Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

KINO: Der Mann, der Rocky möglich machte

US-Regisseur und Oscarpreisträger John G. Avildsen, der Sylvester Stallone mit dem Boxfilm «Rocky» zum Star machte, ist 81-jährig an Krebs gestorben.
Hans Jürg Zinsli
John G. Avildsen gewinnt 1977 den Oscar für «Rocky». (Bild: AP)

John G. Avildsen gewinnt 1977 den Oscar für «Rocky». (Bild: AP)

Als die Dreharbeiten zu «Rocky» im Januar 1976 begannen, grenzte das an ein Wunder: Sylvester Stallone war damals in Hollywood ein No-Name. Der 29-jährige Schauspieler und Drehbuchautor wollte seinen Stehaufboxer jedoch um jeden Preis selber auf der Leinwand verkörpern. Das United-Artists-Studio willigte schliesslich ein, den Film zum Dumpingpreis von einer Million Dollar zu machen, und stellte Stallone den 41-jährigen John Avildsen als Regisseur zur Seite.

Avildsen, der aus Illinois stammte, galt damals als Oscarmacher. Drei Jahre zuvor hatte er mit dem Midlife-Crisis-Drama «Save the Tiger» Jack Lemmon zur Trophäe als bestem Hauptdarsteller verholfen. Doch mit Boxen konnte der Regisseur nichts anfangen. Was ihn interessierte, war die Charakterstudie eines Underdogs – oder wie Avildsen es formulierte: «Auf der dritten Drehbuchseite plaudert dieser Typ mit seinen Schildkröten. Das fand ich grossartig.» Das ungleiche Duo funktionierte – mit Stallone als Motor und mit Avildsen als Troubleshooter und Designer. Der Regisseur musste den ungestümen Stallone im Zaum halten und gleichzeitig dessen überschäumende Energie in Bilder übersetzen. Dafür kam ihm eine technische Revolution gelegen: die Steadicam. Diese mobile Kamera sollte es ermöglichen, Schauspielern hautnah zu folgen, ohne dass das Bild verwackelte.

Prägende Szenen dank der Steadicam

Avildsen, der selbst als Kameramann begonnen hatte, war begeistert, engagierte den Steadicam-Erfinder Garrett Brown und filmte mit ihm die zentralen «Rocky»-Szenen. Scheinbar schwerelos tänzelt die Kamera zwischen den Rinderhälften im Kühlraum durch, fliegt dem engen Gemüsemarkt entlang und liefert schweissperlennahe Aufnahmen aus dem Boxring.

Auch jene filmhistorische Szene, als Rocky die Treppen zum Philadelphia Art Museum emporsprintet, wäre ohne Steadicam nicht möglich gewesen. Diese Unmittelbarkeit, dieses konstante Nahe-dran-Sein trug entscheidend zur Kinosensation bei: «Rocky» wurde zum erfolgreichsten Film des Jahres, holte zehn Oscarnominationen und avancierte zum Überraschungssieger der 49. Academy Awards in Los Angeles.

Ein Glücksmoment auch für Avildsen, der als bester Regisseur ausgezeichnet wurde. Dabei war der Film unter nahezu unmöglichen Voraussetzungen entstanden. Später erinnerte sich Avildsen: «Jedes Mal wenn wir nicht genug Geld für eine Szene hatten, fanden wir trotzdem eine bessere Lösung.» Heute verkörpert «Rocky» das Lebensgefühl von Generationen, Stallone wurde zur Leinwandikone.

Auf «Rocky II» verzichtet

Und Avildsen? Der hätte ursprünglich auch die Fortsetzung «Rocky II» (1979) drehen sollen, lehnte jedoch ab, was er später massiv bedauerte. Erst bei «Rocky V» (1990) kehrte der Regisseur zur Serie zurück, aber da war das Publikum schon angezählt und übersättigt. Immerhin feierte Avildsen in den Achtzigerjahren bei einer anderen Sportart Erfolge: die «Karate Kid»-Filme – eine Variation des Rocky-Durchhaltewillens, heruntergebrochen auf einen gemobbten Teenager – wurden zu Block­bustern. Doch Avildsen musste auch Niederlagen einstecken. In den Siebzigerjahren hätte er «Serpico» (1973, mit Al Pacino) und «Saturday Night Fever» (1977, mit John Travolta) drehen sollen. Doch der Regisseur ­überwarf sich vor Drehbe­- ginn mit den zuständigen Produzenten.

Auch mit seinem letzten Film hatte er Pech: Bei «Inferno» (1999) war Hauptdarsteller und Produzent Jean-Claude Van Damme mit Avildsens Endfassung unzufrieden und schnitt den Film um. Der Regisseur war entsetzt und versuchte, seinen Namen zurückzuziehen. Ohne Erfolg. Der Film wurde ein Flop. Seinen letzten Kampf hat John Avildsen letzten Freitag verloren. Er starb 81-jährig an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Hans Jürg Zinsli

focus@tagblatt.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.