Kims Aufstieg, Carls Absturz

Täglich taucht Kim Kardashian in den Schlagzeilen auf. Was sein muss, schliesslich ist sie ein It-Girl. Doch was heisst das und warum hat die Schweiz keins?

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Presenter Kim Kardashian arrives on the red carpet of the 2012 MTV European Music Awards show at the Festhalle in Frankfurt, central Germany, Sunday, Nov. 11, 2012. (AP Photo/Frank Augstein) (Bild: Frank Augstein (AP))

Presenter Kim Kardashian arrives on the red carpet of the 2012 MTV European Music Awards show at the Festhalle in Frankfurt, central Germany, Sunday, Nov. 11, 2012. (AP Photo/Frank Augstein) (Bild: Frank Augstein (AP))

2009 hat der Duden den Begriff It-Girl aufgenommen und definiert ihn so: «Junge Frauen, die durch ihr häufiges öffentliches Auftreten in Gesellschaft prominenter Personen und durch ihre starke Medienpräsenz einer breiten Öffentlichkeit bekannt sind». Das trifft auf Kim Kardashian zu. Die 32-Jährige hat mit Promi-Freund – dem Rapper Kanye West –, mit ihrer Schwangerschaft, der Geburt und der Benennung ihrer Tochter so oft die Spalten der Klatschblätter gefüllt wie sonst kaum eine. Den Grundstein für ihre It-Girl-Karriere legte die – damals unbekannte – Tochter eines Star-Anwalts 2006. An der Seite von Paris Hilton zog sie im Blitzlichtgewitter der Paparazzi durch die Clubs von Los Angeles. Es folgten Parties, Männer, Verlobungen, Entlobungen, eine Scheidung, unschöne Fotos, ein Skandal um ein Sextape. Eigentlich war es, als hätte Hilton ihr einen «Guide to becoming an It-Girl» geschrieben, den Kardashian Schritt für Schritt verfolgte. Nur blöd für Hilton, dass ihr Kardashian betreffend Selbstvermarktung mittlerweile den Rang abgelaufen hat. Eine Selbstvermarktung der besonderen Art: Kardashian und Hilton sind berühmt fürs Berühmtsein. Sie selbst bezeichnen sich zwar wahlweise als Model, Sängerin oder Unternehmerin, faktisch kennt man sie aber nicht deswegen.

Der Stoff für die Schlagzeilen

Das Phänomen beschränkt sich nicht nur auf die USA. Auch wenn dort der Kardashian-Clan und der Hilton-Clan dominieren, sind Nicole Richie, Chloë Sevigny oder Olivia Palermo oft in den Boulevardblättern zu finden. Auch Grossbritannien braucht Gesprächsstoff; namentlich wird dieser von Alexa Chung, Pixie Geldof und Alice Dellal geliefert. Und auch Deutschland hat Klatsch- und Tratschbedarf. Hier halten Bonnie Strange, Shermine Shahrivar, Marie Nasemann und Sophia Thomalla ihre Gesichter vor die Paparazzi-Linsen. Sie alle erfüllen die It-Girl-Voraussetzungen: Sie sind jung, gut aussehend, schlank, stets elegant bis aussergewöhnlich angezogen und auf jeder wichtigen Party dabei. Darüber hinaus helfen berühmte Eltern, Geschwister oder Partner. Auch gut sind Skandale, Schwangerschaften oder Hochzeiten.

«Carlis» tiefer Fall

Die einzige Person, die hierzulande dem entspricht und in der Öffentlichkeit steht beziehungsweise stand, hat ein Manko: Sie ist keine Frau. Carl Hirschmann. «Carli», wie er in seiner «Szene» genannt wird, kommt aus einer der reichsten Familien der Schweiz, sieht nicht schlecht aus, zieht sich gut an und in seinem Club an der Zürcher Bahnhofstrasse verkehrte einst Reich und Schön. Dort scharten sich die Mädchen reihenweise um ihn, was dem It-Boy zum Verhängnis wurde: Seit 2009 wurden mehrere Verfahren wegen sexueller Nötigung gegen ihn eröffnet. Sein Club schliesst. Im vergangenen Jahr wird er wegen Sexualdelikten und Nötigungsversuchen zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 32 Monaten verurteilt. Der Millionenerbe verschwindet aus der Öffentlichkeit. Vielleicht war der tiefe Fall des einstigen It-Boys zu abschreckend für potenzielle Nachahmer, vielleicht ist es in der Schweiz aber auch einfach zu normal, schön, jung und reich zu sein. Nur deshalb wird man hier nicht berühmt. Immerhin haben wir auch ohne eigene It-Menschen beim Friseur immer noch genug zum Tratschen. (kar/sda)