Josef aus Nazaret und die Hausarbeit

Wir müssen doch noch einmal rasch auf die Weihnachtsgeschichte zurückkommen. Genauer: auf neuere Forschungen aus dem Bayrischen, Josef betreffend. Zuerst Verlobter, dann Ehemann von Maria, hat der Mann ja einiges auszuhalten.

Rolf App
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Rolf App)

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Wir müssen doch noch einmal rasch auf die Weihnachtsgeschichte zurückkommen. Genauer: auf neuere Forschungen aus dem Bayrischen, Josef betreffend. Zuerst Verlobter, dann Ehemann von Maria, hat der Mann ja einiges auszuhalten. Wobei man nicht weiss, wie er sich als Vater eines Kindes von rätselhafter Herkunft eigentlich gefühlt hat. Die Bibel schweigt, sie überliefert kein einziges Wort aus Josefs Mund.

Immerhin: Sein Beruf wird mit dem griechischen «Tekton» angegeben, was «Bauhandwerker», «Architekt» oder «Baumeister» bedeutet. Er kannte sich also aus in der Bearbeitung von Holz und Steinen. Aber ob er sich auch im Haushalt gut zurecht gefunden hat?

Diese Frage kann nach Ansicht des Volkskundlers Walter Pötzl nur mit einem deutlichen Ja beantwortet werden. Pötzl hat untersucht, wie Josef von Nazaret im Mittelalter dargestellt worden ist. Und kommt zum überraschenden Schluss: Das Mittelalter dachte hochmodern. Mehr noch: Dieser Josef taugt sogar zum Trendsetter für unsere Zeit.

Schon in antiken Legenden kommen Hebammen vor, denen Josef zur Hand geht, indem er das Wasser zum Waschen der Windeln kocht. Sie werden auf einem Relief des Ulmer Münsters ins Bild gesetzt. Die Palette seiner Fertigkeiten ist erstaunlich gross. Josef wischt auf, Josef reicht Maria das gewickelte Kind, Josef schleppt Eier und eine Gans an, Josef plaudert am Zaun mit den Hirten, während Maria ihr Kind anbetet.

Und er macht, bei alledem, keinen unzufriedenen Eindruck. Im Gegenteil.