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KÄLTEWELLE: 1956 bleibt unerreicht: Die Kälte im Langzeitvergleich

Die Polarluft aus Sibirien hat Europa fest im Griff. An einigen Orten sind Tote zu beklagen. Bei uns dürfte der Februar als einer der kältesten in die Geschichte eingehen. Mit grösseren Schäden ist jedoch nicht zu rechnen.
Bruno Knellwolf

Bruno Knellwolf

Die extreme Kälte geht uns durch Mark und Bein. Sie hat weite Teile Europas fest im Griff. In Rom lag gestern erstmals seit sechs Jahren Schnee auf den Strassen. In Polen starben bei eisigen Temperaturen seit Freitag mindestens acht Menschen. Tote werden auch aus Litauen gemeldet. Soweit kommt es in der Schweiz wohl nicht, aber das Klagen ist trotzdem gross, stimmen die –10 Grad Celsius auf dem Thermometer doch nicht mit der gefühlten Temperatur überein. Denn mit der Kälte aus dem Osten kommt auch die Bise. Dieser nordöstliche bis östliche Wind ist ein im Winter übliches Wetterphänomen im Schweizer Mittelland bei Hochdrucklagen mit Hochnebel.

Und weil diese Winterbrise im Gegensatz zur Sommerbrise feucht ist, fühlt sich die Kälte auf unserer Haut so eisig an. «Diese Abkühlung durch den Wind wird als Windchill-Effekt bezeichnet», sagt Stephan Bader von der Abteilung Klima von Meteo Schweiz. Der Wind führt die warme Luft an unserer Haut ab, so dass diese fortwährend von kalter Luft umgeben ist. «Das führt zum erhöhten Wärmefluss aus der warmen Haut in die kühle Umgebungsluft. Die Hautoberfläche kühlt sich ab. Die Abkühlungsrate ist umso stärker, je kräftiger der Wind bläst und je tiefer die Temperatur der Luft liegt», sagt Bader.


Polarluft macht die Schweiz zur Kühltruhe

Der jetzt bei uns so eisige Februar war aber vor allem in den Bergen kalt. «Die Tagesmitteltemperatur sank dort an zehn Tagen 6 bis 8 Grad unter die Norm der Jahre von 1981 bis 2010», erklärt der Meteorologe. «Damit gehört der Februar 2018 in den Berglagen der Alpennordseite zu den kältesten Februarmonaten der letzten 30 Jahre.» Und auch im Mittelland war es um gut zwei Grad kälter als normal. Die aktuelle Kälte hat mit einem Phänomen zu tun, das Meteorologen «Sudden Stratospheric Warming» nennen. Eine ungewöhnliche Erwärmung der Stratosphäre, also des zweiten Stockwerks der Atmosphäre, in der die Temperaturen im Norden normal zwischen –50 und –80 Grad Celsius liegen. Die plötzliche Erwärmung sorgt dafür, dass das Wetter nicht wie normalerweise von Westen kommt, sondern von Osten. Blockierende Wetterlagen schwächen die westliche Strömung ab und drehen auf Nordost. Mit der nordöstlichen Strömung stösst zurzeit Polarluft, die sich im Bereich eines Hochdruckgebiets über Nord- und Osteuropa ansammelt, bis nach Mitteleuropa vor und macht die Schweiz zur Kühltruhe.

Während wir über die sibirische Kälte jammern, geht leicht vergessen, dass der Januar extrem mild war. Im landesweiten Mittel war der erste Monat dieses Jahres der mildeste seit Messbeginn im Jahr 1864. Man hat sich schon über Schneeglöcklein und Krokusse gefreut. Tatsächlich war der Winter, der am Donnerstag endet, auf der Alpennordseite unterhalb von 1000 Metern 0,8 Grad zu mild im Vergleich zur Norm, erklärt ­Stephan Bader. So schien auch manche Knospe schon nahe dem Austrieb. «Der Blühbeginn von Haselsträuchern wurde vereinzelt schon Ende Dezember und Anfang Januar beobachtet», sagt Bader. Immerhin betrug der Vorsprung der Haselsträucher 26 Tage im Vergleich zum Durchschnitt.

Die aktuelle Kälte trieb nun manchem den Angstschweiss auf die Stirn, in Erinnerung an die Fröste des vergangenen Jahres, welche zu Ernteausfällen im Obst- und Weinbau geführt hat. Insgesamt seien Schäden in Höhe von über 70 Millionen Franken angemeldet worden, hauptsächlich aus der West-, Nordwest- und Ostschweiz, meldete gestern Fondssuisse. Diese Stiftung wird die frostgeschädigte Landwirtschaft deshalb mit 20 Millionen Franken für die Ernteausfälle entschädigen.

Die Situation im vergangenen Frühling sei nicht mit der aktuellen vergleichbar, erklärt Reinhard Lässig von der Forschungsanstalt WSL: «Die Spätfröste 2017 ereigneten sich zu einer Zeit, als die Knospen der Bäume bereits ausgetrieben hatten. Die frischen Triebe waren von Natur aus noch nicht gegen Frost geschützt und starben infolge des Frostes ab». Diesen Januar schwollen zwar von einigen Baum- und Straucharten die Knospen etwas an, öffneten sich aber nicht. Folgeschäden des aktuellen Frosts sind gemäss Lässig nicht zu erwarten. Für Waldpflanzen sei dieser Frost sowieso normal.

Gebremstes Wachstum

«Auch die Kätzchen des Haselnussstrauches dürften nicht Schaden nehmen. Sie haben lediglich das Wachstum gestoppt», sagt Lässig. Die Obstbauern sind darob froh, denn ein zu früher Austrieb der Knospen birgt genau die Gefahr des späteren Erfrierens. Zudem überleben einige Schädlinge eine solche Kälte nicht, leider gilt das auch für Nützlinge, wie Carole Enz von der Forschungsstelle Agroscope erklärt. Allzu dramatisch dürfte die Situation nicht werden, am Wochenende sind deutliche Plustemperaturen angesagt – der Frühling kommt.

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