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JUGENDSTUDIE: Digital Natives wollen heiraten und Kinder

Die erste Generation der «Digital Natives» will mit grosser Mehrheit heiraten und Kinder haben. Selbstverwirklichung und Berufserfolg sind auch wichtig. Diese Ansprüche könnten zu Enttäuschungen führen.
Bruno Knellwolf
Junge Erwachsene wollen heiraten und Kinder, aber sicher mit Selfies. (Bild: Sergei Bobylev/Getty)

Junge Erwachsene wollen heiraten und Kinder, aber sicher mit Selfies. (Bild: Sergei Bobylev/Getty)

Bruno Knellwolf

Die Pädagogischen Rekruten­prüfungen, die heute ch-x genannt werden, haben eine lange Geschichte. Bereits im Jahr 1854 wurden Rekruten erstmals befragt: Damals ging es um Rechnen, Lesen und Staatskunde. Seit den 1960er-Jahren wird auch nach der Lebenswelt gefragt und wie im gestern in Bern vorgestellten Bericht auch nach jener der jungen Frauen.

Thema waren in der Erhebung von 50 000 Rekruten und 1800 gleichaltrigen Schweizerinnen deren Lebensstil, Konsum und ­Zukunftsperspektiven. Und die Resultate der Untersuchung sind nicht so, wie viele Menschen dies in unserer schnelllebigen, ­digitalen Zeit erwarteten. Zwar handelt es bei den befragten 19-jährigen um die erste Generation der «Digital ­Natives». Trotzdem zeigen die Vergleiche mit früheren ch-x-Erhebungen eine hohe Stabilität bei den Grundwerten.

Die Analysen belegen, dass Nächstenliebe und Hedonismus zentral sind, wenn junge Leute über ihre Idealvorstellungen vom Leben sprechen, während Macht und Konformität unwichtig scheinen. Junge Erwachsene ­streben nach Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung, indivi­duelle Bedürfnisse sind wichtig, wie auch ein hoher Status mittels beruflichen Erfolgs.

Sie möchten heiraten und Kinder haben

Selbstverwirklichung hin oder her, sind die jungen Menschen bei der Familiengestaltung von den traditionellen Geschlechterrollen überzeugt. Sie möchten heiraten und Kinder haben. «In unserer Studie haben wir gefragt, wie sie sich die Arbeitsteilung vorstellen in den ersten drei Lebensjahren eines gemeinsamen Kindes», sagt Studien­autor Robin Samuel von der ­Universität Luxemburg. Dafür ziehen die jungen Erwachsenen mehrheitlich ein traditionell bürgerliches (Mann Vollzeit erwerbstätig, Frau nicht erwerbstätig) oder modernisiert bürgerliches (Mann Vollzeit erwerbs­tätig, Frau Teilzeit erwerbstätig) Familienmodell vor. Dabei kommt dem Mann als Vollzeitbeschäf­tigtem die Ernährerrolle zu und die Frau geht vorzugsweise einer Teilzeitarbeit nach oder widmet sich vollumfänglich der Familie. «Die Vorstellungen von weib­lichen und männlichen Befragten sind hierbei nahezu deckungsgleich», sagt der Soziologie-Professor.

«Männer mit höherem elterlichem Bildungshintergrund äussern eher die Absicht, nach der Geburt des Kindes Teilzeit zu arbeiten. Frauen aus einem städtischen Wohnumfeld wünschen sich Partner, die Teilzeit arbeiten. Frauen aus andern Wohngebieten eher nicht», sagt Samuel. «Ge­nerell möchten junge Frauen in allen Wohnumgebungen, mit Ausnahme der grossstädtischen, in den ersten drei Lebensjahren ihres Kindes keiner ausserfamiliären Arbeit nachgehen.»

Mehr Unterschiede in ihrem Verhalten zu früher zeigen die «Digital Natives» wenig über­raschend beim Freizeitverhalten. Soziale Netzwerke sind neben herkömmlichen Medien «zu ­wichtigen Gestaltungsfaktoren» der Freizeit geworden. 40 Prozent der Befragten spielen zum Beispiel einmal pro Woche ein Game am Computer. Für die Selbstverwirklichung böten die digitalen Medien neue Möglichkeiten, die rege genutzt werden.

Doch was heisst Selbstverwirklichung? «Freiheit, Kreativität, Unabhängigkeit, eigene Ziele wählen, Neugierde und Selbst­respekt. Es geht jungen Menschen, die ihr Leben nach diesen Werten ausrichten, darum, eigene Ziele zu setzen und diese zu verwirk­lichen und zwar auf eine unabhängige und kreative Weise», erklärt Samuel. Eine «sowohl als auch»-Generation wächst heran. «Junge Erwachsene wollen sowohl individuelle Selbstverwirklichung als auch Tradition.» Dabei zeigten sich Brüche. «Die hohen beruf­lichen Ambitionen und die relativ geringe Wichtigkeit der Karriere stehen beispielsweise in Kontrast, ebenso der Wunsch nach einer traditionellen Familien­planung und die hohen beruf­lichen Ambitionen von Frauen», sagt Samuel. Doch Junge gingen davon aus, dass Wohlstand und Gestaltungsfreiraum selbstverständlich und stabil seien. Ob dem so bleibe, werde sich zeigen. Län­ger­fristig könnte diese Vorstellung aber zu Enttäuschungen und sozialen Konflikten führen.

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