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Jeder Tropfen zählt

Die Universität Zürich schafft den weltweit ersten Lehrstuhl für Muttermilchforschung. Eine Professur, der Muttermilch auf der Spur.
Bruno Knellwolf
An der Universität Zürich wird ab 2016 untersucht, warum Muttermilch so gesund ist. (Bild: Fotolia)

An der Universität Zürich wird ab 2016 untersucht, warum Muttermilch so gesund ist. (Bild: Fotolia)

Es gehe hier nicht um eine Lifestyle-Frage, sondern darum, die positiven Effekte der Muttermilch zu erforschen, erklärt Felix Sennhauser, Direktor des Universitäts-Kinderspitals Zürich. Es ist zusammen mit dem Universitätsspital an einer weltweit neuen, einzigartigen Professur beteiligt: An einem Lehrstuhl für Muttermilchforschung an der Universität Zürich. Die vielen prophylaktischen Funktionen, die positiven Auswirkungen auf Infektionen und Atemwege und das neurologische Gedeihen seien durch Beobachtungsstudien belegt, sagt der Neonatologe Dirk Bassler.

Jetzt gehe es darum, herauszufinden, warum das so sei. Untersucht wird zum ersten die Muttermilch als Produkt, zum zweiten die Mutter als Produzentin und zum dritten die Beziehung Kind/Mutter. Finanziert wird der Lehrstuhl mit 20 Millionen Franken durch die Familie Larsson-Rosenquist Stiftung. Sie finanziert ergänzend dazu auch einen Lehrstuhl für «Human Lactology» an der University of Australia in Perth. Die Stiftung nehme keinen Einfluss auf die Arbeiten am Lehrstuhl der Universität Zürich, sagt deren Rektor Michael Hengartner. Ab dem Jahr 2016 soll der Lehrstuhl mindestens 25 Jahre betrieben werden. Nur dann könne man mit Langzeit-Studien die Effekte der Muttermilch nachweisen, sagt Dirk Bassler.

Herr Bassler, die ersten Tropfen Muttermilch im Leben sind die wichtigsten. Gerade auch für Frühgeborene.

Dirk Bassler: Tatsächlich hat es die Natur so geregelt, dass die Bestandteile der Muttermilch je nach Zeitpunkt nach der Geburt unterschiedlich sind. In den ersten Tropfen sind bestimmte Bestandteile, die am Anfang ganz wichtig sind. Die geben wir Frühgeborenen dann in Milliliter-Portionen ab.

Was ist denn am wichtigsten?

Bassler: Die Muttermilch beeinflusst durch die Mannigfaltigkeit ihrer Substanzen – es sind Tausende von Einzelkomponenten – die Gesundheit der Neugeborenen positiv. Bei Frühgeborenen muss man zusätzlich darauf achten, dass die Zusammensetzung der Muttermilch, was Energie und Eiweisse angeht, den Frühgeborenen noch nicht genügt. Deshalb brauchen wir Zusätze zur Muttermilch, die eine Entwicklung so wie im Mutterleib ermöglichen.

Das sind Zusätze, aber keine Muttermilch-Ersatz-Produkte, die weltweit in grossen Mengen verkauft werden. Was fehlt Muttermilch-Ersatzstoffen im Vergleich zur Muttermilch?

Bassler: Eine einfache Frage, die nur komplex zu beantworten ist. Das ist wie beim Blut. Künstliches Blut ersetzt nie natürliches Blut. Künstlich dieses komplexe Gebilde gleichwertig nachzubilden, hat man bis heute nicht hingebracht. Das gilt auch für die Muttermilch mit ihren Tausenden von Einzelwirkstoffen.

Muttermilch ist auch eine ökonomische Frage.

Bassler: Das ist das Besondere an dieser Professur, die an der Universität Zürich geschaffen wird. Die Ersatzstoff-Produktion hat weltweit schon eine grosse Lobby, weil damit viel Geld gemacht wird. Hier macht man sich für Muttermilch stark. In den USA gibt es die Empfehlung, in den ersten sechs Monaten ausschliesslich zu stillen. Hielten sich 90 Prozent daran, könnte man in den USA 13 Milliarden Dollar pro Jahr sparen und hätte erst noch eine bessere Gesundheitsversorgung. In China wird den Frauen aber durch die Ersatzmilch-Industrie vermittelt, Stillen sei nicht schick.

Gibt es auch Gruppen, die die Muttermilch überhöhen, ihr Dinge zu dichten?

Bassler: Das gibt es garantiert. Der Prozess des Stillens ist emotional besetzt, und deshalb gibt es Gruppen, die Muttermilch als göttliches Elixier verkaufen. Deswegen ist es wichtig, dass man hier nun ganz genau hinschaut auf die bereits gemachten Studien. In den USA nimmt der Hype um Muttermilch komische Ausmasse an. Spezialisierte Firmen verkaufen Muttermilch sogar an Bodybuilder.

Welche Wirkungen sind denn belegt?

Bassler: Vieles ist mit Beobachtungsstudien untersucht worden. Diese zeigen, dass bei Frühgeborenen Magen-Darm-Komplikationen, Sterblichkeit und Infektionen geringer sind, die geistige Entwicklung besser. Bei Kleinkindern gibt es positive Effekte auf allergische Reaktionen, Asthma, Dermatitis, Atemwegserkrankungen. Auch bei den Frauen selber gibt es positive Wirkungen, zum Beispiel bei Brustkrebs.

Thema der Professur wird auch sein, wie lange Frauen stillen sollen. Wie lauten die Empfehlungen?

Bassler: Die aktuellen Richtlinien sagen: Sechs Monate ausschliesslich stillen, dann weitere sechs Monate Muttermilch plus Beikost.

Und längeres Stillen?

Bassler: Übertrieben langes Stillen ist nicht sinnvoll, die Muttermilch muss angepasst sein auf die Entwicklungsstadien der Kinder. So wie wir bei Frühgeborenen wissen, dass die Muttermilch am Anfang noch nicht reicht, wissen wir auch, dass ältere Kinder anderes brauchen als nur Muttermilch. Ein vernünftiges Mass ist da wichtig, weil es Gruppen gibt, die das Stillen ohne Ende proklamieren.

Dirk Bassler Direktor der Klinik für Neonatologie des Unispitals Zürich (Bild: pd)

Dirk Bassler Direktor der Klinik für Neonatologie des Unispitals Zürich (Bild: pd)

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