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JUNGFILMER: Erfolg mit der Vlogging-Perspektive

Gian Maria Finger aus Trogen hat gemeinsam mit Freunden einen zehnminütigen Spielfilm zum Thema Missbrauch von Handyfotos gedreht. Drei Preise hat er bekommen und für weitere ist er nominiert. Nächsten Herbst will der 17-Jährige Film studieren.
Mirjam Bächtold
Gian Maria Finger als Hauptdarsteller Marc in seinem Kurzfilm «Ein Fehler zu viel» mit Filmpartnerin Winona Schintu und als Regisseur beim Dreh in St. Gallen. (Bilder: PD)

Gian Maria Finger als Hauptdarsteller Marc in seinem Kurzfilm «Ein Fehler zu viel» mit Filmpartnerin Winona Schintu und als Regisseur beim Dreh in St. Gallen. (Bilder: PD)

Mirjam Bächtold

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

Zum ersten Mal auf Grossleinwand sah Gian Maria Finger seinen Film an den Zuger Filmtagen im Oktober. «Ich wurde rot, begann zu schwitzen und schämte mich für alle Fehler im Film», sagt der 17-Jährige. Doch dann habe er sich entspannt. «Der Film ist das, was er ist, und bleibt es auch. Ich bin stolz auf die Leistung, die meine Freunde und ich erreicht haben.» Stolz darf er sein: Der Film «Ein Fehler zu viel» hat drei Preise gewonnen. An den Zuger Filmtagen war es der SRG-Nachwuchspreis (Goldene Kirsche). Beim interregionalen Jugendprojektwettbewerb zwischen der Ostschweiz, Vorarlberg und dem Fürstentum Liechtenstein erlangte er den ersten Preis. Ursprünglich haben Gian Maria Finger und seine Freunde den Film aber für einen Datenschutzwettbewerb gedreht, der vom Zürcher Datenschutzbeauftragten ausgeschrieben wurde. Auch bei diesem Wettbewerb gewann der Film den ersten Preis.

Umgang mit Internet sollte ein Schulfach sein

In «Ein Fehler zu viel» geht es um Marc (gespielt von Finger selbst), der das Vertrauen seiner Freundin Mia missbraucht. Weil er verzweifelt ist, nachdem sie ihn verlassen hat, schickt er intime Bilder von ihr an die ganze Klasse weiter. Der Film thematisiert die Unwissenheit und Unsicherheit von Jugendlichen im Umgang mit sozialen Medien. «Ich finde, der Umgang mit dem Internet sollte ein eigenes Schulfach sein, damit Kinder und Jugendliche ein Bewusstsein dafür entwickeln», sagt Gian Maria Finger. Im Film zeigt er, wie schnell es zu Cybermobbing kommen kann. «Wir wollten aber nicht nur zeigen, wie sich das Opfer fühlt, sondern auch, was im Täter vorgeht.» Dafür hat er die sogenannte Vlogging-Perspektive gewählt. Er spricht in der Rolle von Marc mit Blick in die Kamera direkt den Zuschauer an. Der Film ist auf Youtube zu sehen und wurde über 250000-mal aufgerufen.

Regie zu führen und gleichzeitig die Hauptrolle zu spielen, war für Gian Maria Finger eine Herausforderung. Der ursprünglich geplante Hauptdarsteller sagte einen Tag vor Drehbeginn ab. «Ich hätte mir gewünscht, mich intensiver auf die Regie zu konzentrieren», sagt Finger. Aber dann wäre die Vlogging-Perspektive nicht möglich gewesen, die er erst im Nachhinein ohne die Crew gedreht hat und die den Film aufwertete.

Dass der Film so erfolgreich würde, hätte Gian Maria Finger nicht gedacht. «Ich bin sehr dankbar, dass er so gut ankommt und so viele Menschen erreicht hat.» Im Nachhinein würde er vieles am Film anders machen. «Deshalb dachte ich anfangs, es wäre besser gewesen, wenn mein nächster Film mit weniger Fehlern so viele Preise gewonnen hätte.» Aber natürlich freut er sich über die Anerkennung.

Als Film des Jahres auf «SRF Virus» nominiert

«Ein Fehler zu viel» ist für weitere Preise nominiert. Zurzeit läuft ein Onlinevoting auf den Websites von «Blick am Abend» und «SRF Virus». Dort ist der Film als Video des Jahres und Gian Maria Fingers Youtube-Kanal in der Kategorie Newcomer des Jahres nominiert. Und am Tubecon, einem Social-Media-Anlass am 29. Dezember im Hallenstadion Zürich, ist er ebenfalls mit dem Video und seinem Kanal nominiert. Ausserdem leitet er dort einen Workshop mit dem Titel «How to Youtube».

Der Jugendliche hat schon vor seinem ersten Kurzspielfilm Videos bei Youtube hochgeladen. Diese waren anfangs eher im Vloggerstil gehalten, Gian Maria Finger spricht den Zuschauer direkt an. «Heute sind mir viele dieser Videos peinlich. Aber sie sind ein Teil meiner Entwicklung, deshalb lösche ich sie nicht.»

Fingers Faszination für den Film hat ihren Grund in seiner Begeisterung fürs Mittelalter. «Als Kind war ich fasziniert von Ritterspielen und mein grösster Traum war, im Mittelalter zu leben. An einem Set zu einem Mittelalterfilm wäre ich diesem Traum am nächsten gekommen», sagt er. Einen Ritterfilm hätte er damals gerne gedreht.

Die Freude am bewegten Bild ist geblieben. «Mit Filmen kann man neue Welten erschaffen, das gefällt mir.» Er ist selbst regelmässiger Kinobesucher. «Ich finde es schön, wenn ein Film mich berührt, wenn ich lachen oder weinen kann. Und genau so will ich mit meinen Filmen das Publikum berühren. Aber ich würde gerne auch einfach einen stumpfen Actionfilm drehen.» Er will einmal seine eigenen Drehbücher verfilmen. Der nächste Schritt ist ein Studium. Zurzeit bereitet sich Gian Maria Finger für die Aufnahme in den Bachelor-Studiengang Film an der Zürcher Hochschule der Künste vor, der im Herbst beginnt.

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