JAHRESZEITEN: Frühling mal fünf

Für die Meteorologen fängt heute der Frühling an. Ganz anders denken darüber die Mediziner. Die Astronomen warten noch ab.

Sarah Gerteis
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Die Natur erwacht, die Schneeglöckchen strecken ihre weissen Köpfchen aus der Erde. (Bild: Urs Jaudas)

Die Natur erwacht, die Schneeglöckchen strecken ihre weissen Köpfchen aus der Erde. (Bild: Urs Jaudas)

Sarah Gerteis

sarah.gerteis

@tagblatt.ch

Heute ist meteorologischer Frühlingsanfang. Für Jahreszeitenforscher hat der Lenz schon längst begonnen, Astronomen hingegen müssen noch 19 Tage warten, Christen gar 20. Und der Körper sieht die Sache nochmals anders.

Das sagen Meteorologen

Der 1. März ist von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) als Frühlingsbeginn festgelegt worden – und das aus rein praktischen Gründen. Jeder Jahreszeit werden drei Monate zugeschlagen, damit sich Statistiken einfacher erstellen und Vergleiche besser ziehen lassen. Der meteorologische Frühling umfasst demnach die Monate März, April und Mai. Dies gilt natürlich nur für die Nordhalbkugel, auf der Südhalbkugel beginnt am 1. März der Herbst.

Das sagen Astronomen

Der astronomische Frühlingsbeginn richtet sich nach der ersten Tagundnachtgleiche (Äquinoktium) des Jahres und ist heuer für den 20. März, 11.28 Uhr, anberaumt. An diesem Tag um diese Zeit sind Tag und Nacht genau gleich lang. Der exakte Zeitpunkt wird in der Astronomie durch die Lage der Erde zur Sonne bestimmt und nennt sich Frühlingspunkt oder auch Widderpunkt.

Das sagen die Christen

Im Christentum spielen die astronomischen Berechnungen ebenfalls eine Rolle. Allerdings ist hier vor allem der Vollmond von Bedeutung, denn der Frühlingsanfang wurde im Jahr 325 durch das Konzil von Nicäa auf den 21. März festgelegt, Frühlingspunkt hin oder her. Der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond ab diesem Datum markiert seither den Beginn des Osterfestes, welcher dieses Jahr auf den 16. April fällt. Aufgrund dieser Rechnung ist Ostern frühestens am 22. März und spätestens am 25. April.

Das sagen die Jahreszeitenforscher

In der Phänologie oder Jahreszeitenforschung ist weder der meteorologische noch der astronomische Frühlingsanfang von Belang. Phänologen beobachten insbesondere die Entwicklung von Pflanzen. Der phänologische Kalender kennt denn auch zehn Jahreszeiten, die nicht an fixe Daten gebunden sind. Der Frühling wird in drei Zeiträume unterteilt: Vorfrühling, Erstfrühling und Vollfrühling. Gemäss dieser Kategorisierung hat der Vorfrühling bei uns im Flachland längst begonnen, was sich an den Schneeglöckchen und dem blühenden Hasel zeigt. Kommen Forsythie und Stachelbeere hinzu, ist der Erstfrühling im Gange.

Das sagen die Mediziner

Unserem Körper sind Stichtage schnuppe. Vielmehr ist es ein Zusammenspiel zwischen mehr Sonnenlicht und der erwachenden Natur mit ihren Farben und Gerüchen, das uns individuell aus der Winterstarre löst. Wobei nicht alle mit dem einsetzenden Frühling das Gefühl haben, Bäume ausreissen zu können, sondern bloss schlafen wollen. Durch die wärmeren Temperaturen weiten sich einerseits die Blutgefässe, wodurch der Blutdruck absackt – was uns müde macht. Andererseits produziert der Körper während der dunklen Wintermonate mehr Melatonin (Schlafhormon) und weniger Serotonin (Glückshormon). Beginnt der Frühling, muss sich dieses Wechselspiel erst wieder richtig einpendeln. Dass auch Sexualhormone wie Testosteron verrücktspielen und die sogenannten Frühlingsgefühle verursachen, ist in der Forschung umstritten.