Jay Leno soll weichen

Im kommenden Jahr ist Schluss mit der legendären «Tonight Show» – trotz bester Quoten. Die Experten zweifeln am Entscheid der NBC. Sebastian Moll

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Seine Studio-Band ist keine alternde Jazz-Combo, sondern ein Hip-Hop-Kollektiv, er tanzt und singt sieben Minuten lang mit Justin Timberlake durch die Geschichte des Rap, er giesst Tom Cruise Wasser über den Kopf und bringt Barack Obama dazu, seine jüngsten Gesetzesinitiativen im Stil einer sexy Soulnummer vorzutragen. Jimmy Fallon, erst 38 Jahre alt, verkörpert in jeder Hinsicht die neue Generation der Late-Night-Unterhaltung im amerikanischen Fernsehen.

Mit bissigem Humor

Deshalb soll er nun Jay Leno ersetzen, der seit mehr als zwanzig Jahren auf NBC seine «Tonight Show» moderiert. Leno soll in Rente gehen, wenn im Herbst des kommenden Jahres sein Vertrag ausläuft.

Leno nahm seinen Abgang zwar mit Humor – allerdings einem überaus ätzenden. In jeder seiner Sendungen seit Bekanntgabe der Entscheidung riss er bösartige Witze über die Sende-Verantwortlichen.

Jay Lenos Traumquoten

Besonders sportlich war diese Bitterkeit nicht, verständlich war sie aber allemal. Es ist das zweite Mal innerhalb von drei Jahren, dass man bei NBC den alternden Leno absetzen will. Und das, obwohl er unter den Late-Night-Talkern noch immer mit Abstand die besten Quoten erreicht. 3,4 Millionen Menschen schalten allabendlich bei Leno ein, 400 000 mehr als bei seinem Rivalen Letterman.

Man kann ihm nicht einmal den Vorwurf machen, dass sein Publikum überaltert sei. Auch bei den 18- bis 49-Jährigen liegt Leno vorne. Deshalb war es schon unverständlich, als Leno 2010 auf seinem Sendeplatz von Conan O'Brien ersetzt und in die Nachtstunden verbannt wurde. Die Entscheidung stellte sich als Flop heraus, O'Brien brachte nicht annähernd die erhoffte Quote, Leno wurde wieder eingesetzt. Und doch setzt man nun bei NBC erneut auf Verjüngung.

«Immer dieselben Fehler»

Branchen-Experten runzeln angesichts dieser Politik die Stirn. «Man fragt sich manchmal, was die bei NBC in das Trinkwasser kippen», sagte die Medien-Professorin und TV-Expertin Christine Becker von der Notre Dame University gegenüber der Nachrichtenagentur AP. «Sie machen immer wieder dieselben Fehler.»

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