Kein Zucker zum Znüni

Villa Kunterbunt

Roger Berhalter
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Ein Apfel, das geht. Ein Rüebli auch. Schokolade eher weniger. So weit, in aller Kürze, die Empfehlung der Kinder- und Jugendzahnklinik, welchen Znüni man seinem Kind mit auf den Weg geben soll. Seit unser Sohn in den Kindergarten geht, hängt das Merkblatt in unserer Küche. Mit Bildli, auf Augenhöhe, damit der Kleine immer wieder sieht, dass Gurkenscheiben und Tomaten «gluschtig, guet und gsund» sind.

«Was für mein Kind gut ist, weiss immer noch ich am besten!», war mein erster Gedanke, als ich die Bildli von den Kiwis sah. Ist doch klar, dass man das Znünitäschli nicht mit Gummibärli füllt – oder? Dann stand ich hinter dieser Mutter im Supermarkt an der Kasse. Ihr Einkaufswagen war voller Schleckware. Es war Freitag, der Wetterbericht versprach Regen, und die Mutter erzählte der Kassierin, dass sie das Wochenende mit Kind und Zucker zu Hause verbringen werde. Zuoberst im Einkaufswagen lag einsam ein Apfel. «Für den Kindergarten, dort muss es ja gesund sein», erklärte die Mutter, als die Kassierin fragte.

Seither fühlt es sich immer sehr richtig an, meinem Sohn ein paar Gurkenscheiben einzupacken. Und für zu Hause habe ich neulich ein paar Schleckstengel gekauft. Die gehören aber mir. Mir ganz allein.

Roger Berhalter