ITALIEN: Adriano und die Carabinieri

Der italienische Sänger Adriano Celentano fühlt sich in seiner Villa nicht mehr sicher. Ein Grossaufgebot an Carabinieri zu seinem Schutz sorgt nun für rote Köpfe.

Drucken
Teilen

Über mangelnde Aufmerksamkeit kann sich Adriano Celentano derzeit nicht beklagen: Sein neues, mit der Musikerkollegin Mina aufgenommenes Album hat in den letzten Monaten die nationale Hitparade gestürmt, das Lied «Amami» (Liebe mich) läuft in allen Radios und Supermärkten. Es fühlt sich an fast wie in den guten alten Zeiten, als der in Mailand aufgewachsene Süd­italiener mit unsterblichen Hits wie «Azzurro», «24000 Baci» und «Il Ragazzo della Via Gluck» die italienischen Massen verzauberte und das leichte Lebensgefühl des Belpaese in die ganze Welt trug.

Die Aufmerksamkeit der ganzen Nation hat der 79-Jährige in diesen Tagen aber auch durch einen Eintrag in seinem Blog auf sich gezogen. «Ich muss einige sehr schwerwiegende Fakten bekanntmachen, die sich in meinem Domizil von Galbiate gegenüber mir und meiner Frau Claudia ereignen», schrieb Celentano. Seit Tagen würden mehrere unbekannte und vermummte Typen immer wieder in sein Grundstück eindringen, während einer draussen Schmiere stehe. «Es handelt sich um eine Serie von besonders bedrohlichen Aktionen, die mich vermuten lassen, dass sie es auf mich und meine Frau abgesehen haben.»

Die Carabinieri des Nachbardorfs Olginate, wo Celentano Anzeige erstattete, liessen sich nicht lange bitten: Fast alle der acht Beamten des Postens machten sich auf, um den prominenten Bürger vor den unerwünschten Gästen zu schützen. Celentanos Haus und das Grundstück sind riesig – die Villa des Sängers erinnert von ferne an die Neverland-Ranch des verstorbenen Michael Jackson. Und die schöne Gegend in der Provinz Lecco, wo sich viele Reiche aus dem nahegelegenen Mailand niedergelassen haben, ist schon länger ein beliebtes Revier für Einbrecher.

Das Grossaufgebot für den «Molleggiato» («der Federnde», wie Celentano wegen seines federnden Gangs in Italien genannt wird) ist aber in der Nachbarschaft vielen sauer aufgestossen. Am deutlichsten wurde der Bürgermeister des Nachbardorfs Pescate, Dante De Capitani: «Jetzt sind alle Carabinieri bei Celentano, um seine Villa zu bewachen, während der ganze Rest des Territoriums mit seinen 25000 Einwohnern schutzlos ist.» Es müssten die Rechte aller Bürger geschützt werden: «Alle müssen sich sicher fühlen können», sagte der Bürgermeister. Es sei nicht richtig, zwischen berühmten und anderen Einwohnern zu unterscheiden.

Hämisch wird die Sonder­behandlung Celentanos auch in den Leserbriefspalten und Internetforen kommentiert, zumal sich der links-ökologisch angehauchte Sänger auch gerne als Anwalt des kleinen Mannes geriert. Wenn er Angst um sich und seine Frau habe, dann solle er doch einen privaten Wachdienst anstellen, lautete ein häufiger Kommentar. Das Geld dafür habe er ja. Der «Corriere della Sera» schrieb in einer Glosse perfid vom «Ragazzo della Villa Gluck» – in Anlehnung an den bereits eingangs zitierten Hit. In diesem Lied besingt Celentano die schmucklose Strasse in einem Industrieviertel Mailands, an der er in ärmlichen Verhältnissen seine Kindheit verbracht hatte.

Dominik Straub