Jenseits von Rosamunde

Paparazza

Odilia Hiller
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Jenseits von Rosamunde

Jenseits von Rosamunde

Es beginnt mit einem Paukenschlag: Zwei Ehepaare gehen essen. Dabei gestehen die Männer den beiden Frauen, dass sie schwul sind und sich seit 20 Jahren lieben – und jetzt endlich zusammenleben möchten. Für die Frauen bricht eine Welt zusammen. Voller Wut, Witz und Würde richten sich die beiden widerwillig ein neues Leben ein. Und stolpern permanent über sich selbst. Rosamunde Pilcher ist weit, weit weg.

Mittlerweile ist der Streamingdienst Netflix ausser in China, Nordkorea, Syrien und auf der Krim überall verfügbar. Er zählt bald 100 Millionen Abonnenten. Irgendetwas macht Netflix also richtig. Zum Beispiel «Grace and Frankie». Soeben ist die dritte Staffel der Serie herausgekommen, die man – wie bei Netflix üblich – im eigenen Tempo guckt. Mal drei vier Folgen pro Abend, dann wieder nur eine. Immer dann, wenn’s passt. Hätte uns vor Jahresfrist jemand prophezeit, dass eine Serie, die hauptsächlich von über 70-jährigen Hauptdarstellern lebt, uns während Tagen freiwillig ans Sofa ketten würde, wir hätten nur pseudo-altersmilde gelächelt. Doch Jane Fonda (ja, die), Lily Tomlin, Martin Sheen und Sam Waterston geben ihr schauspielerisches Können in einem so erfrischenden Format zum Besten, dass Widerstand zwecklos ist.

Odilia Hiller

odilia .hiller@tagblatt.ch