei war ja fast kollektiv, als Craig 2005 als neuer Bond bekanntgegeben wurde. Zu klein sei er, vierschrötig statt elegant, und dann dieses Knautschgesicht. Schon sein erster Auftritt in «Casino Royal» liess fast alle Kritiker verstummen. Craig, gerade weil er sich weniger auf natürliches Charisma verlassen konnte, ging den Part als echter Schauspieler an. Das hat der Rolle mehr Tiefe und eine Gebrochenheit verliehen, die auch dem Zeitgeist entspricht.

Gerade weil er sich als so guter Darsteller erwiesen hat, muss er sich um eine weitere Karriere kaum Sorgen machen. Zumal er schon in seiner Bond-Zeit andere erfolgreiche Filme gemacht hat wie etwa die Stieg-Larsson-Verfilmung «Verblendung». Also: «Spiel’s noch einmal, Daniel.» Zumal gestern ein weiteres Gerücht kursierte: Christopher Nolan («The Dark Knight», «Inception») soll beim nächsten Bond Regie führen. Nolan und Craig als neues Team? Das wollen wir sehen.

Arno Renggli