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Kinder mit zwei Papas

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Gabriel Felder

Kürzlich streckten der olympische Turmspringer Tom Daley und sein Ehemann Dustin Lance Black ein Ultraschallbild in die Kamera und stellten den Schnappschuss auf Twitter. Just zum Valentinstag verkündete das Paar das Empfängnis seines ersten Kindes, eingeleitet durch IVF-Behandlung. Das Echo fiel überwäl­tigend positiv aus: Gleich­geschlechtliche Elternschaft geniesst spätestens seit der Geburt von Elton Johns Söhnen Elijah und Zackary eine soziale Akzeptanz in Grossbritannien, die kaum mehr hinterfragt wird.

Umso grösser war das Erstaunen, als sich die Tageszeitung «Daily Mail» mit der Schlagzeile «Bitte behauptet nicht, dass zwei Väter nun die neue Norm darstellen» aus dem Fenster lehnte. Der Rechtsaussen- Heisssporn Richard Littlejohn schrieb in seiner Kolumne, er «halte immer noch am Glauben fest, dass Kinder am meisten davon profitieren, wenn sie von einem Mann und einer Frau aufgezogen werden». Es ist das Zeichen eines toleranteren Zeitalters, dass die Reaktion auf Littlejohns Artikel ziemlich heftig ausfiel. Etablierte Unternehmen wie das Londoner Kulturzen­trum The Southbank Centre oder die Ferienheim­kette Centre Parcs zogen ihre Inserate zurück, «mit sofortiger Wirkung» und «aufgrund von Inhalten, die vollständig inakzeptabel sind». Vor allem der Rückzug von Centre Parcs kam schwerbeladen mit Symbolkraft: Seit über 30 Jahren geniesst das Unternehmen einen soliden Ruf als erschwingliche und offenherzige Ferienoase für Familien – ein Ruf, den die Kette ganz offensichtlich in eine progressivere gesellschaftliche Landschaft hinüberzügeln will.

Natürlich hat Richard Littlejohn jedes Recht, seine Meinung kundzutun. Die freie Presse geniesst in Grossbritannien einen hohen Status mit nicht zu unterschätzendem politischem Einfluss. Gerade die «Daily Mail» gilt als Lesestoff, der ganz oben auf der Prioritätenliste des Prime Ministers liegt. Littlejohn und sein rechtsgerichtetes Presseerzeugnis gehen allerdings das Risiko ein, am Volksempfinden vorbeizuschreiben.

Zweifellos gibt es vor allem in England immer noch geografische Zellen, in denen ein ausgesprochen konservatives und reaktionäres Gedankengut vorherrscht. Der Begriff «Little Englander» umschreibt einen Charaktertyp, der sich sehnlichst in die 50er-Jahre zurückwünscht, in denen Träume von den gloriosen Zeiten des britischen Imperiums noch erlaubt waren und Miss Marple für die Aufklärung der meisten Kriminaldelikte zuständig war.

Diese Zellen schrumpfen meiner Beobachtung nach allerdings immer mehr in einen Bereich der absoluten Irrelevanz herunter. Sie sind auf jeden Fall zu minim, um den ethischen Kurs einer nationalen Tageszeitung zu diktieren. Standpunkte haben sich gewandelt und tun es weiter. Gleich­geschlechtliche Beziehungen werden immer mehr als eine der vielen Weisen betrachtet, in denen sich das Kaleidoskop von zwischenmenschlichen Beziehungen heutzutage entfaltet.

In meinem Umfeld existiert diese Vielfarbigkeit. Und es ist rührend zu beobachten, wie Kinder mit zwei Papas oder zwei Mamas ihre Eltern mit beiden Armen umschlingen und liebkosen. Kein Anflug von Vorurteil, keine Lust zu hinterfragen (und schon gar keine Zeit). Es braucht schon einen mittelalterlichen Kolumnisten und eine geduldige Computertastatur, um etwas zum Problem zu machen, das in Hunderten von Wohnstuben landauf, landab als erfrischend normal erlebt wird. Den zukünftigen Vätern Tom und Dustin wünsche ich auf jeden Fall viele aufregende und vorurteilsfreie Papi-Momente.

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