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Kein automatisches Todesurteil

Pankreaskrebs oder Bauchspeicheldrüsenkrebs ist heute eine der tödlichsten Krebserkrankungen überhaupt. Professor Bruno Schmied vom Kantonsspital St. Gallen erklärt, warum dieser gefährliche Krebs oft sehr spät erkannt wird.
Bruno Knellwolf
Bruno Schmied Facharzt für Viszeralchirurgie am Kantonsspital St. Gallen (Bild: Benjamin Manser)

Bruno Schmied Facharzt für Viszeralchirurgie am Kantonsspital St. Gallen (Bild: Benjamin Manser)

Die Bauchspeicheldrüse ist unsere grösste Drüse. Sie produziert das Hormon Insulin, das unseren Zuckerstoffwechsel reguliert. Bei Diabetikern funktioniert das nicht mehr richtig. Zudem könnten wir ohne Bauchspeicheldrüse unsere Nahrung nicht verdauen, weil diese Enzyme dafür einschiesst. Wird diese Drüse von einem Tumor befallen, sind die Folgen dramatisch, wie Professor Bruno Schmied erklärt, der Mitglied des Stiftungsrats der Pankreasstiftung ist.

Herr Schmied, die Entstehung des Pankreaskrebs ist immer noch rätselhaft. Weiss man heute mehr darüber?

Bruno Schmied: Leider vermehrt sich unser Wissen zu dieser Erkrankung nur langsam und der Bauchspeicheldrüsenkrebs steht nicht im Hauptfokus der medizinischen Wissenschaft. Im Jahr 2000 wurden in der englischsprachigen Literatur rund 4400 Publikationen zum Thema Pankreas veröffentlicht. 2014 waren es immerhin knapp 6000. Demgegenüber stehen aber zum Beispiel beim Thema Dickdarm über 170 000 Veröffentlichungen.

Was sind die Folgen davon?

Schmied: Aufgrund seiner Seltenheit und somit auch sozioökonomisch relativ geringen Bedeutung werden wissenschaftliche und therapeutische Schwerpunkte anderweitig gesetzt. Eines der Anliegen der Schweizerischen Pankreasstiftung ist es deshalb, an der Bauchspeicheldrüse Interessierte zu unterstützen und zu fördern.

Oft wird dieser Krebs zu spät erkannt. Warum vor allem?

Schmied: Tumore der Bauchspeicheldrüse machen häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium Beschwerden oder verursachen unspezifische Symptome, die der Betroffene nicht automatisch damit in Verbindung bringt. Da die Beschwerden auch mit weit häufigeren Erkrankungen in Verbindung gebracht werden und der Tumor selten auftritt, steht die Abklärung der Bauchspeicheldrüse nicht immer im Vordergrund.

Was bedeutet diese Späterkennung?

Schmied: So kann wertvolle Zeit verloren gehen und zum Zeitpunkt der Diagnose ist der Krebs in über 80 Prozent der Fälle sehr weit fortgeschritten oder es sind Ableger vorhanden. Damit wird eine Heilung unwahrscheinlich. Zuverlässige Bluttests als Screeningverfahren oder andere Vorsorgemöglichkeiten gibt es nicht. Nur in seltenen Konstellationen, wie zum Beispiel einer familiären Häufung oder bestimmten genetischen Erkrankungen, werden Vorsorgeuntersuchungen regelmässig durchgeführt.

Hat sich in den letzten Jahren in der Art der Therapie etwas getan?

Schmied: Das Wissen um die Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse erweitert sich jährlich. Zudem sehen wir zunehmend – häufig als Zufallsbefunde in bildgebenden Verfahren – frühe Veränderungen der Bauchspeicheldrüse. Insbesondere bestimmte zystische, bläschenartige Veränderungen sind zunehmend im Fokus der Behandlung.

In welcher Art?

Schmied: Da diese Veränderungen Vorstufen eines Bauchspeicheldrüsenkrebses sein können, müssen sie sorgfältig von Spezialisten abgeklärt werden. Es stellt sich danach die Frage des aggressiven und präventiven chirurgischen Eingriffs. Somit wäre in dieser Situation der Patient geheilt. Demgegenüber steht aber die Frage der Übertherapie und der Risiken des Eingriffs. Diese Diskussion ist aktuell sehr spannend und die Bücher sind noch nicht geschlossen.

Seit 2006 gibt es die Pankreasstiftung. Ist der Krebs in der Öffentlichkeit bekannt genug?

Schmied: Trotz unserer Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung spüren wir in unserem Alltag, dass das Wissen um diese schwere Erkrankung erst als Betroffener steigt. Ursache dafür mag sein, dass er in der Schweiz nur der achthäufigste Tumor ist. Trotzdem ist er aktuell die vierthäufigste durch Krebs verursachte Todesursache. Hochrechnungen zeigen, dass er 2015 sogar die häufigste ist.

Gibt es trotzdem Hoffnung?

Schmied: Gängig ist immer noch die Vorstellung der unheilbaren Erkrankung, welche automatisch ein Todesurteil bedeutet. Ich glaube aber, dass die Medizin kontinuierlich, wenn auch nur sehr langsam, Fortschritte macht. Bestimmte Formen des Bauchspeicheldrüsenkrebses haben durchaus gute Prognosen. Deshalb ist es umso wichtiger, Beschwerden frühzeitig beim Arzt abklären und die Behandlung durch spezialisierte Fachkräfte durchführen zu lassen.

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