Internet-Anschluss per Luftballon

Es ist der Traum vom billigen Internet: In Sri Lanka sollen ab nächstem März Heliumballone in zwanzig Kilometern Höhe jeden Flecken des Landes mit Unterstützung von Google mit Internetanschluss verbinden.

Willi Germund/Colombo
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Der Inselstaat Sri Lanka wird als erstes Land der Welt versuchen, alle Bewohner per Luftballon ans Internet anzukoppeln. Laut einer Übereinkunft mit dem Internetgiganten Google soll das in etwa einem halben Jahr Wirklichkeit werden. 13 mit Helium gefüllte Ballons werden ab März des kommenden Jahres in etwa zwanzig Kilometern Höhe durch die Stratosphäre kreuzen und auch das kleinste Dorf der südasiatischen Tropeninsel mit dem Internet verbinden.

Bisher jeder fünfte mit Internet

«Dank Googles <Loon-Projekt> wird Sri Lanka von Dondra im Süden bis nach Point Pedro im Norden mit schneller 3G-Technik kostengünstig angeschlossen», erklärte Mangala Samaraweera, der Technologieminister des Landes, der auch das Aussenministerium leitet. Bislang verfügt in dem Inselstaat von der Grösse Litauens nur jeder fünfte Bewohner über einen Anschluss. Sri Lanka, das im Jahr 1989 bereits als erstes südasiatisches Land Mobiltelefone einführte, macht damit erneut einen Schritt in die Zukunft, der angesichts der weitverbreiteten Armut in der Region auch für andere Länder wie Afghanistan oder Nepal als Vorbild dienen könnte. Google glaubt, mit «Projekt Loon» endlich die ganze Welt ans Internet anbinden zu können. Bislang leben noch zwei Drittel der Menschheit ohne das weltweite Web.

Mit Solarzellen

Auf einer Plattform unter den – aufgeblasen 15 mal 12 Meter grossen – silbrig schimmernden Ballons sind Solarzellen angebracht, mit deren Hilfe der mitfliegende Sender betrieben wird. Sie werden während ihres etwa 100 Tage dauernden Aufenthalts in der Stratosphäre elektronisch gesteuert. Die Ballons sollen die unterschiedlichen Strömungen in der 20 000 Meter über dem Meer herrschenden dünnen Luft nutzen, um nicht davongetrieben zu werden und auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.

Google testete die unbemannten Heliumballons seit etwa zwei Jahren nahe Christchurch in Neuseeland. Dabei ging nicht nur mancher Probeflug daneben. Neuseeländer meldeten der Polizei bisweilen einen Flugzeugabsturz, wenn ein Ballon ungeplant seine Position oberhalb aller Reiserouten des internationalen Luftverkehrs verliess und zu Boden stürzte.

Absicherung mit Fallschirm

Sollte dies beim Einsatz über Sri Lanka passieren, haben Googles Ingenieure für alle Fälle Fallschirme eingebaut, die sich bei zu hoher Sinkgeschwindigkeit automatisch öffnen. Sie müssten dann allerdings in den Weiten des Indischen Ozeans aufgefischt werden.

Jeder Ballon wird über Sender am Boden Signale empfangen und je nach Bedarf an einen der zwölf anderen schwebenden Sendetürme an der Grenze zum Universum weitergeben. Auf dem Boden sollen in Sri Lanka lokale Internet-Betreiber den Datenverkehr einfangen und an Nutzer weiterleiten. Allerdings können die Ballons offenbar auch direkt Daten von Mobiltelefonen aufnehmen.

Ein Ballon kann laut Google ein Gebiet mit rund 45 Kilometern Durchmesser abdecken. Sie bestehen aus einer doppelten Polyethylen-Haut. Während ihrer 100tägigen Reise durch die Stratosphäre werden sie auf ihrer mehr oder weniger fixen Position am Himmel eine Strecke zurücklegen, die einer 19fachen Umrundung des Globus gleichkäme. Sie werden in den USA abheben und von dort Richtung Sri Lanka treiben.

Obwohl die fliegenden Sendestationen alle 100 Tage auf die Erde zurückkehren müssen, soll die Technik für die Kundschaft weitaus billiger sein als herkömmliche Kabel oder 3G-Netze.