Internetzugang auf dem Mars

Der amerikanische Unternehmer Elon Musk will mit seiner Firma SpaceX den Weltraum erobern. Der Internetriese Google soll ihm dabei helfen. Internet soll dereinst sogar auf dem Mars möglich sein.

Philipp Bürkler
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Nasa-Administrator Charles Bolden (links) hört Elon Musk, CEO von SpaceX, zu, der vor seiner Raumkapsel SpaceX Dragon referiert. (Bild: ap/Waco Tribune-Herald, Duane A. Laverty)

Nasa-Administrator Charles Bolden (links) hört Elon Musk, CEO von SpaceX, zu, der vor seiner Raumkapsel SpaceX Dragon referiert. (Bild: ap/Waco Tribune-Herald, Duane A. Laverty)

Das Suchmaschinenunternehmen Google hat zweifellos eine Vorliebe für visionäre und ausgefallene Projekte, die ebenso gut aus der Feder eines Science-Fiction-Autors stammen könnten. Fahrerlose Autos, künstliche Intelligenz oder digitale Kontaktlinsen, die den Blutzucker in den Tränen messen.

Noch utopischer als die Projekte in den Google-Labors scheinen die Ideen von Elon Musk. Der amerikanische Unternehmer und Multimilliardär will mit seiner Firma SpaceX die private Raumfahrt revolutionieren. Eines Tages sollen Menschen sogar auf dem Mars leben und dort Städte gründen, so seine Vorstellung. Hilfe für seine Projekte erhält Musk nun von Google. Die Suchmaschine investiert eine Milliarde Dollar in das Raumfahrtunternehmen SpaceX.

Satelliteninternet

Warum steigt Google bei SpaceX ein? Mit 700 sehr leichten Satelliten im Erd-Orbit will Tesla-Gründer Elon Musk bezahlbares Internet für alle Menschen auf der Welt, auch in ärmeren Gegenden, ermöglichen. Noch immer haben drei Milliarden Menschen keinen Internetzugang. Durchs Web surfen wäre dann selbst in der Wüste oder mitten auf dem Ozean möglich.

«Unser Projekt ist grösser als alles, was es bisher gab», so Musk in einem Interview. Durch das Milliardenengagement von Google lässt sich das Satelliteninternet nun verwirklichen. Normalerweise kreisen Kommunikationssatelliten in einer Höhe von rund 35 000 Kilometern um die Erde. Musks Satelliten werden auf einer Höhe von nur 1200 Kilometern positioniert.

Dank der geringeren Distanz zur Erde werden Internetverbindungen in Echtzeit und ohne Verzögerung machbar. Verzögerte Skype-Übertragungen oder stockende YouTube-Videos wären dann passé. Satelliteninternet steht in direkter Konkurrenz mit dem schnellen Glasfaserinternet, welches zurzeit weltweit in die Böden und dem Meeresgrund verlegt wird. Im Gegensatz zu Satelliten ist eine vollständige globale Abdeckung mit Glasfaser nicht realisierbar.

Für Google – als weltweiter Internet-Leader – ist die Milliardeninvestition in die Highspeed-Satelliten-Technologie lukrativ. Mit eigenen Satelliten im Orbit würde nicht nur die Zahl der weltweiten Internetnutzer steigen, sondern als Folge davon auch die Einnahmen der Suchmaschine. Neben Google und SpaceX gibt es etwa noch eine Handvoll weitere Firmen, die im Geschäft von Internetsatelliten mitmischen, allen voran Facebook.

«Mit dem Engagement bei SpaceX versucht Google seinen Konkurrenten Facebook abzuhängen, der ebenfalls mit Drohnen und Satelliten Internet in unterversorgte Erdteile bringen will», kommentierte das US-Magazin «BusinessWeek» Googles Strategie.

Wiederverwendbare Raketen

Der 43jährige Elon Musk hegt neben dem Satelliteninternet noch viel ambitioniertere Pläne. Das Hauptgeschäft von SpaceX liegt in der Entwicklung neuartiger Raketen. Mit der Falcon 9 versorgt SpaceX seit 2012 die Internationale Raumstation ISS mit Gütern, nachdem die Nasa ihr Spaceshuttle-Programm eingestellt hatte. Das Nachfolgemodell Falcon 9r (r steht für reusable – wiederverwendbar) ist die weltweit erste Rakete, die mehrfach verwendet werden kann.

Unbemannte Raketen anderer Anbieter verglühen beim Wiedereintritt in die Atmosphäre, nicht so die Falcon 9r. Diese Rakete könnte nicht mehr gebrauchte Gegenstände sicher zur Erde zurück transportieren und damit die zunehmende Menge an Weltraumschrott in der Erdumlaufbahn eindämmen.

Zusätzlich forscht SpaceX an einem unbemannten Raumschiff mit dem Namen Dragon. Dieses kann bis zu drei Tonnen Material ins All und zurück transportieren, das künftige Modell soll sogar sieben Astronauten Platz bieten. Eine enorme Steigerung gegenüber den 100 Kilogramm Nutzlast einer russischen Sojus-Kapsel, die bisher die einzige Möglichkeit bot, Gegenstände zur Erde zurückzubringen, ohne zu verglühen.

Damit nicht genug. Die wiederverwendbaren Raketen und das von Google finanzierte Satelliteninternet dienen Musk nur als Vorbereitungen für seine übergeordnete Vision: ein neues Zuhause für die Menschheit auf dem Mars. Nach seiner Vorstellung sollen zuerst etwa zehn Menschen zum roten Planeten fliegen, Tausende sollen ihnen dann folgen.

Zivilisation auf dem Mars

«Auf dem Mars können wir eine selbstversorgende Zivilisation gründen, die dann schnell wachsen kann», so Musk. Damit die Menschen auf dem Mars – rund 70 Millionen Kilometer von der Erde entfernt – mit ihrer Heimat kommunizieren können, will Musk den vierten Planeten in unserem Sonnensystem mit Internetzugang versorgen. Google wird wohl für den Bau der Infrastruktur sorgen. Die Satelliten um die Erde sind wohl ein erster Schritt hin zu einer längerfristigen Zusammenarbeit der beiden Technologieriesen, dank Internet auf dem Mars.

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